Ypern - Junge Aachener dem Frieden auf der Spur

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Junge Aachener dem Frieden auf der Spur

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Hand in Hand für die Erinnerungskultur: Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), ein Schüler aus Belgien und eine Schülerin des Aachener Paul-Julius-Reuter-Berufskollegs stehen zusammen in Ypern. Foto: Sepp Spiegel

Ypern. Schon zum dritten Mal hat die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) eine deutsche Schulklasse nach Ypern begleitet: Die Stadt in Westflandern gilt auf der ganzen Welt als Mahnort des Ersten Weltkriegs.

Wie kaum in einer anderen Region Europas lassen sich hier die Spuren des Ersten Weltkriegs, die unterschiedlichen Formen des Gedenkens und der Wert der europäischen Idee erleben. Diesmal waren es Schülerinnen und Schüler des Paul-Julius-Reuter-Berufskollegs aus Aachen, die den Schauplatz des Ersten Weltkriegs in Belgien besuchten.

„Niederlage oder Sieg. Ist doch ganz egal. Kinder sterben – was für eine Qual.“ Es sind nur Auszüge eines Gedichtes, das zwei der Aachener Schüler am Mittwoch in Ypern anlässlich des belgischen Gedenktags an den Waffenstillstand von 1918 vortrugen. Zuvor hatte Löhrmann dort mit zwei Aachener Schülern einen Kranz niedergelegt. „Es ist wichtig, dass junge Menschen die Geschichte des Ersten Weltkriegs kennenlernen“, sagt Löhrmann, die sich seit Jahren für Erinnerungskultur an Schulen in NRW einsetzt. Das Motto: „Erinnern für die Zukunft“.

Schüler produzieren einen Film

Und genau das hat sich auch die Aachener Klasse vorgenommen. Nur zurückzublicken ist ihnen zu wenig. Aber wie einen Krieg, der vor über 100 Jahren tobte, mit dem Hier und Jetzt verbinden? „Was macht der Krieg mit jungen Menschen?“ – so lautet der Arbeitstitel für einen Film, den die Schüler während der zweitägigen Reise und anschließend zu Hause produzieren.

30 Minuten lang soll er werden. Sie fragen nicht nur, wie es jungen Männern an der Front im Ersten Weltkrieg erging, sondern auch, wie es jungen Menschen heute ergeht, die aus einem Land fliehen, in dem es einen Krieg gibt. „An unserer Schule gibt es internationale Förderklassen mit Flüchtlingen, mit denen werden wir sprechen“, sagt Niklas Schiffers (17), der am Berufskolleg das Wirtschaftsabitur macht.

„Es ist eine ganz andere Dimension, wenn jemand direkt vor einem sitzt und erzählt, wie sein Boot im Mittelmeer gekentert ist, als wenn es immer nur um abstrakte Flüchtlingszahlen geht“, sagt Schiffers, und er ist sich sicher: „In der Woche lernen wir mehr als in einem halben Jahr Schule.“

Dass sich ihre Schüler durch den aktuellen Bezug auch für das Thema Erster Weltkrieg erwärmen würden, darauf hatte Lehrerin Griet Cordemans gesetzt. „Der Gegenwartsbezug berührt die jungen Menschen“, sagt Cordemans, die an dem Aachener Berufskolleg Politik, Geschichte und Niederländisch unterrichtet.

Auch das Filmprojekt soll einen euregionalen Bezug haben. Der Besuch im belgischen Ypern – gemeinsam mit einer belgischen Schulklasse – gehört deswegen ebenso dazu wie der Besuch eines Flüchtlingsheims in den Niederlanden. Ausgerechnet an einem Zaun treffen die beiden Klassen im belgischen Hamont-Achel aufeinander, es ist eine Rekonstruktion des sogenannten Todeszauns aus dem Ersten Weltkrieg. Sobald man ihn berührt, surrt es laut. Aber es surrt eben nur.

Der echte Zaun, der Belgien und die Niederlande während des Ersten Weltkriegs trennte, war elektrisch geladen und somit tödlich – für mehr als 1500 Menschen. „Die Geschichte wiederholt sich“, sagt Griet Cordemans und verweist auf die aktuelle Diskussion in der Flüchtlingskrise. „Zäune stehen für etwas“, sagt auch Löhrmann. Damals sei es ein Todeszaun gewesen, heute baue man wieder Zäune, obwohl „wir alle froh waren über ein Europa ohne Grenzen“.

Während sich junge Menschen unterschiedlicher Nationalitäten im Ersten Weltkrieg feindlich gegenüberstanden, arbeiten die Schülergruppen im Museum zur „Westfront“ gemeinsam an ihren Projekten. Sie filmen sich gegenseitig, befragen sich, entdecken die Geschichte Nieuwpoorts gemeinsam. Das freut Jos Henckes, Geschichtslehrer der belgischen Jugendlichen. Die Denkmäler zu besuchen sei ja das Eine, aber grenzübergreifende Projekte seien viel wichtiger. So könnten Freundschaften entstehen und eventuelle Vorurteile abgebaut werden.

Das lobt auch die Schulministerin. „Ihr seid junge Europäer. Es ist toll, dass Ihr euch hier trefft“, sagt Löhrmann im Gespräch mit den Schülern aus drei Ländern. Denn, so sagt die Ministerin: „Es ist unsere Mission, den Frieden zu wahren.“

Ministerin: Erinnerungskultur in die Schulen des Landes tragen

Das Land Nordrhein-Westfalen setzt auf Erinnerungskultur an Schulen. Kinder und Jugendliche sollen den „Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und Freiheit“ erlernen. Dies ist auch ein zentrales Ziel der Landesverfassung und des Schulgesetzes.

Mit dem Konzept „Erinnern für die Zukunft“ will das Schulministerium Impulse für Schulen und die Zivilgesellschaft geben und sie bei ihrer Arbeit begleiten.

„Erinnerungskultur versucht, den Jugendlichen Historisches so nahezu bringen, dass sie einen persönlichen Bezug zur Geschichte entwickeln können“, sagt NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne).

Der Besuch von Erinnerungsorten helfen bei dieser Vermittlung. Die Schulministerin selbst besucht jedes Jahr mit je einer Klasse Ypern in Belgien als wichtigen Gedenkort des Ersten Weltkriegs und Auschwitz als Gedenkort an den Zweiten Weltkrieg.

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