Eschweiler - Isoliert für den Weg zum Mars

Isoliert für den Weg zum Mars

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Oliver Knickel
Bundeswehr-Soldat Oliver Knickel hat in Moskau an einer Simulation für geplante Marsflüge teilgenommen.

Eschweiler. Oliver Knickel simuliert. Das ist in seinem Fall alles andere als eine Beleidigung. Gegen 5000 Mitbewerber hat sich der Bundeswehr-Hauptmann durchgesetzt, um an der letzten Auswahlrunde zur Isolationsstudie „Mars 500”, einer simulierten Reise zum Mars in Moskau, teilzunehmen.

105 Tage lang werden dazu sechs Menschen auf engstem Raum eingesperrt sein. Kontakt zu den Familien wird es kaum geben.

Die Studie wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und dem russischen Institut für biomedizinische Probleme der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos durchgeführt.

Dabei sind die 105 Tage nur der Probelauf für die anschließende Simulation, die mit anderer Besetzung 520 Tage dauern soll. 250 Tage hin, ein Monat Aufenthalt, 240 Tage zurück.

Im Sommer 2007 hatte Oliver Knickel, der in der Donnerberg-Kaserne in Eschweiler stationiert ist, die Ausschreibung der ESA gesehen. „Ich dachte, dass ich die Anforderungen eventuell erfüllen könnte”, sagt Knickel in seinem für ihn charakterischen nüchternen Ton.

Ein Studium der Technik, Ingenieurwissenschaften oder Medizin, ein niedriger Grad an Aggressivität, eine hohe Motivation und gute Fremdsprachenkenntnisse wurden verlangt. Der Bewerber durfte nicht jünger als 25 und nicht älter als 50 Jahre sein, bei Gewicht und Größe gab es auch Grenzen.

Oliver Knickel passte in das Profil: Diplom in Maschinenbau, Angehöriger der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik in Eschweiler, Englisch: fließend, Russisch: fortgeschritten und Französisch: Grundkenntnisse.

Es folgten mehrere aufwendige gesundheitliche Untersuchungen, psychologische und sprachliche Tests. Belastungstests wurden nicht verlangt. Wichtiger als körperliche Fitness ist wohl die Nervenstärke. Schließlich ist es auch Ziel der Studie, neben physiologischen Auswirkungen psychologische Effekte zu ermitteln.

„Die Einzelräume sind drei Quadratmeter groß, das Bett 1,85 Meter lang und so breit, dass man mit der einen Schulter an der Wand liegt und mit der anderen am Matratzenrand”, sagt Oliver Knickel. Platz, sich aus dem Weg zu gehen, gibt es kaum.

Und spannende Aufgaben erwarten die Teilnehmer auch nicht gerade: „Es wird versucht, die Leute zu beschäftigen. Zum Beispiel mit technischer Instandhaltung der Raumfähre”, sagt Martin Zell, Leiter der Nutzungsabteilung der internationalen Raumstation der ESA. Auf einer Reise von der Erde zum Mars würde nicht viel passieren. Keine Versuche oder ähnliches.

Für die meisten Menschen ist das wahrscheinlich keine verlockende Vorstellung, für Oliver Knickel schon: „Für mich ist der Reiz, an einer Extremerfahrung teilzunehmen”, sagt er. „Dass man in dem Moment, in dem man die Entscheidung bereut, die Zähne zusammenbeißt.”

Ob er tatsächlich in der Attrappe sitzen wird, wird sich im Training ab dem 26. Januar in Moskau entscheiden. Das ist die letzte entscheidende Auswahlrunde. Denn von den vier verbleibenden europäischen Kandidaten dürfen nur zwei mit den vier russischen Kollegen an Bord der Raumschiff-Attrappe gehen - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur bemannten Raumfahrt zum Mars.

Laut ESA ist aber frühestens in 20 bis 30 Jahren mit einer echten Reise zu rechnen. Oliver Knickel wird dann allerdings definitiv nicht dabei sein. Er wäre schon zu alt.
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