Intensivpflege: Es ist ernst, aber nicht überall dramatisch

Von: Sabine Rother
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Die Arbeit auf der Intensivstation: Wo Schwerstkranke versorgt werden, müssen Pflegekräfte häufig bis an die Grenzen ihrer Kräfte gehen. Man könnte weitere Stellen besetzen – aber mit wem? Der „Markt“ ist leergefegt. Foto: dpa

Berlin/Aachen. „Die Politik hat sich für diese Problematik bisher nicht besonders interessiert“, sagt Professor Dr. Uwe Janssens ganz klar. „Jetzt sieht man endlich die massiven Defizite.“ Janssens ist nicht nur Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler.

Als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin sowie als gewählter (ab 2018) Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin ringt er schon lange mit dem Fachkräftemangel. Allein in der Intensivpflege können zurzeit in Deutschland 3150 vorhandene Stellen nicht besetzt werden. Das ergibt eine Studie (Zeitraum: September bis November 2016) des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft. „Wir blicken mit großer Sorge auf die gesamte Entwicklung“, sagte Janssens im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Mangel an Fachkräften nimmt deutlich zu, wir verzeichnen zwei bis drei Prozent jährlich.“

Hinzu komme das Risiko der stark überlasteten Fachkräfte, selbst zu erkranken – viele von ihnen verlassen den Beruf vorzeitig. Die Situation in Eschweiler sei „ganz gut“, aber: „Wir versorgen die Menschen 24 Stunden lang an 365 Tagen im Jahr, abends, nachts und an Wochenenden ist die Belastung der Pflegenden zu hoch.“

So sieht es auch Gereon Blum, Geschäftsführer des Dürener Krankenhauses. „Der Markt für fachlich weitergebildete Kräfte ist quasi leer“, betont er. Hier gebe es nur einen Weg – junge Leute für den Beruf interessieren und Kräfte aus den eigenen Reihen weiterbilden. „Wir werden investieren, Abläufe optimieren.“ Blum regt zudem an, „Technische Assistenten“ – etwa bei Dialyse und Beatmung – einzusetzen, damit wieder mehr Zeit für Pflege ist.

Im Verhältnis zur Gesamtbettenzahl (1350) hat die Uniklinik RWTH Aachen mit 197 (demnächst 265) Pflegeplätzen deutschlandweit die meisten Intensivbetten. „Wie alle Krankenhäuser müssen auch wir uns der Herausforderung des wachsenden Fachkräftebedarfs stellen“, meint Pflegedirektorin Susann Kasemann. „Neben drei eigenen Fachweiterbildungskursen und einer Stabsstelle Pflegeentwicklung, bieten wir an, sich durch ein pflegerisches Studium zu qualifizieren.“

Ein „stabiler Personalstamm“ stellt im Luisenhospital Aachen die Basis für die Arbeit der Intensivstation. „Dass die berufsbegleitende Ausbildung hier im Haus stattfinden kann, ist ganz wichtig“, sagt Pflegedirektorin Claudia Kuhnen. „Auf dieser Station wird intensiv Pflege betrieben, das sehe ich als Anreiz für die berufliche Entwicklung einer Pflegekraft.“

Winfried Königs, seit kurzem neuer Pflegedirektor der Katholischen Stiftung Marienhospital, setzt sich für vorausschauendes Plan ein. „Wer frühzeitig die Bindung und Weiterbildung des Personals unterstützt, ist klar im Vorteil. Unter den Absolventen unseres laufenden Ausbildungskurses werden wieder einige neue Fachkräfte sein“, meint er. „Es muss eine Balance zwischen qualifizierter Pflege und bezahlbarer Leistung geben.“

Personelle Veränderungen treffen die Intensivstation im Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus ganz besonders. „Im Laufe des Jahres treten immer wieder Probleme auf“, sagt Pflegedienstleiter Peter Volk. Entspannt ist die Lage gleichfalls im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus, wie Heike Eisenmenger, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, erläutert. „Die Telemedizin ist hier sehr hilfreich“, erklärt sie.

Kollegin Silke Feyaldenhoven von der Caritas Trägergesellschaft West, zu der in Düren das St. Marien-Hospital und das St. Augustinus-Krankenhaus sowie in Jülich das St. Elisabeth-Krankenhaus und in Linnich das St. Josef-Krankenhaus gehören, sagt: „Wir haben keine Personalengpässe. Wir bilden aber auch examinierte Pflegekräfte aus, die dann eine Fachweiterbildung machen können.“

Grundsätzlich zufrieden ist die Eifelklinik St. Brigida in Simmerath. „Wir spüren den Fachkräftemangel“, meint Klinikleiter Nikolas Derwahl. „Und mit dem Wachstum in den operierenden Fächern beobachten wir ein Wachstum der Intensivkapazität. Wir pflegen daher ein umfassendes Weiterbildungskonzept.“

Das Rhein-Maas Klinikum in Würselen/Bardenberg ließ am Dienstag unsere Anfrage zur Intensivmedizin unbeantwortet.

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