Region - Inspirationsquellen und Ruhepole: Europas schönste Buchläden

Inspirationsquellen und Ruhepole: Europas schönste Buchläden

Von: Simone Thelen
Letzte Aktualisierung:
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Die schöne Welt der Bücher: Der „Boekhandel Dominicanen“ in Maastricht ist in der ehemaligen Dominikanerkirche untergebracht, der ältesten gotischen Kirche in den Niederlanden. Neben Belletristik findet man hier überwiegend wissenschaftliche und juristische Werke.
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Seine Leidenschaft sind die Bücher: In seinem Buch „In 60 Buchhandlungen durch Europa“ präsentiert der Aachener Torsten Woywod seine vielen Eindrücke und Erlebnisse. Foto: Simone Thelen

Region. Mit Torsten trifft man sich am besten in einer Buchhandlung. „Seit jeher ist eine Buchhandlung mein Wohlfühlort Nummer eins. Sie sind Ruhepole, Schatzkammern und Inspirationsquellen. Buchhandlungen sind Einladungen, die ich niemals ausschlagen könnte“, so beschreibt es der Autor des Buches „In 60 Buchhandlungen durch Europa“, Torsten Woywod aus Aachen.

Ihn nur beim Vornamen zu nennen, ist keinesfalls respektlos, denn Torsten fühlt sich in den neuen Medien, wo das Duzen zum guten Ton gehört, genauso zu Hause wie in den Buchhandlungen, die er beschreibt.

Sind Facebook, Instagram & Co. nicht das genaue Gegenteil einer verstaubten Buchhandlung, dem Inbegriff des Klassischen? Torsten beweist das Gegenteil, indem er beide Welten verbindet. In einer einzigartigen Reise durch die Buchhandlungen Europas hat er vieles erlebt und online darüber berichtet. Das Projekt hat so viele Fans gefunden, dass ein einzigartiges Buch daraus entstanden ist – eine wunderschöne Einladung an alle Buchliebhaber.

Die Startauflage von 10.000 Exemplaren ist so gut wie ausverkauft, aber der Verlag sorgt schon für den Nachdruck. „Mit einem so großen Erfolg hätte ich nie gerechnet“, gesteht Torsten, der noch immer nicht so ganz fassen kann, was in den vergangenen Wochen und Monaten geschehen ist. „Mein Leben wird momentan von Interviews, Lesungen und Signierstunden bestimmt – als Mensch, der eher geringe Erwartungen hat, wundere ich mich jeden Tag aufs Neue.“ Der gelernte Buchhändler wohnt in Aachen, hat bis zum Sommer als Online-Manager bei der Mayerschen Buchhandlung gearbeitet und steht nun vor einem neuen Leben.

Alles hat als eine kleine Träumerei angefangen. In der Buch-Community „Was liest du?“ hat Thorsten einen Artikel über seinen Traum vom Reisen geschrieben. Drei große Reisebuchverlage sind auf ihn aufmerksam geworden und spendierten ihm ein Interrail-Ticket. „Da war die Entscheidung gefallen. Ich habe meinen gesamten Jahresurlaub am Stück genommen und bin einfach losgefahren.“

Auf der Facebookseite „Around the world in 100 Bookshops“ lädt er dazu ein, ihn auf seiner Reise zu begleiten, und innerhalb kürzester Zeit reisen über 10.000 Menschen mit ihm durch die Buchhandlungen Europas – darunter auch Verlage, die ihn schließlich davon überzeugen konnten, aus dieser Reise ein Buch werden zu lassen.

„In 60 Buchhandlungen durch Europa“ erzählt von meterhohen Regalwänden, endlosen Bücherreihen und dem verführerischen Geruch von Papier und Druckerschwärze. Der Autor berichtet auch von überwältigenden Eindrücken, außergewöhnlichen Begegnungen und unvergessenen Erlebnissen, die die Kapitel und Beschreibungen der Buchhandlungen sehr persönlich machen. Dazu gehört auch die Begegnung mit einem ehemaligen HSV-Champions-League-Torwart und dass er sich in Bukarest „ein bisschen“ in eine Buchhändlerin verliebt hat. Der Kontakt besteht noch heute...

