Joe Bausch: Ein Arzt zwischen Knast und TV-Kamera

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Gerichtsmediziner im Kölner „Tatort“ und Gefängnisarzt im richtigen Leben: Joe Bausch beim Vortrag an der RWTH Aachen. Foto: A. Steindl

Aachen. Joe Bausch ist seit fast 30 Jahren Gefängnisarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl, gleichzeitig mimt er seit vielen Jahren den Gerichtsmediziner Dr. Joseph „Doc“ Roth im Kölner Tatort. „Diese Doppelehe macht mich glücklich. Das eine erdet mich, das andere ermöglicht mir kreative Ausflüge, wo es nicht immer um Leben oder Tod geht. Die Leiche steht in der Drehpause auf, geht mit mir zum Catering und legt sich danach wieder hin.“

An der RWTH Aachen sprach er im Rahmen der Reihe „What do you do?“ am Donnerstagabend über seinen ungewöhnlichen Karriereweg und gab den Doktoranden, Postdocs und allen anderen Interessierten mit auf den Weg: „Niemand zwingt Sie dazu, eingleisig unterwegs zu sein. Machen Sie das, was Ihnen Spaß macht.“ Ein ungewöhnlicher Rat in Zeiten von frühzeitiger und präziser Karriereplanung der heutigen Uni-Absolventen.

Bausch war aber gerade damit erfolgreich, ist nicht nur Leitender Regierungsmedizinaldirektor in Werl, sondern auch gern gebuchter Schauspieler, Talkshow-Gast und Bestseller-Autor. „Aber es ist auch eine Biographie des Scheiterns“, gab er zu. Zunächst versuchte er es in Köln mit Jura, brach diesen universitären Weg nach seinem Wechsel nach Marburg aber ab. „Ich musste mir eingestehen, dass mir diese Art Wissenschaft nicht mehr gefallen hat. Sie war mir zu wenig kreativ.“

Es folgte der Wechsel zu Theaterwissenschaft, Politik und Germanistik. Nach seinem Abschluss entschied er sich für ein weiteres Studium: Medizin in Bochum. „Als ich damit fertig war, suchte Klaus Emmerich gerade Leute für seine Serie ‚Rote Erde‘ und bot mir eine Rolle an. Alle, die da mitgemacht haben, waren anschließend bekannt und hatten auf Jahre ausgesorgt.“ Für Bausch aber kein Grund, mit seinem damaligen Nein zu hadern. „Durch meinen Beruf als Arzt muss ich in der Schauspielerei nicht jeden Sozialporno mitmachen.“

Dass ihm gerade dieser Teil seines beruflichen Lebens sehr am Herzen liegt, wurde schnell deutlich: Die ganz schweren Jungs, Psychopathen ohne jegliche Empathie ihren Opfern gegenüber, Kindsmörderinnen – kein Strafgefangener konnte Bausch bislang von seiner Haltung abbringen: „Gesinnungsmediziner gehören nirgendwo hin!“

Zugleich rief er die Gesellschaft auf, stärker hinzugucken. „Über 40 Prozent meiner Patienten haben in ihrem Leben Misshandlung, Gewalt oder Vernachlässigung erfahren. 36 000 Kinder werden in Deutschland jedes Jahr aus ihren Familien genommen, um ihr Leben zu schützen. Das ist nur das Hellfeld. Solange werden wir auch Gefängnisse brauchen, denn wir generieren täglich potenzielle Täter.“

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