Jürgen Beckers: Der „Hausmann“ lacht wieder

Von: Thomas Thelen
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Er kann wieder lachen: Jürgen Beckers auf der Terrasse seines Hauses im Alsdorfer Stadtteil Ofden. Foto: Stephan Rauh
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Jürgen Beckers im Aufgalopp zu den Weltreiterspielen bei der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ am 11. Februar 2006 im Eurogress Aachen. Foto: Harald Krömer

Alsdorf. Der Zusammenbruch kommt am 4. März dieses Jahres. Jürgen Beckers will gerade seine Tochter von der Grundschule in Alsdorf-Ofden abholen, da spürt er einen heftigen Schmerz im Oberarm, der hinaufzieht bis in den Nacken und den Kopf. Dann die Panik. Und dann die Dunkelheit. „Plötzlich war ich weg“, sagt Beckers. Erst im Krankenhaus in Bardenberg kommt er wieder zu Bewusstsein. Nur zur Einsicht kommt er da noch nicht.

„Mein erster Gedanke war, dass ich einige Tage später einen wichtigen Auftritt hatte.“ Noch im Krankenhaus teilt er seinem Manager mit, dass kein Grund bestehe abzusagen. Wer hinfalle, der müsse auch wieder aufstehen. Doch Beckers ist kaum entlassen und wieder zu Hause, da spürt er, dass nichts mehr geht. „Ich saß da und wusste instinktiv, dass alles anders war, ich konnte nicht mehr.“ Schon gar nicht auf eine Bühne. Schon gar nicht, um ein paar flotte Späßchen zu machen.

Gut zwei Monate ist das jetzt her. Inzwischen kann Beckers (50) offen über die Krise reden. Und er tut das sehr bewusst. Er weiß, dass die Spekulationen ins Kraut schießen, spätestens seit der Erklärung auf seiner Homepage: Jürgen B. Hausmann geht wieder auf Tournee – allerdings ein wenig später als geplant. Denn aus gesundheitlichen Gründen muss der Kabarettist in diesem Frühjahr alle Auftritte absagen.

Im Sommer geht’s aber gewohnt heiter weiter. Er könne, sagt Beckers, sehr gut verstehen, dass die Menschen wissen wollen, was Sache ist. Nicht nur wegen der Eintrittskarten, die sie gekauft haben. „Die Leute sollen erfahren, wie es mir ergangen ist. Ich habe nichts zu verheimlichen.“ Mit heiter weiter war auf jeden Fall erst mal Schluss.

Beim Geld hört die Freundschaft auf

Das Wort Fans nimmt er nicht in den Mund. Dabei gibt es seit Jahren eine ansehnliche Gemeinde, die Jürgen Beckers alias Jürgen B. Hausmann über die Region hinaus die Treue hält, ob im Karneval oder außerhalb der Session. „2014 war das mit Abstand beste Jahr, 250 Auftritte, der Höhepunkt“, sagt Beckers. Doch schon da ahnt er, dass der Tiefpunkt nah ist.

„Mir war klar, dass ich das nicht mehr lange aushalten würde, ich steckte in diesem verrückten Rad und fand den Ausstieg nicht.“ Aber wer will schon freiwillig aufhören mit einer Sache, die er liebt. Die ihm viel Anerkennung bringt. Und auch gutes Geld. Doch beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Auch im Karneval. Neid ist auch ihm kein Fremdwort, aber Neid muss man sich verdienen . . . durch Erfolg.

Und auch das gehört zu dieser Geschichte. Seit 2013 stecken Beckers und seine Frau Sandra in einer Ehekrise, die sie zu überwinden versuchen.

Dass er selbst ein gutes Stück Schuld hat an seiner Misere, ist ihm sehr bewusst. „Es gab ja deutliche Hinweise von Freunden, ich solle es nicht übertreiben.“ Doch da war es im Grunde schon zu spät. Vielleicht habe die nötige Distanz gefehlt zu dem, was man seit Jahren wie selbstverständlich macht.

Schließlich lief das kleine Familienunternehmen ja rund – zumindest nach außen. Ja, er habe es übertrieben, zu viele Auftritte, zu oft im Fernsehen. „Man blendet den Gedanken irgendwie aus, dass man sich selbst abnutzt, dass es auch den Menschen an den Fernsehgeräten und in den Sälen zu viel werden kann.“

Es ist sein Manager Joachim Badorek, der schließlich das Heft in die Hand nimmt, als er erkennt, dass Beckers am Ende seiner Kräfte ist – physisch wie psychisch. „Ich weiß nicht, ob ich es ohne ihn geschafft hätte“, sagt Beckers. Badorek erzählt ihm von einem Klinikaufenthalt des Kölner Büttenstars Willibert Pauels, der unter schweren Depressionen litt.

Beckers folgt dem Beispiel seines Kollegen. Einen Monat verbringt er in einer Klinik in Neuss – und findet zurück in die Spur. „Natürlich war das nicht leicht. Und natürlich ist man nicht stolz darauf, dass es soweit kommen kann im Leben. Doch letztlich bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein und heute darüber reden zu können.“

Seit er aus der Klinik ist, nimmt sich Beckers wieder mehr Zeit für sich. Einfach mal da sitzen und nachdenken. Entschleunigen! Kraft findet er in seinem Glauben, häufig geht er Richtung Ottenfeld zum Kappellchen, um zu beten. Oder auf den Friedhof in Alsdorf-Mariadorf, wo er am Grabe seiner Mutter verweilt, die mit 85 Jahren starb, und eine enorme Lücke in seinem Leben hinterlassen hat.

Sein Auftrittspensum will Beckers deutlich reduzieren, drei Shows pro Woche soll künftig das Maximum sein. Vielleicht ist ja die wichtigste Erkenntnis aus der Krise, dass es auch noch andere Dinge im Leben gibt abseits der Bühne. Heute sagt Beckers: „Ich kann mir mein Leben inzwischen auch sehr gut ohne den ganzen Trubel vorstellen. Wenn das einmal vorbei ist, dann ist es eben vorbei.“ Er brauche das nicht für sein Ego. Überhaupt sei er ja ein ruhiger Mensch, kein „Tamtam-Typ“, einer, der die Stille genießt. Und manchmal sogar die Einsamkeit.

Beckers weiß, dass er noch nicht ganz über den Berg ist, doch er ist gut unterwegs. Schon bald will er wieder auf der Bühne stehen, die ersten Vorstellungen seines neuen Programms sind trotz Umterminierung ausverkauft.

Die Proben im Wohnzimmer mit Regisseur Claus Schmitz laufen auf Hochtouren. Würde er sagen, er sei nicht nervös vor dem Comeback, dann wäre das glatt gelogen. Doch Beckers mag nicht lügen. Er will ehrlich sein. Vor allem gegenüber sich selbst. „Ich habe Angst vor dem ersten Auftritt. Es bringt nichts, wenn ich mir da was vormache.“

„Wie jeht et? – Et jeht!“ heißt sein neues Programm. Irgendwie passend.

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