Industrieanlage in Geleen wird einer Art TÜV unterzogen

Von: Heiner Hautermans
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Geleen/Sittard. Hotels, Pensionen und Bungalowdörfer in der niederländischen Provinz Limburg sind momentan gut besetzt – obwohl keine Schulferien sind.

Grund ist der gründliche Check einer gewaltigen Industrieanlage, dem „Naphtakraker Olefins 3“ im Industriegebiet Chemelot in Geleen. Die Erdölraffinerie durchquert man kilometerlang auf der Fahrt nach Antwerpen oder zum Flughafen Maastricht-Aachen.

Betreiber Sabic – im saudiarabischen Mehrheitsbesitz – beschäftigt allein in den Niederlanden 3200 Arbeitnehmer, davon die Hälfte am Hauptsitz in Geleen und Sittard. Ungefähr die gleiche Anzahl an vorübergehenden Mitarbeitern ist jetzt noch einmal hinzugekommen, um den „Naphtakraker“ wieder auf Vordermann zu bringen. Die Vorbereitungen haben mehr als zwei Jahre in Anspruch genommen. Sieben Wochen lang sind 3000 Monteure, Techniker und Ingenieure damit beschäftigt, die Anlage auf den neuesten Stand zu bringen.

Naphta ist ein Rohbenzin, das durch Reinigung und Destillation aus Rohöl gewonnen wird und in Geleen zu Grundmaterialien für Kunststoffe, Arzneimittel, Kunstdünger und Lebensmittel verarbeitet wird. „Olefins 3“ besteht aus kilometerlangen Leitungen, die unzählige Öfen, Kessel, Ventile, Klappen und mechanische Einzelteile verbinden und alle sechs Jahre zu einer Art TÜV („groot onder­houd“) müssen. Alles wird gesäubert und kontrolliert, bei Bedarf ausgetauscht und erneuert. Eigentlich hat die Anlage schon 46Jahre auf dem Buckel, durch die permanente Aufrüstung ist sie allerdings fast wie neu.

Diese Großoperation ist außerordentlich aufwendig. Sie ist aufgeteilt in 1780 Einzelabschnitte, die am Ende jeweils kontrolliert und abgenommen werden müssen, fast wie beim Pkw. Zu Spitzenzeiten sind mehr als 2000 Mitarbeiter aus ganz Europa gleichzeitig tätig. Für sie ist eigens ein großer Versorgungspavillon aufgestellt worden, die Spezialisten sollen schließlich bei Laune gehalten werden. 110 Millionen Euro kostet die Generalüberholung nämlich, jeder Tag Verlängerung schlägt mit 800.000 Euro zu Buche, wie niederländische Medien berichteten.

Auch die Sicherheit spielt bei der Überprüfung eine große Rolle. Unfälle in derartigen petrochemischen Industrieanlagen sind demnach nie auszuschließen. Ende Dezember hat ein Brand auf dem Gelände, das zu den größten derartigen Anlagen in Europa zählt, einen Toten und einen Schwerverletzten gefordert. Daraufhin waren die Sicherheitsbedingungen untersucht und verschärft worden.

Gase, die nicht in der Anlage verarbeitet werden können, werden weiterhin abgefackelt – schlecht für die Umwelt, aber offenbar noch nicht anders zu lösen. Die Abwässer der industriellen Reinigung jedoch, die früher nach der Reinigung in die Kanäle geleitet wurden, werden jetzt gesammelt und wiederverwertet, ein Fortschritt in Richtung Nachhaltigkeit. Noch im Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, dann dauert es wieder sechs Jahre, bis die nächste Großoperation ansteht.

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