Internationaler Frauentag: „Man muss um die Frauen kämpfen“

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Doris Klee: „Bedingungen schaffen, unter denen Frauen gerne an die RWTH kommen.“ Foto: Lachmann

Aachen. Anlässlich des Internationalen Frauentages am morgigen Samstag haben die Gewerkschaften in Nordrhein-Westfalen Wirtschaft und Politik aufgefordert, mehr für die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt zu tun. Was die RWTH Aachen dazu beiträgt, hat Christina Diels im Gespräch mit Doris Klee erfahren, Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs.

Wie sorgen Sie als Prorektorin für Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen?

Klee: Zum einen vereinbaren wir mit allen Fakultäten Frauenförderpläne. Diese beinhalten unter anderem Maßnahmen zum Abbau der Unterrepräsentanz von Studentinnen in von Männern dominierten Studiengängen, aber auch Ziele bezogen auf den Anteil von Frauen bei Einstellungen und Beförderungen. Bei der Besetzung von Professuren liegt mein Fokus als Berufungsbeauftragte auch auf der Gewährleistung von Chancengleichheit. Zusätzlich achten wir darauf, dass 30 Prozent der zur Verfügung stehenden Fördermittel Frauen zugute kommen, damit sie auch von den Exzellenzmitteln der RWTH für Forschungsaufgaben profitieren.

Was tun Sie noch?

Klee: Bei den Professuren streben wir bis 2020 eine Frauenquote von 20 Prozent an, im Jahr 2030 sollen 30 Prozent der Professuren von Frauen besetzt sein. Während wir 2007 noch eine Quote von 5,7 Prozent Frauen unter allen Professoren hatten, lag der Prozentsatz 2012 bei 14,5 Prozent. Die aktive Rekrutierung und direkte Ansprache hoch qualifizierter Kandidatinnen im In- und Ausland spielt nicht nur bei der Gewinnung von Professorinnen zunehmend eine größere Rolle, sondern auch bei der Besetzung von Stellen mit Nachwuchswissenschaftlerinnen. Außerdem bieten wir Arbeitsbedingungen an, unter denen Familiengerechtigkeit gesichert ist.

Wie sehen familienfreundliche Arbeits- und Forschungsstrukturen aus?

Klee: Wir probieren hier neue Modelle aus. Beispielsweise haben wir einer Professorin eine Teilzeit-Professur ermöglicht. Des weiteren haben wir aus Exzellenzmitteln Wiedereinstiegspositionen etabliert, die Wissenschaftlerinnen nach einer Elternzeit eine Verlängerung ihres Vertrags um ein Jahr ermöglichen. Ziel ist, Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Phase nach der Promotion darin zu unterstützen, ihre wissenschaftliche Karriere weiterzuführen. Außerdem gibt es zwölf Diversitystellen.

Was halten Sie von einer Frauenquote?

Klee: Wenn man es durch verschiedene Maßnahmen nicht schafft, den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu steigern, sollte man eine Zeit lang eine Frauenquote einführen, sie dann aber wieder abschaffen. Man muss um die Frauen kämpfen und Bedingungen schaffen, unter denen sie gerne an die RWTH kommen. Außerdem muss man auf der Ebene der Schülerinnen und Studentinnen anfangen, denn wie soll eine Frauenquote von 30 Prozent erreicht werden, wenn es in manchen Studiengängen nur zehn Prozent Studentinnen gibt?

Bei den Medizinstudenten ist die Frauenquote aber höher ...

Klee: ...und trotzdem haben wir bei 70 Prozent Absolventinnen nur elf Prozent Professorinnen. Hier wäre es beispielsweise sinnvoll, für eine bestimmte Zeit eine Frauenquote einzuführen. Fächerspezifisch bietet es sich hier auch an, für eine bestimmte Zeit eine Frauenquote von 50 Prozent bei den anstehenden Besetzungen von Professuren einzuführen. Aber natürlich nicht auf Kosten der Qualität. Frauen, die wir berufen, müssen top sein, Qualität steht immer an erster Stelle. Darum suchen wir beispielsweise in nationalen wie internationalen Datenbanken nach geeigneten Kandidatinnen.

An der Uni Leipzig gibt es in Zukunft nur noch die Professorin, Rektorin, Wissenschaftlerin. Die männlichen Anreden fehlen, per Fußnote wird erklärt, dass das Femininum auch die Männer meint.

Klee: An der RWTH haben wir hauptsächlich männliche Professoren, diese Regel wäre hier daher nicht sinnvoll. An der Universität Leipzig hingegen arbeiten bis zu 60 Prozent Professorinnen, deshalb haben sie das dort umgesetzt.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich die weibliche Anrede?

Klee: Für mich genügt es, wenn jemand „Frau Professor Klee“ sagt. Ich habe während meiner Zeit als Chemikerin fast nur mit Männern zusammengearbeitet, im Gleichstellungsbereich Arbeit erst seit 2010.

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