Jedes dritte Kirchengebäude steht vor dem Verkauf

Von: Robert Esser
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Paradebeispiel für neue Nutzungsformen: In die Kreuzherrenkirche in Maastricht wurde ein exklusives Hotel implantiert. Foto: Robert Esser

Aachen. Kein Supermarkt im Altarraum, aber vielleicht ein exklusives Hotel oder eine Kletterhalle. Das Bistum Aachen steht neuen Nutzungen für nicht mehr benötigte Kirchen spürbar offener gegenüber als früher. Generalvikar Manfred von Holtum hat am Montag den offiziellen Startschuss für ein Projekt gegeben, das nach drei Jahren den kirchlichen Gebäudebestand - und vor allem die entsprechenden Kosten - um bis zu ein Drittel reduzieren könnte.

„Wir zählen weniger Geburten und mehr Sterbefälle. 8000 bis 10.000 Katholiken kehren der katholischen Kirche im Bistum jedes Jahr den Rücken”, rechnet von Holtum vor. Die schrumpfenden Kirchensteuereinnahmen engen den Spielraum erheblich ein. 900 Kirchen, 450 Pfarrheime und Pfarrbüros - insgesamt rund 3000 Gebäude befinden sich im Besitz der 71 Gemeinschaften von Gemeinden (GdG).

„Wir kalkulieren einen jährlichen Instandsetzungsbedarf in Höhe von 18 Millionen Euro, aber es stehen nur zehn Millionen zur Verfügung”, erläutert Bernhard Stenmans. Der Leiter des Projekts „Kirchliches Immobilienmanagement” reist in den kommenden drei Jahren durch das komplette Bistum - das birgt Konfliktpotenzial. In jeder GdG will man ein Immobilienkonzept mit den Pfarrgremien festlegen. „Und jeder Verlust ist mit Schmerz verbunden”, weiß von Holtum.

Wo kein Pfarrer mehr im Pfarrhaus wohnt, könnte das Gebäude verkauft werden. Wo kleine Gemeinden keinen Pfarrsaal mehr benötigen, könnte ein entsprechender Raum in der Kirche selbst eingerichtet und das Gemeindezentrum abgestoßen werden. Wo Gotteshäuser kaum noch genutzt werden, sind Entwidmungen und Umnutzungen denkbar. „Bei den Kirchen wollen wir es aber langsam angehen. Es ist auch denkbar, dass wir Kirchen für 15 bis 20 Jahren zuschließen, bis ein geeignetes Konzept gefunden ist”, erklärt der Generalvikar.

Dabei gibt es nicht nur im Ausland herausragende Beispiele. In Maastricht wurde etwa die Kreuzherrenkirche in ein exklusives Hotel und ein weiteres Gotteshaus in eine Bücherei verwandelt. In Aachen baute man St. Josef zur Grabeskirche um, St. Marien in Düren integrierte den Pfarrsaal in den Kirchenraum und in Mönchengladbach wurden sogar eine Kletterhalle und Privatwohnungen in Gotteshäuser montiert. „Wir setzen da auch auf die Kreativität der Gemeindemitglieder und wollen die Ideen mit ihnen gemeinsam entwickeln”, betont Stenmans. Denkbar sei allerdings auch, dass örtliche Fördervereine, Sponsoren oder sogar die jeweilige Kommune finanziell einspringen, hofft von Holtum.

Apropos Finanzen: Im Zuge der Gemeindebesuche bewerten Stenmans und externe Gutachter jedes einzelne Gebäude, das sich in kirchlichem Besitz befindet. So wird man in drei Jahren erstmals in der Geschichte des hiesigen Bistums einen Überlick über katholische Immobilienwerte haben.
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