In NRW liegen Tausende Fliegerbomben unter der Erde

Von: Tonia Haag, ddp
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In Nordrhein-Westfalen wurden laut Innenministerium in den vergangenen zehn Jahren 12.420 Bomben geräumt, umgerechnet mehr als drei pro Tag - und das dürfte noch lange nicht das Ende sein. Experten gehen davon aus, dass im größten deutschen Bundesland noch mehrere Zehntausend Bomben der Alliierten unter der Erde liegen. Foto: ddp

Düsseldorf. Die Nachricht sorgte für Bestürzung: Bei der missglückten Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg kamen im Juni in Göttingen drei Menschen ums Leben. Solche Unglücke sind zwar selten, Bombenentschärfungen stehen hingegen auch 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch an der Tagesordnung.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden laut Innenministerium in den vergangenen zehn Jahren 12.420 Bomben geräumt, umgerechnet mehr als drei pro Tag - und das dürfte noch lange nicht das Ende sein. Experten gehen davon aus, dass im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland noch mehrere Zehntausend Bomben der Alliierten unter der Erde liegen.

„Die Entfernung der Blindgänger ist eine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte”, prognostiziert der Geowissenschaftler Hans-Walter Borries. Und die Aufgabe werde mit der Zeit keineswegs einfacher. „Die Zünder zersetzen sich im Laufe der Jahre. Dann wird es schwieriger, sie zu entfernen”, erläutert der geschäftsführende Direktor des Wittener Instituts für Wirtschafts- und Sicherheitsstudien.

Dass es heute überhaupt noch so viele Bombenentschärfungen gibt, liege daran, dass jede sechste bis siebte abgeworfene Bombe der Alliierten nicht gezündet habe - von geschätzten 500 000 Tonnen, die insgesamt abgeworfen wurden. „Sie sind nicht mit der Spitze eingeschlagen und daher nicht explodiert”, sagt Borries.

Inzwischen wird systematisch nach solchen Blindgängern gesucht. Doch das sei nicht immer so gewesen, berichtet Jörg Rademacher, Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Lange Zeit seien Blindgänger entfernt worden, ohne dass dies dokumentiert wurde. Erst seit den 1970er Jahren werde Buch über die Entschärfungen geführt. „Daher können wir auch nicht sagen, wie viele der abgeworfenen und nicht explodierten Bomben heute noch unter der Erde liegen”, sagt Rademacher. Die Wahrscheinlichkeit, einen Blindgänger zu finden, sei jedoch in den Gebieten besonders groß, in denen auch viele Bomben abgeworfen wurden wie im Ruhrgebiet.

Die Gefahr, dass eine dieser Bomben heute plötzlich in die Luft gehe, sei aber sehr gering, beruhigt Jennifer Spitzner, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. „Die Menschen müssen keine Angst haben, dass so eine Bombe einfach hochgeht.” Dafür seien schon schwere Erschütterungen nötig, etwa durch einen Bagger.

Erdbeben hingegen sind nach Meinung von Experten kaum eine Gefahr. „Es ist extrem unwahrscheinlich, dass so etwas zur Explosion einer Bombe führt”, sagt der Leiter des Erdbebendienstes beim Geologischen Dienst NRW, Klaus Lehmann.

Wer ganz sicher sein möchte, dass unter seinem eigenen Haus keine Bombe liegt, kann den Boden untersuchen lassen. „Dafür muss bei der Stadt ein Antrag gestellt werden”, sagt Spitzner. Mit Hilfe von alten Luftbildern prüfe der Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung dann, ob über dem Haus einmal Bomben abgeworfen wurden. Je nach Schwierigkeit koste die Entfernung einer Bombe zwischen 10.000 und 40.000 Euro, sagt Borries.

Die Kosten für eine eventuelle anschließende Ortung und Entschärfung des Blindgängers übernehme aber das Land, beruhigt Spitzner. „Wenn allerdings ein Schaden am Haus entsteht, muss meistens der Bürger dafür zahlen.”

Bislang sind Anfragen von Privatleuten eher selten. „Die meisten wissen wahrscheinlich gar nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt”, vermutet die Behördensprecherin. Daher werden Bomben derzeit meist nur im Auftrag von Unternehmen oder Städten gesucht, die bauen und keine bösen Überraschungen erleben wollen.
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