Alleine nach Ladenschluss

„Ich kann nicht sagen, welches die schönste Buchhandlung oder das tollste Erlebnis war“, beteuert Torsten Woywod. „Die vier Wochen waren so voll mit Geschichten und Eindrücken, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann.“ So erzählt das Buch in liebevoller und emotionaler Sprache von 60 wunderbaren Buchhandlungen, die alle auf ihre ganz eigene Art einzigartig sind. Bezaubernd ist das Kapitel über die sagenumwobene „Livraria Lello e Irmao“ in Porto, die Torsten ganz alleine nach Ladenschluss besichtigen durfte. „Es geht das Gerücht um, dass Joanne K. Rowling hier die ersten Zeilen von ‚Harry Potter‘ geschrieben haben soll.“

Ebenfalls interessant: Eine der eindrucksvollsten Buchhandlungen liegt bei uns direkt um die Ecke. Der „Boekhandel Dominicanen“ in Maastricht ist in der ältesten gotischen Kirche der Niederlande untergebracht. Im Buch heißt es: „Fast möchte ich wetten, dass es noch niemandem bei seinem ersten Besuch gelungen ist, nicht staunend im Foyer zu verweilen und ungläubig nach oben, in Richtung der Deckenfresken zu schauen.“ Neben der Architektur und den wunderbaren Büchern machen hier die Beschreibungen des „weltberühmten Karottenkuchens im hauseigenen Café“ und der unvergleichlichen Atmosphäre der Buchhandlung Lust auf einen Besuch in der Nachbarstadt.

Torsten: „Die größte Überraschung war für mich Lissabon. Hier gibt es die älteste Buchhandlung der Welt, und die Stadt, in der immer Sommer zu sein scheint, ist auf jeden Fall eine Reise wert. Hier wäre ich am liebsten noch länger geblieben.“ Das Buch ist also nicht nur eine Einladung für Buchverrückte. Auch Reiseliebhaber finden nützliche Tipps für einen Besuch in den Niederlanden, in Großbritannien, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Österreich, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Griechenland.

Torstens Buch berichtet nicht nur von den schönsten Buchhandlungen Europas, es soll auch einen Beitrag leisten für den Erhalt der Buchhandelsvielfalt in Deutschland. „Jedes Mal, wenn jemand das Buch beim Buchhändler vor Ort kauft und ein Foto davon bei Facebook postet, spende ich einen Euro für Buchprojekte in Deutschland.“ Denn vielen jungen Menschen, die gute Ideen haben, fehle das Geld, diese auch umzusetzen. Zusammen mit der Nachwuchsvertretung im Börsenverein des deutschen Buchhandels sollen solche Projektideen nun in die Tat umgesetzt werden.

Durch die Reise, das Buch und seine Bekanntheit über die sozialen Netzwerke ist Torsten mittlerweile zu einer Art Buchhandels-Experte geworden. Immer wieder wird er nach seiner Meinung zu Themen und Projekten des Buchhandels gefragt, auch von jungen Menschen, die eine Zukunft als Buchhändler erwägen. „Das ehrt mich besonders. Und mein Rat ist Folgender: Wenn man wirklich von Herzen diesen Beruf ergreifen möchte, dann soll man es auch machen. Gerade jetzt, wo sich die Branche in einem großen Umbruch befindet, gibt es die Chance, etwas mitzugestalten und neue Ideen zu entwickeln.“

Torsten selbst ist dazu bereit. Seine Planungen gehen zwar nur bis Ende des Jahres, aber er hat bereits einen Online-Aufruf gestartet. Er sucht nach einer neuen beruflichen Herausforderung, würde gerne etwas mit Büchern machen und fühlt sich im Onlinebereich zu Hause. „Ich bin kreativ, begeisterungsfähig und manchmal auch ein bisschen chaotisch“, heißt es in seiner Facebook-Bewerbung. Außerdem müssten zukünftige Arbeitgeber natürlich auch mit den Folgen seines Erfolges aus bisherigen Projekten zurechtkommen. Das zweite Buch über seine internationale Buchhandelsreise durch die ganze Welt ist nämlich schon in der Mache „Und es gibt viele verrückte Buchorte und -projekte, die ich gerne noch bereisen möchte.“

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