Jülicher Castoren: Pläne in der Kritik

Von: René Benden
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Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen glaubt, dass der Transport des Atommülls aus Jülich in die USA gegen deutsches Recht verstößt. Foto: dpa

Jülich/Düsseldorf/Berlin. Die Pläne, 152 Castoren mit hochradioaktivem Müll aus Jülich in die USA zu verschiffen, stößt auf Widerstand. Die Atomexpertin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, zieht in Zweifel, dass ein solcher Transport mit deutschem Recht in Einklang steht.

Weil der damalige Hochtemperaturreaktor (HTR) auf dem Gelände des heutigen Forschungszentrums Jülich (FZJ) auch Strom für die öffentlichen Netze produziert habe, sei dies ein kommerzieller Reaktor gewesen, argumentiert Kotting-Uhl. Und der Abfall von kommerziellen Reaktoren müsse nach deutscher Rechtsprechung auch in Deutschland eingelagert werden.

Das NRW-Forschungsministerium als Anteilseigner des FZJ widerspricht dieser Darstellung. Auf Anfrage unserer Zeitung betonte das Ministerium am Montag, dass der Transport der Brennelemente in die USA sowohl mit nationalem als auch mit EU-Recht in Einklang stehe. Das NRW-Ministerium und das Bundesforschungsministerium weisen allerdings darauf hin, dass der Überseetransport nur eine von drei Optionen sei, die derzeit geprüft würden. Neben der Verschiffung steht auch der Transport ins Zwischenlager Ahaus und die Einlagerung in einem neuen Zwischenlager in Jülich selbst zur Diskussion. Nach den vorläufigen Ergebnissen einer geologischen Untersuchung ist die letzte Variante allerdings unwahrscheinlich geworden. Denn der Standort Jülich eignet sich laut dieser Untersuchung aus Gründen der Erdbebensicherheit nicht für ein neues Zwischenlager.

Aus diesem Grund hatte das NRW-Wirtschaftsministerium vor mehreren Wochen eine Räumungsanordnung für das Jülicher Zwischenlager verhängt, in dem die Castoren mit den rund 300 000 Brennelementen des ehemaligen HTR aufbewahrt werden. Den Auflagen zufolge muss das FZJ nun bis zum 30. September ein detailliertes Konzept vorlegen, wie die Zukunft der Castoren aussieht. Kotting-Uhl kritisiert, dass dieses Verfahren nicht transparent genug sei. Eine Sprecherin der Atomexpertin sagte am Montag: „Wir werden über nichts informiert.“ Es wachse die Befürchtung, dass das Bundesforschungsministerium die Öffentlichkeit am 30. September mit dem Abtransport des Atommülls in die USA vor vollendete Tatsachen stelle.

Koalitionsvertrag gilt

Zur Zukunft der Castoren verweisen die Grünen in NRW auf den rot-günen Koalitionsvertrag. „Dort ist festgehalten, dass der Jülicher Atommüll nur noch ein Mal transportiert werden soll“, sagt Hans Christian Markert, Sprecher für Anti-Atompolitik der Grünen im NRW Landtag. Diese Vereinbarung sei gültig.

Ob dies auch bedeute, dass der Abfall in die USA transportiert werde, wollte Markert aber nicht bestätigen. Vielmehr wies er da­rauf hin, dass gerade bei einer Verschiffung der Castoren nach Übersee noch zahlreiche Fragen nicht geklärt seien. „Von welchem Hafen aus, sollen die Castoren verschifft werden? Was passiert in den USA mit den Brennelementen? Was kostet der Transport? All das muss erst beantwortet werden“, forderte Markert am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung.

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