Jülicher Sportplatzüberfall: Sechs Haftstrafen gefordert

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Gericht
Der Tatvorwurf gegen die Männer: Gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung. Foto: Guido Jansen

Aachen. Sechs der acht Männer, die sich gerade vor dem Landgericht Aachen wegen des Sportplatzüberfalls am 6. November in Jülich-Güsten verantworten müssen, sollen ins Gefängnis. Der Tatvorwurf: gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung.

Das hat die Staatsanwaltschaft Aachen am Donnerstag in ihrem Plädoyer gefordert. Staatsanwalt Guido Schreiner plädierte vor der 4. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke für Freiheitsstrafen zwischen 21 Monaten und vier Jahren und drei Monaten. In einem Fall forderte er eine Strafe zur Bewährung, in einem zweiten schloss er die Möglichkeit der Bewährungsstrafe nicht aus.

Das höchste Strafmaß rief Schreiner für Abdurrahman O. aus, der mehrfach einschlägig vorbestraft ist und am 6. November mindestens zehnmal mit dem Baseballschläger zugeschlagen haben soll, auch als die Opfer bereits am Boden lagen.

Für die Brüder Ismail B. und Aziz O. forderte die Staatsanwaltschaft drei beziehungsweise zweieinhalb Jahre Haft, weil sie sich während der Beweisaufnahme als Triebfedern des Überfalls herauskristallisiert hätten. Die Tatsache, dass bis auf Sebastian S. direkt zu Beginn des Prozesses alle Beteiligten die Tat gestanden hatten, wie sie auf einer Videoaufzeichnung zu sehen war, wertete Schreiner in keinem Fall als strafmildernd, sondern als Taktik, um die Straferwartung zu senken.

Erwartungsgemäß widersprachen die Verteidiger der Staatsanwaltschaft. Die Hälfte der 16 Verteidiger hielt am Donnerstag ihr Plädoyer, weiter geht es am Montag um 9 Uhr, das Urteil soll am 19. Mai gesprochen werden. Die Verteidiger führten an, dass ein überzogenes mediales Interesse erst dafür gesorgt habe, dass das Verfahren nicht vor einem Amtsgericht, sondern vor dem Landgericht verhandelt werde.

Verteidiger Martin Nitschmann bezichtigte die Staatsanwaltschaft einer unverhältnismäßigen Darstellung der Ereignisse. „Man konnte meinen, dass wir hier über die Varusschlacht im Teutoburger Wald reden.“ Im Fall von Ismail B. führte dessen Anwalt aus, dass der Beklagte nicht gewusst habe, worum es bei der Aktion ging. Vielmehr habe er versucht, zu beschwichtigen. Jedenfalls sei er keiner der Rädelsführer gewesen, genau wie Aziz O..

Der Sportplatzüberfall wurde mit Auseinandersetzungen verglichen, die es bei Stoppelfeldfeten zwischen den Jugendlichen verschiedener Ortschaften häufiger gebe. Die Verteidiger kennzeichneten ihre Mandanten überwiegend als Mitläufer, die von der Gruppendynamik mitgerissen worden seien.

Lediglich die Verteidiger von Erol S. und Ibrahim K. räumten ein gemeinschaftliches Begehen der Tat ein. Eine der großen Fragen beim Urteil wird sein, ob das Gericht dem von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung zustimmt. Das könnte die Straferwartung für alle Angeklagten erhöhen.

Für Sebastian S. wurde am Donnerstag Freispruch beantragt, die Anwälte aller anderen Angeklagten plädierten für eine Strafe zur Bewährung. Auch deshalb, weil sich die Angreifer mittlerweile bei den Geschädigten entschuldigt und direkt zu Beginn des Verfahren ein Geständnis abgelegt haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (7)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert