Gelsenkirchen - Initiative aus Aachen erhält den Rudi-Assauer-Preis

Initiative aus Aachen erhält den Rudi-Assauer-Preis

Von: Sabine Rother
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Der Namensgeber kommt zur Verleihung: Rudi Assauer (2. v. re.) mit SPD-Politiker Franz Müntefering (li.), Regina Schmidt-Zadel, stellvertretende Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft NRW, und (rechts) Christoph Venedey, Leiter des Seniorenzentrums Aachen-Haaren. Foto: Jörg Frank
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Das zerfallende Lindenblatt, Symbol für fortschreitende Demenz, wird den Rudi-Assauer-Preisträgern überreicht.

Gelsenkirchen. Kommt er? Kommt er nicht? Die Freude im festlich dekorierten Restaurant „Schalker Markt“ mit Blick in das weiß-blaue Rund der Veltins-Arena ist groß, als Rudi Assauer, lange Jahre Manager des FC Schalke 04, tatsächlich zur Verleihung des Preises erscheint, der seinen Namen trägt.

Jährlich zeichnet seit 2013 die „Rudi Assauer Gemeinnützigen Initiative (GID) Demenz und Gesellschaft“ Menschen und Institutionen aus, die sich für Demenzkranke engagieren – diesmal ist auch das Seniorenzentrum Am Haarbach aus Aachen-Haaren dabei. Dort hat Heimleiter Christoph Venedey mit „Marte Meo“, einer Kommunikationsform, die ein neues Verständnis zwischen demenzkranken Menschen und ihrem Umfeld ermöglicht, ein nachhaltiges Projekt angeschoben. Einbezogen in das Projekt ist der gesamte Ortsteil Haaren-Verlautenheide. Hier wurden nicht nur die Mitarbeiter des Seniorenzentrums sondern auch Geschäftsleute, Polizei und Feuerwehr geschult. „Besonders die Rettungskräfte sollten im Notfall gut mit Demenzkranken umgehen können, da gibt es noch Informationsbedarf“, sagt Venedey.

Rudi Assauer (71) ist von der Alzheimer Krankheit betroffen – und inzwischen gezeichnet. Er gab durch seinen offenen Umgang mit der Diagnose – unter anderem 2012 mit Veröffentlichung seiner Biografie – den Anstoß zur Vereinsgründung. „Je nach Tagesform kann er an einer Veranstaltung teilnehmen“, sagt Wilfried Jacobs, stellvertretender Vorsitzender des Beirats. Eine vertraute Umgebung und Tochter Bettina Michel an seiner Seite sind gute Bedingungen. Assauer ist blass, wirkt aber entspannt und geht später sogar noch zum Gruppenbild mit auf die Bühne.

Großzügig unterstützt der FC Schalke 04 die Initiative – unter anderem als Gastgeber der zum dritten Mal stattfindenden Preisverleihung. Ex-Schalke-Spieler Gerald Asamoah überreicht zum Auftakt des Abends im Namen des Vereins Thomas Behler, dem Geschäftsführer der Initiative, einen 15 000-Euro-Scheck, nachdem er sich in liebevollen Worten an seine Zeit mit Rudi Assauer erinnert hat. „Ich konnte ihn jederzeit anrufen, sogar nachts“, schwärmt er. Fünf Preise (Gesamtsumme 9200 Euro) werden diesmal vergeben. Sport(Kult)-Reporter Werner Hansch, Vorsitzender des Beirats, moderiert mit Schwung, Gefühl und viel Insider-Wissen die Veranstaltung. Die Haarener Initiative, vorgestellt von SPD-Politiker Franz Müntefering, Beiratsmitglied der Initiative, bis 2007 Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales, belegt dabei den dritten Platz. „Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit geben – das ist großartig. Erinnerungen kann man verlieren, aber nicht die Emotionen“, betont Müntefering. „Menschen müssen sich in Sozialräumen bewegen können.“ Christoph Venedey darf 1000 Euro für sein Projekt mit nach Hause nehmen. Auf dem zweiten Platz liegt das Berufskolleg Mülheim an der Ruhr. Die Schüler haben einen Flyer zum Umgang mit dementen Menschen für eine Wohnungsbau-Genossenschaft entwickelt.

Den ersten Platz teilen sich der Kölner Pfarrer Franz Meurer, der jungen Leuten, die auf dem Ausbildungsmarkt keine Chance haben, den Abschluss „Fachpraktiker in sozialen Einrichtungen“ ermöglicht, und das Malteser Krankenhaus St. Hildegardis, das eine „Demenzstation Silvia“ bietet. Den Medienpreis nimmt TV-Moderatorin Bettina Tietjen entgegen, die ein einfühlsames Buch („Unter Tränen gelacht“) über ihren an Demenz erkrankten Vater geschrieben hat.

Alle Preisträger konnten neben ihrer Geldsumme eine ungewöhnliche Trophäe entgegennehmen: ein in Glas gefasstes, teilweise zerfallenes Lindenblatt als Symbol für den fortschreitenden Gedächtnis- und Persönlichkeitsverlust bei Menschen, die von einer dementiellen Erkrankung betroffen sind.

„Wir leisten mit unserer Initiative eine Menge Aufklärungsarbeit“, betont Moderator Hansch. „Und wir sind hauptsächlich in deutschen Bundesligastadien unterwegs, nicht zuletzt, um die Verbindung zu unserem Namensgeber Rudi Assauer auch in Zukunft zu pflegen.“

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