Insolvenzplanverfahren: Kronenbrot hofft auf Neustruktur

Von: Hermann-Josef Delonge
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Kroenenbrot
Das traditionsreiche Würselener Unternehmen ist in unruhiges Fahrwasser geraten. Foto: Beatrix Oprée

Würselen. Welche Wirkung die Nachricht am Freitag in Würselen und weit darüber hinaus hatte, lässt sich erahnen, wenn man die Chroniken und Zahlen bemüht. Seit gut 100 Jahren ist Kronenbrot als Marke auf dem Markt, die eigentliche Gründung als Landbäckerei durch Franz Joseph Mainz datiert sogar auf das Jahr 1865.

Das Unternehmen ist damit eines der traditionsreichsten in der Region, mit insgesamt 1200 Mitarbeitern spielt es in der Region in der ersten Liga. Jetzt also die Hiobsbotschaft: ein Insolvenzplanverfahren, allerdings nicht mit einem externen Insolvenzverwalter, der die Geschäfte und die Regie komplett übernimmt, sondern in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung um den geschäftsführenden Gesellschafter und direkten Nachfahren des Gründers, Lothar Mainz, gibt damit die Zügel bei der Kronenbrot KG nicht vollständig aus der Hand.

Für Mainz selbst ein Signal der Hoffnung und ein Ausdruck der Zuversicht. „Unser erklärtes Ziel ist es, alle Standorte und Mitarbeiter zu halten. Und selbstverständlich werden wir auch alles daran setzen, keine Kunden und keine Lieferanten zu verlieren.“

Beinharte Konkurrenz

Die Probleme bei Kronenbrot – zur Klarstellung: nur die Kernmarke ist betroffen, nicht Töchter wie die Bäckerei Oebel – sind nicht ganz neu. Das Unternehmen steht in einem beinharten Konkurrenzkampf mit Großbäckereien wie Lieken oder Harry, und das in einem äußerst schwierigen Markt. Kronenbrot produziert an den Standorten Würselen (630 Mitarbeiter), Köln (360 Mitarbeiter) und Witten Backwaren (Mischbrote, Vollkornbrot, Toastbrot, Feinbackwaren und Stollen) für den Lebensmittelhandel, die großen Discounter und andere Großverbraucher wie Krankenhäuser und Altenheime vor allem in NRW, aber auch in Rheinland-Pfalz, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Nach eigenen Angaben gibt es rund 3000 Handelspartner. Damit zählt Kronenbrot zu den fünf größten Bachwarenherstellern Deutschlands.

Ganz konkret begannen die akuten Schwierigkeiten rund um das Jahr 2011, sagte Lothar Mainz, der das Unternehmen in fünfter Generation führt, gegenüber unserer Zeitung. Damals explodierte der Preis für Rohstoffe wie Mehl. Auch wenn sich diese Entwicklung in der Folgezeit beruhigt habe, sei doch ein immenser Margen- und Preisdruck geblieben.

Unter dem Strich färbten sich die Zahlen rot, trotz eines über Jahre hinweg stabilen Jahresumsatzes von zuletzt 150 Millionen Euro, guter Auftragslage und somit hoher Auslastung der Backöfen. Die traditionell gute Eigenkapitalquote verringerte sich kontinuierlich. Konsequenz: Bei Kronenbrot klafft eine beträchtliche Finanzierungslücke; das Unternehmen hat gemäß den strengen Basel III-Richtlinien zur Kreditvergabe große Schwierigkeiten, frisches Geld bei den Banken an Land zu ziehen. Keine guten Voraussetzungen für Investitionen. Tatsächlich braucht das Unternehmen weitere Liquidität, um anstehende Aufträge für die zweite Jahreshälfte anzuschieben.

Kronenbrot hat in der Vergangenheit bereits versucht gegenzusteuern. „Wir haben das Sortiment bereinigt und uns auf bestimmte Kundengruppen fokussiert“, sagte Lothar Mainz. Es gab Einsparungen bei der Logistik und Neuverhandlungen beim Einkauf. Auch die Belegschaft lieferte ihren Anteil an den Bemühungen zur Zukunftssicherung: mit einem Haustarifvertrag, der zuletzt Ende 2015 verlängert wurde und der Einschnitte bei der Einkommensentwicklung und bei den Feiertagszuschlägen vorsah. Das alles geschah innerhalb eines Umstrukturierungsprozesses, der bereits 2013 gestartet worden war und ursprünglich bis 2017 terminiert war.

Nun also soll das Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung einen Ausweg aus der Krise weisen. Der Antrag auf Eröffnung wurde am Freitag ordnungsgemäß beim Amtsgericht Aachen gestellt; anschließend tagte der Gläubigerausschuss, in dem Banken, Lieferanten, die Arbeitsagentur und die Mitarbeiter vertreten sind. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Mark Boddenberg von der Kölner Kanzlei Dr. Ringstmeier & Kollegen bestellt. Unterstützt wird die Geschäftsleitung zudem von dem Sanierungsexperten Rechtsanwalt Tillmann Peeters, der den Prozess als Generalbevollmächtigter begleiten wird.

„Positive Signale“ von Kunden

Für die drei Monate April, Mai und Juni wird die Arbeitsagentur Löhne und Gehälter der Mitarbeiter auszahlen – für das Unternehmen zumindest eine Atempause. „In dieser Zeit werden wir einen Sanierungsplan erarbeiten, um anschließend entsprechende Maßnahmen zügig umzusetzen“, sagte Boddenberg. Ziel sei eine „zeitnahe Restrukturierung“. Inzwischen lägen bereits erste positive Signale von bedeutenden Kunden und Lieferanten vor, die den Sanierungsprozess begrüßten und mittragen wollten.

Vorsichtige Berechnungen der Geschäftsleitung stellen bereits für 2017 wieder Gewinne in Aussicht. Konkreter wollte Mainz noch nicht werden. Voraussetzung dafür sind aber frische Kredite – eine Sache des Vertrauens. Das soll das Insolvenzverfahren schaffen. Mainz ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird. „Der Betriebsrat trägt das Vorgehen mit. Wir werden aus dem Tal herauskommen und unseren Weg fortsetzen.“ Und dann noch dieses Versprechen: „Wir stehen zu unserer Verantwortung als Familienunternehmen und werden auch bei der Sanierung unseren Beitrag leisten.“

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