Innovationen aus der Region für Ford in aller Welt

Von: Alexander Barth
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Nah dran: Andreas Schamel, Leiter der globalen Forschung beim traditionsreichen Autobauer Ford.
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Im Foyer des Ford-Gebäudes an der Aachener Süsterfeldstraße sind Innovationen allgegenwärtig – wie die leichte Aluminium-Karosserie eines Pick-up-Trucks. Regelmäßig starten Fahrzeuge zu Messfahrten durch die Region. Die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen, die Verkehr und Mobilität in Zukunft prägen werden, gehört zu den Kernaufgaben am Aachener Standort. Foto: Andreas Steindl (4), Ford Research and Innovation Center Aachen
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Regelmäßig starten Fahrzeuge zu Messfahrten durch die Region. Die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen, die Verkehr und Mobilität in Zukunft prägen werden, gehört zu den Kernaufgaben am Aachener Standort. Foto: Andreas Steindl (4), Ford Research and Innovation Center Aachen
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Regelmäßig starten Fahrzeuge zu Messfahrten durch die Region. Foto: Andreas Steindl (4), Ford Research & Advanced Engineering
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Auf dem Prüfstand: Ein Forschungsingenieur in der Wagenhalle des Aachener Ford-Entwicklungsstandorts.

Aachen. Dass Andreas Schamel seinen gelben Mustang am 5. September in Richtung Aachener Theaterstraße lenken wird, ist eher unwahrscheinlich. Dabei wäre das PS-starke Privatvergnügen des Ford-Forschungsleiters der definitive Hingucker beim 45. Unternehmerforum, das die Industrie- und Handelskammer Aachen gemeinsam mit unserer Zeitung organisiert.

Aber auch ohne die Präsentation des Autoklassikers hat Schamel einiges herzuzeigen – zum Beispiel die Erfolgsgeschichte des sich seit der Gründung 1995 kontinuierlich zum führenden Ford-Forschungsplatz entwickelnden Standortes Aachen.

Den Status der Entwicklungszentrale belegt auch die Tatsache, dass mit Schamel der global verantwortliche Forschungschef von hier aus die Geschicke lenkt. Für die Entwicklungen aus dem traditionsreichen Hause Ford arbeitet man mit renommierten Universitäten, darunter die RWTH Aachen, renommierten Technikinstituten, aber auch mit Zulieferern und Wettbewerbern und zusammen.

350 Mitarbeiter aus knapp 30 Nationen liefern die Kompetenz für zukunftsorientierte Fahrzeugentwicklung, die von der Aachener Süsterfeldstraße aus in die Ford-Welt kommuniziert wird. Weltweit gibt es drei Forschungsniederlassungen, nur eine befindet sich außerhalb des amerikanischen Kontinents: „Aachen ist tatsächlich ein besonderer Standort“, betont Schamel. Die Aufgaben der Forschungsbasis, die mit den Worten ihres Chefs eine „globale Rolle“ im Unternehmen spielt, umreißt er knapp wie präzise: „Wir untersuchen alles, was bewegt: Motoren, Antriebe, Brennstoffe.“ Der Standort hat sich konstant entwickelt – soll heißen: vergrößert. „Wir haben seinerzeit für rund 150 Mitarbeiter gebaut“, sagt Schamel, „mittlerweile sind wir langsam am Limit der Kapazitäten angelangt.“

„Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in den Bereichen autonomes Fahren, Fahrerassistenz-Systeme und der Entwicklung von Tools als Reaktion auf die Verkehrsentwicklung, etwa in den internationalen Großstädten“, berichtet Schamel und spricht etwa die asiatischen Megacitys an, „wo ein Verkehr herrscht, wie man ihn sich hierzulande kaum vorstellen kann und mag.“ Beim Vorantreiben der Entwicklung des führerlosen Straßenverkehrs sei Ford mit seiner Flotte weit vorn, betont der Forschungschef.

So werden in Aachen auch Grundsteine für die Mobilität in der Zukunft gelegt. Neben technischen und mechanischen Aspekten, an denen vor allem Ingenieure und Mathematiker arbeiten, spielt auch Psychologie und damit der vielzitierte Faktor Mensch eine bedeutende Rolle. Mensch und Fahrzeug sollen besonders im Bereich des automatisierten Fahrens nahezu intuitiv miteinander kommunizieren können, so ein Ziel der Forschungsabteilung.

