Internationales Gitarrenfestival: Instrumente unter Artenschutz?

Von: Anna Petra Thomas
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Heinsberg. Mit so vielem muss sich Roman Viazovskiy, künstlerischer Leiter des Internationalen Gitarrenfestivals Heinsberg, derzeit beschäftigen, was so gar nichts mit seiner großen Liebe zur Musik zu tun hat. Er und Theo Krings, Direktor des Festivals, hatten die Reihe, die in der kommenden Woche in die nächste Runde geht, 2005 gegründet.

Nicht nur um den Wettbewerb und um die Meisterkonzerte muss sich der weltweit bekannte Künstler kümmern, sondern auch um die Gitarre für den Gewinner. Sie war nämlich plötzlich vom Artenschutz betroffen, und es mussten erst einmal diverse Hindernisse überwunden werden, damit der berühmte japanischen Gitarrenbaumeister Masaki Sakurai sie nächste Woche von Tokio nach Heinsberg bringen kann.

Den neuen Bestimmungen des Washingtoner Artenschutzabkommens zufolge stehen seit Jahresbeginn alle Arten von Palisander unter Schutz. Palisander sei jedoch das Edelholz, das wegen seiner Dichte, seiner Härte und seiner besonderen Klangeigenschaften im Gitarrenbau für Griffbretter, Zargen und Böden verwendet werde, erklärt Viazovskiy. So ist auch die Gitarre für den Sieger im Wettbewerb des Festivals, das Top-Modell des Maestros, aus sogenanntem Madagaskar-Palisander gefertigt.

Vor 2017 erworben

Für die Musiker, die mit ihren eigenen Gitarren zwecks Vorspiel zum Wettbewerb oder zum Konzert kommen, insgesamt 60 aus 21 Nationen, ist die neue Artenschutz-Bestimmung für das Edelholz ihres Instruments kein Problem. Was die Gitarre als Preis für den Sieger betrifft, war man sich aber selbst im Bundesamt für Naturschutz in Bonn nicht sicher, ob es sich dabei vielleicht doch um eine gewerbliche Nutzung handeln könnte, die eine Einfuhr des Instruments unmöglich gemacht hätte.

So war also jede Menge Papierkram zu erledigen. Unterstützung erhielt Viazovskiy dabei von Lars Delling, der im Amt für Umwelt und Verkehrsplanung des Kreises Heinsberg für den Artenschutz zuständig ist. Eigentlich seien es eher Schildkröten, Katzen oder anderes Getier, mit dem er beschäftigt sei.

„Eine Gitarre war da auch für mich etwas Neuartiges“, schmunzelt er. Viazovskiy ist froh, dass er dem Gitarrenbaumeister inzwischen die Einfuhrgenehmigung für die Gitarre zusenden konnte, nachdem dieser anhand einer Rechnung belegen konnte, dass er deren Madagaskar-Palisander vor 2017 erworben hatte.

„Aber eigentlich ist diese ganze Situation absurd“, fügt Viazovskiy gleich hinzu. „Sie wird den bekannten Gitarrenbaumeistern in der ganzen Welt schaden, weil sie keine Gitarren mehr exportieren dürfen.“ Dabei sei es gar nicht möglich, eine Gitarre aus frischem Holz zu bauen. Palisander, das im Gitarrenbau verwendet werde, sei zuvor mindestens 30 Jahre gelagert worden und falle daher gar nicht unter die neuen Artenschutz-Bestimmung.

Doch die meisten Gitarrenbauer hätten nach so langer Zeit keine Rechnungen mehr für das Holz, mit dem sie das beweisen könnten. „In diesem Punkt muss sich dringend etwas ändern“, fordert Viazovskiy, der wie Delling vermutet, dass die neue Bestimmung eher mit Blick auf die Möbelindustrie als auf den Gitarrenbau entstanden sei.

Wie dem auch sei, der Sieger wird jedenfalls neben vielen weiteren Preisen nun eine Gitarre aus der Hand von Meister Sakurai erhalten. Schon 2005 und 2015 hatte der Japaner eine wertvolle Gitarre für den Wettbewerb in Heinsberg gespendet, der inzwischen Weltruf genießt. Obwohl im österreichischen Salzburg zum ersten Mal genau zeitgleich ein Wettbewerb stattfindet, hat dies dem inzwischen siebten Heinsberger Wettbewerb keinen Abbruch getan, im Gegenteil: Die Zahl der Teilnehmer und das Niveau seien trotz dieser Konkurrenz und der weltweit rückläufigen Zahlen von Teilnehmern an derartigen Wettbewerben in Heinsberg gleich geblieben, freut sich Viazovskiy.

Das Finale

Der Wettbewerb für junge professionelle Gitarristen im Alter bis zu 32 Jahren wird in zwei Hauptrunden am kommenden Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Mai in der Heinsberger Stadthalle ausgetragen. Am Freitag, 26. Mai, folgt das Halbfinale mit maximal 15 Teilnehmern. Die besten vier oder fünf von ihnen bestreiten dann das als Konzert ausgetragene Finale am Samstag, 27. Mai, ab 19 Uhr. Dem Gewinner winken in diesem Jahr Preise im Gesamtwert von rund 27 000 Euro, dazu zählt auch die wertvolle Gitarre von Meister Sakurai aus Tokio. An den drei Wettbewerbstagen ist der Besuch in der Halle frei. Für das Finale am Samstag um 19 Uhr sind Eintrittskarten im Vorverkauf erhältlich.

Im Internet:

www.guitar-festival.com

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