Jeden Tag ein Foto: Kevin Biberbach und sein Projekt „Evryday“

Von: Marie Ludwig
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Er sieht genau hin – mit der Kamera: Kevin Biberbach. Foto: Harald Krömer
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Einfach Menschen – in unterschiedlichen Situationen und Momenten: Kevin Biberbach hat sie mit der Kamera festgehalten. Einige Beispiele aus seinem 365 Bilder umfassenden Fotoprojekt „Evryday“. Foto: Kevin Biberbach
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Einfach Menschen – in unterschiedlichen Situationen und Momenten: Kevin Biberbach hat sie mit der Kamera festgehalten. Einige Beispiele aus seinem 365 Bilder umfassenden Fotoprojekt „Evryday“. Foto: Kevin Biberbach
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Einfach Menschen – in unterschiedlichen Situationen und Momenten: Kevin Biberbach hat sie mit der Kamera festgehalten. Einige Beispiele aus seinem 365 Bilder umfassenden Fotoprojekt „Evryday“. Foto: Kevin Biberbach
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Einfach Menschen – in unterschiedlichen Situationen und Momenten: Kevin Biberbach hat sie mit der Kamera festgehalten. Einige Beispiele aus seinem 365 Bilder umfassenden Fotoprojekt „Evryday“. Foto: Kevin Biberbach
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Einfach Menschen – in unterschiedlichen Situationen und Momenten: Kevin Biberbach hat sie mit der Kamera festgehalten. Einige Beispiele aus seinem 365 Bilder umfassenden Fotoprojekt „Evryday“. Foto: Kevin Biberbach

Region. „Ich wollte so ein schicker Anzugträger sein“, sagt Kevin Biberbach mit seinem typisch fränkischen Akzent. Verantwortlich für Millionen – ziemlich cool, aber auf Dauer sei dies nicht das Wahre gewesen. Trotzdem hat Biberbach die kaufmännische Ausbildung im Außenhandel in Stuttgart abgeschlossen.

Doch als der feste Berufseinstieg sich näherte, hat er eine Entscheidung getroffen: „Ich habe bei Mitfahrgelegenheiten in die Heimat immer wieder Studenten getroffen und gemerkt, wie kreativ das Leben von denen war – das wollte ich auch.“

Reise nach Australien

Innerhalb eines Jahres holte er sein Fachabitur nach und startete auf eine Work & Travel-Reise nach Australien. Und entdeckte dort die Welt der Fotografie: „Ich habe zuerst einmal nur Landschaften fotografiert“, erzählt er, „die konnten sich ja nicht wehren.“ Auf der nächsten Reise hat Biberbach dann schon eine Spiegelreflexkamera begleitet. Inzwischen hat er mehr als 20.000 Euro in Equipment investiert; inzwischen ist Biberbach 28, und inzwischen arbeitet er neben seinem Studium in Aachen bereits als Fotograf. Alles in allem ein teures Unterfangen, das weiß auch Biberbach. Doch das habe er sich über Jahre hinweg zusammengespart.

Biberbach ist für das Studium nach Aachen gekommen; „vorher war ich hier noch nie“. Auch fürs Studium brauchte er viel Technikzubehör: Hier ein neues Laptop, da eine neue Kamera – für den Studiengang Communication and Multimedia Design an der FH Aachen habe er viel investiert; aber auch viel gelernt. „Ich war zwar nie der Automodus-Typ“, sagt Biberbach. Aber im Studium konnte er viele Dinge noch professionalisieren.

Mit dem Umzug nach Aachen, wechselten sich auch Biberbach Fotomotive. „Ich fotografierte Städte, und ganz nebenbei kamen die Menschen dazu“, erzählt er. Um mehr Praxis zu bekommen „und um auch ein bisschen bekannter auf Facebook zu werden“, hat sich Biberbach 2014 zu seinem Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht: „Ich saß mit einem Freund in einem Lernraum und habe mit meinem Projekt „Evryday“ angefangen.“ Einfach so.

