Jülich arbeitet weiter am eigenen Reaktorkonzept

Von: René Benden und Christian Rein
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Aachen. Die Grünen-Fraktion im Bundestag wirft der Bundesregierung vor, weiterhin die Entwicklung neuer Hochtemperaturreaktoren (HTR) in Jülich zu unterstützen.

Aus einer kleinen Anfrage der Grünen an die Bundesregierung geht hervor, dass seit Jahren zahlreiche Forscher des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und der RWTH Aachen an entsprechenden Modellen arbeiten. Der Bund unterstützt diese Forschung mit mehreren Millionen Euro.

Diese Art der Forschung verstoße gegen die Leitlinien der Energieforschung, kritisierte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer aus Düren. Insgesamt hätten unterschiedliche Bundesministerien zwischen 2009 und 2013 rund 250 Millionen Euro für die Kernforschung bereitgestellt. „Ich könnte ja verstehen, wenn man so viel Geld für die Forschung zum Abbau und zur Lagerung bestehender Anlagen bereitstellen würde. Doch das ist nicht der Fall“, sagte Krischer. Das Bundesforschungsministerium hatte 2011 erlassen, dass sich alle Forschung konsequent an der Energiewende auszurichten habe.

Die Bundesregierung rechtfertigt die fortlaufende HTR-Forschung damit, dass so die Sicherheit für Betrieb und Rückbau von kerntechnischen Anlagen erhöht werde. Die Grünen widersprechen dieser Darstellung. Lediglich in China gebe es derzeit eine kleinen Hochtemperaturreaktor zur Erforschung der Technik. Deshalb sei die Jülicher HTR-Forschung eine kospielige Geldverschwendung. Zumal diese Forschung keinerlei Wert für den derzeitigen Rückbau des 1988 stillgelegten AVR-Reaktors besitze, mit dem in den 70er und 80er Jahren die HTR-Technik in Jülich erprobt worden ist.

Unterstützung erhalten die Grünen vom ehemaligen FZJ-Mitarbeiter Rainer Moormann, der im Gespräch mit unserer Zeitung beklagt, dass in Jülich weiterhin Entwicklung für ein gefährliches Reaktorkonzept betrieben werde. Moormann hatte 2008 zahlreiche Sicherheitsdefizite beim Betrieb des AVR-Versuchsreaktor öffentlich gemacht. Eine unabhängige Expertenkommission hatte Moormanns Kritik in dieser Woche in wesentlichen Punkten bestätigt. Die HTR-Technik in Jülich sei nie richtig kontrolliert worden, bemängelte die Kommission.

Derweil wird der Transport der AVR-Brennelemente in die USA konkreter. Wie das Forschungszentrum Jülich auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt, habe das US-Energieministerium eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, um die Brennelemente zu übernehmen.

Weil das FZJ Kriterien für die Aufbewahrung der AVR-Brennelement nicht erfüllen kann, erhält es zum wiederholten Mal keine ordentliche Genehmigung für die Lagerung. Derzeit wird der Atommüll nur mit einer atomaufsichtlichen Anordnung in Jülich aufbewahrt, die bis zum 31. Juli 2014 befristet ist. 

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