Internet-Käufe verstopfen den Zoll

Von: Frank Christiansen und Ines Kubat
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Der Aachener Zollbeamter Gehart Kunz hat täglich mit den Kunden zu tun, deren zahllose Internet-Einkäufe im EU-Ausland nun die Regale in seinem Zollamt füllen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Zoll hat es in den vergangenen Jahren mit einer neuen Klientel zu tun bekommen: den Online-Shoppern. Sie kaufen weltweit ein und finden sich dann im örtlichen Zollamt in der Realität deutscher Einfuhrbestimmungen wieder. Gehart Kunz erfährt das täglich am eigenen Leib: Kunz ist Zollbeamter in Aachen und hat mit den Kunden zu tun, deren zahllose Internet-Einkäufe im EU-Ausland nun die Regale in seinem Zollamt füllen.

14,5 Milliarden Euro wurden in Deutschland im Jahr 2005 durch den Internethandel umgesetzt. Bis 2013 hat sich diese Zahl auf 33,1 Milliarden schon mehr als verdoppelt. Und auch für das Jahr 2014 prognostiziert der Handelsverbands Deutschland beim Internethandel einen weiteren Anstieg.

Der Höhenflug des Internet-Shopping füllt im Aachener Zollamt die Regale. Früher, sagt Kunz, da habe ein Mitarbeiter die Abholung solcher Pakete ganz allein abwickeln können. Seitdem das Onlineshopping so boomt, seien es in der Regel vier Beamte. Allein im vergangenen Jahr landeten über Zehntausend Pakete beim Zollamt in Aachen. In Heinsberg kamen im vergangenen Jahr 3914 an, in Düren 5680.

Wenn Ware im Netz bestellt und aus einem Land außerhalb der Europäischen Union angeliefert wird, erreicht das Paket nach der Grenze zunächst eins der internationalen Frachtzentren. Dort wird sie von Mitarbeitern der Post und des Zolls überprüft. Sofern alles ordnungsgemäß deklariert ist, erhalten die Empfänger ihre Bestellung direkt nach Hause, eventuelle Einfuhrabgaben werden per Nachnahme erhoben.

Ist die Rechnung allerdings zweifelhaft, nicht außen am Paket angebracht, oder ist der Inhalt verdächtig, dann wird das Paket an ein Zollamt in der Nähe des Online-Shoppers geschickt. Dort können die Käufer ihr Bestelltes abholen – allerdings nur binnen 14 Tagen, denn dann gehen die Pakete auf die weite Reise zurück an den Absender.

Mit diesem Abhol-Prozedere rechnen die wenigstens Online-Shopper, die doch im Internet bestellen, weil das so bequem: Erwartet wird eine Lieferung bis vor die Haustüre oder zur nächsten Poststation. Stattdessen müssen die Kunden nun – gebunden an die Öffnungszeiten – zum Zollamt kommen und finden sich dort mit zahlreichen anderen Internetkäufern im längst zu klein gewordenen Wartebereich wieder.

Im Aachener Zollamt beispielsweise seien nun kleinere Umbaumaßnahmen geplant, um den Bürgern die gesamte Abwicklung ein wenig angenehmer zu machen. Denn die kann sich nicht nur wegen der Menge der ankommenden Pakete in die Länge ziehen.

Das Abholprozedere braucht einfach seine Zeit: Wenn die Kunden ihren Kaufbeleg ausgedruckt mitbringen, werden sie aufgefordert, ihr Paket zu öffnen. Allein dürfen die Zollbeamten den Inhalt nicht kontrollieren – wegen des Postgeheimnisses und der Gefahr von Regressforderungen, sollte die Ware beschädigt werden, oder etwas fehlen. Nach Begleichen der fälligen Einfuhrabgaben kann das Paket dann mit nach Hause genommen werden.

So reibungslos verlaufe es aber eben nicht immer, sagt Kunz. Zum Beispiel genügt es nicht, wenn die Empfänger den Rechnungsbeleg auf dem Smartphone vorzeigen. „Dann können wir ihnen das Paket leider nicht aushändigen, und sie müssen noch einmal wiederkommen“ – mit einem ausgedruckten Rechnungsbeleg.

Für Unmut sorgt auch die Kostenfrage: Die meisten Kunden rechneten zwar mit Abgaben, wenn sie zum Zoll zitiert werden, allerdings gebe es auch unachtsame Käufer, weiß die Düsseldorfer Zollbeamtin Dorothee Klapdor: Viele seien völlig überrascht, wenn auf die Online-Order ein Zollbescheid folgt, weil die Ware von außerhalb der EU anlandet: „Sie bestellen in England, aber die Ware kommt trotzdem aus China.“

Was auf die einzelnen Warenarten an Zoll erhoben wird, füllt eine ganze Datenbank, und über die Zuordnung lässt sich trefflich streiten. Lebensmittel sind teuer (25 Prozent), auf Notebooks dagegen liegen null Prozent Zoll. Außerdem fällt bei Waren ab 22 Euro aus Nicht-EU-Ländern die Mehrwertsteuer an, Einfuhrumsatzsteuer genannt. So kann man als Schnäppchenjäger im Internet schon mal in die Kostenfalle tappen.

Kunz empfiehlt, sich vor einer Bestellung im Ausland beim Zoll über die möglichen Zusatzkosten zu informieren. Damit lässt sich auch vermeiden, etwas zu ordern, das in Deutschland überhaupt nicht eingeführt werden darf – wie zum Beispiel ein simpler Tee, dessen Inhaltsstoffe in Deutschland nicht frei verkäuflich sind. Denn dann ist das Geld flöten gegangen, und die Ware bekommt der Kunde auch nicht ausgehändigt. Kunz: „Da sind uns die Hände gebunden.“

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