Bei den sogenannten Fahrerassistenz-Systemen – „sicher ein Aspekt, der die Besucher des Forums besonders interessieren wird“, glaubt Schamel – liege Deutschland noch deutlich hinter den Vereinigten Staaten zurück, sagt der Mann, der beide „Welten“ wie die sprichwörtliche Westentasche kennt. Als Verantwortlicher in Sachen Forschung ist der promovierte Automobil-Ingenieur viel unterwegs. Gut eine Woche eines jeden Monats verbringt er in der Ford-Heimat USA. Der heutige erste Forschungsbeauftragte ist bereits seit 30 Jahren im Unternehmen. Im Jahr 2005 übernahm er den Bereich Motorenforschung in den USA. 2009 folgte der Schritt nach Aachen, als Geschäftsführer für den „Großstandort“ Europa. Seit 2012 ist Schamel weltweit verantwortlich für den Bereich Forschung bei Ford.

Enge Kooperation mit der RWTH

Anders als in Köln, dem wohl bekanntesten Ford-Standort in Deutschland, wo vornehmlich „Bauer“ beschäftigt sind, konzentriert man sich in Aachen auf die Entwicklung. Ingenieure und Wissenschaftler prägen das Mitarbeiterprofil.

Die Gründe für die sukzessive Stärkung des Forschungsfixpunkts im Dreiländereck von Deutschland, den Niederlanden und Belgien liege auch im Renommee der Hochschule begründet, sagt Schamel. „Wir nutzen die Verbindung aus Forschung und Lehre für exklusive Ergebnisse, aus denen Patente entstehen. Und genauso zur Rekrutierung von Talenten.“ Ein Sondervertrag besteht zudem mit der Fachhochschule.

Damit befinden sich die Aachener Hochschulen in illustrer Gesellschaft. Derart enge Kooperationen pflegt Ford ansonsten nur mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston und der Stanford University in Kalifornien. Konkret funktioniert die Partnerschaft etwa in der Begleitung von Dissertationen und anderen Abschlussarbeiten in technischen Arbeitsfeldern, der Finanzierung ambitionierter Forschungsprojekte sowie in einem breiten Angebot an Praktika. „In Sachen Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschulen sind wir hierzulande weiter als in den USA“, berichtet Schamel aus Erfahrung. 15 Millionen Dollar investiert Ford jährlich in die Kooperationen, vier Millionen davon fließen in die Zusammenarbeit mit der RWTH.

Zu weiteren „zentralen Herausforderungen“ zählt er auch die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit, hier speziell mit Blick auf die endlichen fossilen Energien. Von der Entwicklung neuer Diesel- und Ottomotoren bis zur Entwicklung alternativer Antriebssysteme – darunter Hybrid- und Elektromotoren – reicht die Kompetenz am Aachener Forschungsstandort.

Was die „Stromer“ angeht, gibt Schamel eine nüchterne Wasserstandsmeldung: „Reichweitenstarke Elektroautos für Normalbürger sind noch nicht oder kaum erschwinglich“, sagt Schamel. „Leider nur ein Spielzeug für Wohlhabende“ seien bislang die Entwicklungen des US-Konzerns Tesla, der oft als leuchtendes Vorbild gelte. Besser sähe es bei den Hybridfahrzeugen aus, „hier teilen wir uns mit Toyota die Marktführerschaft“. Mit der Entwicklung des Modells Focus Electric, seit 2012 in Saarlouis produziert, will Ford künftig Akzente setzen.

Beim 45. Unternehmerforum wird der Forschungschef auch das Thema Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation zur Sprache bringen, „ein Bereich, der immens wichtig sein wird, und über den man unbedingt informieren sollte. Das ist der künftige Alltag im Auto“. Sicherheit, Verbesserung des Verkehrsflusses und nicht zuletzt Kommunikationstechnik mit WLAN und On-Board-Mobilfunk – das vernetzte Fahrzeug ist gar nicht mehr weit weg.“

Auch Einblicke in die Arbeit abseits der Fahrzeugentwicklung wird es geben. An Programme zur Verkehrsentwicklung, etwa zur Reduzierung der mühsamen Parkplatzsuche in Großstädten oder Car- Sharing-Projekte, denkt womöglich nicht jeder sofort im Zusammenhang mit einem traditionsreichen Autobauer. „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit“, versichert Schamel.

Vom AZ-IHK-Forum erhofft sich der Ford-Forschungschef vor allem einen interessanten Dialog: „Ich bin gespannt auf die verschiedenen Interessen und Hintergründe der Besucher.“ Dabei rechnet er durchaus mit drängenden Fragen zur Autobranche, „die nicht zuletzt durch die Schlagzeilen aufgetreten sind, die ein großer Mitbewerber verursacht hat“.

Bei aller Aufregung, die zuletzt aus der Autostadt Wolfsburg gedrungen ist: Am 5. September steht Tradition aus Dearborne, Michigan, USA im Vordergrund – und damit auch die Ford-Zukunft, die maßgeblich in Aachen gestaltet wird.

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