Stolberg - Jetzt ist Hochsaison für Wohnwagen-Diebe

Jetzt ist Hochsaison für Wohnwagen-Diebe

Von: Dirk Müller
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Das macht es Dieben immerhin schwerer: Sogenannte GPS-Tracker können eine Bewegung des Fahrzeugs melden und es orten. Auch hilfreich: Deichsel-Sperren oder Parkkrallen. Noch besser: den Wagen aufbocken, wenn er längere Zeit nicht benutzt wird. Fotos: dpa/Collage: Hans-Gerd Claßen Foto: dpa/Collage: Hans-Gerd Claßen
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Wohnwagen im Mai gekauft, nun schon geklaut: Michael Kratz aus Stolberg. Foto: Beate Kratz

Stolberg. Fassungslos steht Michael Kratz vor einem Grundstück, das sich keine 150 Meter von seinem Haus in Alt Breinig befindet. Dort stand bis vor kurzem sein neuer Wohnwagen. Erst im Mai hatte er das rollende Domizil der Marke „Tabbert“ erworben. Doch nach der Erstzulassung währte die Freude nicht lange, denn der Campingwagen ist jetzt gestohlen worden. Und damit hat die landesweite Serie von Wohnwagen-Diebstählen auch Stolberg erreicht.

Rund 200 Wohnwagen sind 2017 laut Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen entwendet worden. Gut ein Dutzend davon in unserer Region, wie die Polizei Aachen mitteilt. „Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass spezialisierte Banden hinter dem Wohnwagen-Klau stecken, die gezielt auf hochwertige oder zumindest neuere Wohnwagen aus sind“, sagt Paul Kemen von der Pressestelle der Polizei Aachen. Besonders im Herbst und Winter hätten die Täter zum Teil leichtes Spiel, da Campingwagen vielfach unbeaufsichtigt oder abgelegen im Freien oder in Scheunen stehen.

„So kommt es, dass die Täter mitunter völlig ungestört arbeiten können und der Diebstahl erst Tage später auffällt“, sagt Kemen. Dann seien die Diebe längst „über alle Berge“. Den Besitzern von Wohnwagen empfiehlt die Polizei daher, einen mechanischen Diebstahlschutz wie Deichsel-Sperren oder Rad- und Parkkrallen zu nutzen. „Diese erschweren zumindest den Diebstahl erheblich, die Wohnwagen können nur mit viel Krach geklaut werden“, führt Kemen aus. Er räumt aber auch ein: „Ein absoluter Schutz sind sie nicht. Sie wurden in der Vergangenheit auch geknackt.“

Wovon Michael Kratz ein trauriges Lied singen kann: „Wir haben unseren Wohnwagen mit einer Marken-Deichsel-Sperre der neusten Generation gesichert.“ Diese sei aber mit Gewalt zerstört worden. Auch ein weiterer Tipp der Polizei verspricht keinen 100-prozentigen Diebstahlschutz: „Erfolgreicher scheinen sogenannte GPS-Tracker zu sein. Je nach Ausführung melden sie eine Bewegung des Fahrzeugs und orten es auch. Meist in Verbindung mit dem PC oder einer App des Smartphones“, erläutert Kemen. Aber auch da würden die Täter rasch dazulernen: „Sie testen, ob von ihrer Beute Signale ausgehen. Ist dies der Fall, lassen sie die Finger davon oder versuchen, die Signale zu isolieren. Zumindest wird der Diebstahl aber erheblich erschwert.“

Im Gespräch mit anderen Campern hat Michael Kratz von der seiner Meinung nach besten Idee gehört, den Wohnwagen-Klau zu verhindern. Wobei diese Idee für ihn selbst freilich zu spät kommt: „Wenn der Wagen außerhalb der Reisesaison für längere Zeit abgestellt wird, sollte man ihn aufbocken, die Räder abmontieren und durch eine zusätzliche Stütze tauschen. Werden die Räder dann an an einem anderen Ort gelagert, haben Diebe keine Chance, den Wagen zu stehlen.“

Die Spur führt nach Belgien

Die Chance für Kratz, seinen Campingwagen zurückzubekommen, ist hingegen eher gering. „Wir gehen davon aus, dass die Wohnwagen recht schnell von den Tätern aus dem Verkehr gezogen werden und von der Bildfläche verschwinden. Dennoch sind Wohnwagen vor Wochen in Belgien aufgefunden worden, die aus Diebstählen aus der weiteren Region hier stammen“, sagt Polizeisprecher Kemen. Und tatsächlich führt auch bei dem in Breinig gestohlenen Wohnwagen die Spur nach Belgien: „Dort hat ein Autofahrer auf der Durchreise das Nummernschild unseres Wohnwagens gefunden und schließlich bei der Polizei in Münster abgegeben“, berichtet Kratz.

Zu der enttäuschenden Aussicht, seinen Traum-Wohnwagen wahrscheinlich nicht mehr wiederzusehen, steht ihm schon der nächste Ärger ins Haus: mit seiner Versicherung. Diese habe bereits angekündigt, den Neuwert des im Mai für rund 27.500 Euro gekauften Campingwagens nicht erstatten zu wollen. „Die Rede war von einem Gutachter, der den Zeitwert des erst sechs Monate alten Wohnwagens, der ja gar nicht mehr da ist, ermitteln soll. Darum werden sich dann wohl Juristen kümmern müssen. Wir hoffen jedoch im Vorfeld auf eine für beide Parteien zufriedenstellende Lösung“, meint Kratz.

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