Jäger wollen Schweinepest eindämmen

Von: Bettina Grönewald, dpa
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Düsseldorf. Nicht nur Obelix sieht sie am liebsten auf dem Teller - auch die Jäger in Nordrhein-Westfalen rücken den Wildschweinen verstärkt zu Leibe.

Wichtigstes Ziel sei es, ein Übergreifen der Schweinepest von der stark anwachsenden Wildschwein- Population auf Hausschweine zu verhindern, erläuterte der Präsident des deutschen und des nordrhein-westfälischen Jagdverbands, Jochen Borchert, am Mittwoch in Düsseldorf.

Seit Jahresbeginn seien in NRW 23 Fälle von Schweinepest festgestellt worden, 22 davon im Rhein-Sieg- und einer im Bergischen Kreis. Bislang habe es glücklicherweise keine Übertragung auf Hausschweine gegeben - vermutlich auch dank der massenhaft ausgelegten Impf-Köder in den betroffenen Kreisen und angrenzenden Gemeinden. Sollte die Seuche übergreifen, drohten jedoch Schäden in Milliardenhöhe, warnte Borchert.

„Eines ist jedoch klar: Die Jäger machen ihren Job”, unterstrich der frühere Bundeslandwirtschaftsminister. „In NRW ist noch nie soviel Schwarzwild zur Strecke gekommen wie im vergangenen Jagd-Jahr: Nach der amtlichen Statistik 30 469 Wildschweine.” Dies seien beinahe 14.000 Tier mehr gewesen als im Jagd-Jahr 2006/2007.

Wie viele Wildschweine sich in den heimischen Wäldern - und teils auch Vorgärten - tummeln, sei schwer zu beziffern. „Vielleicht 60- bis 80.000”, schätzte Borchert. Wildschweine seien „nicht standorttreu”, bewegten sich hin und her, hielten sich im Sommer in unübersichtlichen Mais- und Rapsfeldern auf und verursachten dort erhebliche Schäden - die obendrein durch die Jäger ersetzt werden müssten. Für die könne das nur bedeuten: „Wir müssen verstärkt in der Jugendklasse, das heißt, bei den Frischlingsbeständen eingreifen.”

Beim Landesjägertag am kommenden Samstag in Werl rechnet Borchert mit Kritik an der Novellierung des Waffenrechts. Die Gesetzesänderungen, die der Bundestag an diesem Donnerstag verabschieden will, sind eine Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden, bei dem im März 16 Menschen ums Leben kamen.

Nach den Plänen der großen Koalition sollen Waffenbesitzer künftig mit verdachtsunabhängigen Kontrollen sowie mit härteren Strafen bei Verstößen gegen die Aufbewahrungsvorschriften rechnen müssen. Die Altersgrenze, ab der Jugendliche mit Großkaliberwaffen schießen dürfen, soll zudem von 14 auf 18 Jahre steigen. Borchert forderte noch Nachbesserungen im Gesetzentwurf, sprach aber von einem akzeptablen Kompromiss, mit dem „unsinnige Verschärfungen des Waffenrechts verhindert werden konnten”.

Der Verband begrüßte die anstehende Abschaffung des Jagdsteuer in NRW. Sie soll am nächsten Mittwoch vom Landtag verabschiedet und in drei Stufen wirksam werden: Zwischen 2010 und 2012 sinken die Steuersätze auf bis zu 30 Prozent; 2013 ist dann ganz Schluss mit der Jagdsteuer. CDU und FDP lösen damit ein Wahlversprechen ein. Derzeit beträgt das Jagdsteuer-Aufkommen in NRW nach Angaben des Verbands 8,4 Millionen Euro jährlich.

„Die Jagdsteuer stammt aus einer Zeit, als mit der Jagd noch Geld verdient wurde”, sagte Borchert. „Dies ist schon lange nicht mehr der Fall.” Tatsächlich sei der Absatzmarkt für Wild trotz intensiver Werbe-Kampagnen schwierig. Geschmäcklerischen Vorurteilen nach dem Motto: „Mit Wild kannst du mich jagen”, begegnet der Jagdverband inzwischen sogar mit Kochkursen.
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