Industrie- und Handelskammern warnen vor dem Verkehrskollaps

Von: Madeleine Gullert
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Mehr Bevölkerung, mehr Güter, mehr Verkehr: Der Verkehr im Rheinland wird in den kommenden Jahren noch steigen. Die Städte rund um die A4 sind laut IHK mit der ausgebauten Autobahn aber gut für ein höheres Verkehrsaufkommen gerüstet. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 9,5 Milliarden fehlen im Rheinland für die vielen maroden Brücken, den Ausbau des Straßenverkehrsnetzes und die Schiene. Land und Bund seien nun gefragt, mahnten die Industrie- und Handelskammern der Region am Dienstag.

Die Kammern aus Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, Wuppertal und Krefeld warnen vor einem Verkehrskollaps spätestens in zehn Jahren. Das Rheinland sei eine weiter wachsende Region, sagte Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Die Infrastruktur aber sei dem nicht gewachsen.

Die zentrale Lage der Region führt zu einem großen Verkehrsaufkommen. Viele Güter werden über die Nordseehäfen in Zeebrügge, Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen nach Europa gebracht – und alle ausnahmslos mit Güterzügen oder Lkw durch das Rheinland transportiert. Zurzeit sind das 763 Tonnen pro Tag, laut IHK-Prognose werden es 2030 täglich schon 1240 Tonnen sein. Demnach steigt auch die Zahl der Lkw von 36.000 auf 80.000. Die Güterzüge in dem Bereich sollen von 249 auf 525 steigen. „Die Anbindungen müssen besser werden, weitere Rheinquerungen im Bonner Raum sind etwa notwendig“, sagte Soénius.

NRW ruft Gelder nicht ab

Auch in der Grenzregion rund um Aachen wird das Auswirkungen haben, sagte Monika Frohn, Verkehrsreferentin der IHK Aachen. Auf der A4 wird sich der Lkw-Anteil bis 2025 auf der Straße von 18,5 auf 28,1 Prozent erhöhen, auf der A44 von 23,3 auf 26,3 Prozent. „Mit der ausgebauten A4 sind wir in der Region dafür aber sehr gut gerüstet“, sagte Frohn.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Frohn in der Region auf der Schiene. Eines der dringendsten Projekte im Rheinland insgesamt sei das dritte Gleis zwischen Aachen und Düren. Das Problem sind Kosten von mehr als 200 Millionen Euro. „Und planungsrechtlich ist das eine große Herausforderung, weil es sich um Wohngebiet handelt.“ Zurzeit behinderten sich auf den zwei Gleisen alle Züge gegenseitig. Da Güterverkehr und Hochgeschwindigkeitszüge Vorrang haben, bedeutet das für Nutzer der Regionalbahnen oder der Euregiobahn deshalb nicht selten: warten. „Schon einen Zug mehr in dem Bereich verkraftet das Netz nicht“, sagte Frohn. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass die Hochgeschwindigkeitslinie zwischen Köln und Aachen ausgebaut werden müsse. Zurzeit können etwa der Thalys oder der ICE dort nicht ihre hohen Geschwindigkeiten fahren.

NRW hat viel Geld verschenkt, moniert Soénius. 40 Millionen Euro an Investitionsmitteln des Bundes konnten 2013 nicht verwendet werden, weil die Planungen für Verkehrsprojekte nicht weit genug vorangeschritten waren. „Das Problem ist jetzt erkannt, es müssen mehr Ingenieure für die Planung und Juristen für die Auftragsvergabe eingestellt werden.“ Außerdem solle der Bund endlich die für den Ausbau des Verkehrs gedachten Einnahmen aus der Mineralölsteuer auch für diesen Zweck nutzen.

Sinnbild für die vernachlässigte Infrastruktur ist für Soénius die Leverkusener Brücke. Die Sperrung für Lkw über 3,5 Tonnen koste Unternehmen rund 1750 Euro pro Tag. „Mir ist wichtig, dass wir die Lkw nicht in Verruf bringen. Ohne die Lastwagen kommt der Joghurt nicht in den Supermarkt“, mahnt Soénius. Es müsse schnell gehandelt werden, deshalb begrüßen die Handelskammern im Rheinland den Vorstoß von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) zu einer „Lex Leverkusen“. Klagen gegen Bauprojekte sollen Vorinstanzen überspringen und direkt beim Bundesverwaltungsgericht landen. So sollen Zeitverzögerungen vermieden werden. Noch besser sei es natürlich, wenn es gar nicht erst zu Klagen komme. „In Holland hat man beim Ausbau der Betuwe-Linie viel Geld in die Hand genommen und im Vorfeld einen guten Lärmschutz hingebaut.“

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