Von da an hat Biberbach jeden Tag ein Foto von Menschen gemacht, denen er zufällig auf der Straße begegnete. „Außerdem habe ich immer noch eine Frage gestellt, die mir in dem Moment eingefallen ist.“ Mal ging es um die Person selbst, mal darum, wohin sie gerade unterwegs sind, mal um ganz Alltägliches. Biberbach sagt, er habe das nicht geplant. Sei einfach losgelaufen, habe nach spannenden Menschen Ausschau gehalten – egal, ob es geregnet hat oder pure Hitze herrschte.

Und das jeden Tag? „Naja, fast jeden“, gibt Biberbach zu. Einmal da hat er eine Woche Urlaub in den Bergen gemacht und auch Weihnachten eine kurze Pause eingelegt. Das Projekt zusätzlich zum Studium, Klausurphasen, Nebenjob und Privatleben aufrecht zu halten, sei nicht immer einfach gewesen. Dennoch habe er die fehlenden Fotos in der Woche vor seinem nächsten Geburtstag nachgeholt: „Es mussten eben 365 Fotos werden.“ Die gesamten Fotos mit den zugehörigen Fragen kann man sich heute noch auf Facebook unter „Kevin Fotografie“ ansehen.

Positive Erfahrungen

Ob Oma, Kind oder Pärchen – Biberbach hatte sie alle. Zu vielen hat er heute noch Kontakt. Manchmal musste Biberbach auch den Menschen hinterherhechten; „zum Beispiel, wenn ich gerne einen Radfahrer fotografieren wollte“. Und vor allem habe er gelernt, sich kurz und knapp vorzustellen und schnell sein Anliegen vorzutragen. „Natürlich gucken die Menschen einen erst einmal komisch an, aber irgendwann hatte ich den Dreh raus.“ Einmal da habe er ein Mädchen hinter einer Fensterscheibe fotografiert, aber als er klingelte, hat niemand geöffnet. „Ich bin dann abends noch einmal zurückgekehrt, um die Eltern zu fragen.“

Eigentlich hat er rundum positive Erfahrungen gemacht. Nur zwei Personen wollten nachträglich aus dem Projekt aussteigen. „Beide waren auf dem Bild mit einem Menschen zu sehen, von dem sie sich getrennt hatten“, sagt Biberbach. Doch einfach „rausnehmen“ funktioniere bei dem Projekt nicht. Es sei eben ein Tag, ein Moment, der festgehalten wurde und zu einem Ganzen gehört. Ein Lieblingsfoto, das hat Biberbach nicht. „Ich bin so vielen außergewöhnlichen Menschen begegnet“, sagt er. Doch ein Mann im Rollstuhl habe ihn wirklich inspiriert. Der Mann sei trotz seiner Einschränkung so lebensfroh gewesen, das habe auch Kevin sich behalten. Er selbst lebt seine Fotografie unter dem Motto „Routinen vergessen“ aus. Bis auf den Kaffee und das Frühstück am Morgen sei bei ihm inzwischen jeder Tag anders – „das ist auch gut so“; und kommt auch in der Fotobranche gut an.

Mit 28 Jahren hat Biberbach bereits renommierte Preise gewonnen, wie den Masters Award für deutsche Hochzeitsfotografie. Mit der Paarfotografie hat er nach dem „Evryday“-Projekt angefangen und kann davon inzwischen auch leben. Über ein „Evryday 2.0“ denkt er schon jetzt nach. „Ich habe so viel gelernt; es war eine tolle und intensive Zeit.“ Nur eine Gruppe Menschen reagierte immer abweisend und hatte nie Zeit sich vor seine Kamera zu stellen: „Die Anzugträger“, sagt er und lacht, „ich bin wirklich froh, nicht so einer geworden zu sein.“

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