In fünf Tagen mit dem Trecker von Aachen nach Berlin

Von: Sandra Kinkel
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Eine Frau, ein Trecker, ein Ziel: Kristina Dahmen (24) aus Langerwehe-Geich bricht am Mittwoch mit ihrem Traktor zu einer Groß-Demo nach Berlin auf. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. Um 9 Uhr am Mittwochmorgen steigt Kristine Dahmen am Aachener Europaplatz in ihren Trecker „415 Vario”. Sie wird ihn so schnell nicht wieder verlassen. Berlin ist ihr Ziel.

Dort trifft sie auf mehrere hundert andere, die quer durch die Republik in ihren Traktoren zum Regierungssitz getuckert sind, um gegen die ungleiche Besteuerung von Agrardiesel in der EU zu demonstrieren.

Kristine Dahmen ist 24 Jahre alt, und fast könnte man sagen, dass sie die Landwirtschaft mit der Muttermilch aufgesogen hat: Sie ist auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Langerwehe-Geich aufgewachsen.

Milchkühe, Ackerbau und Kartoffel-Direktvermarktung. Jetzt studiert sie Agrarwissenschaften in Bonn. Vor drei Jahren war sie Rheinische Kartoffelkönigin.

Freitag habe der Landwirtschaftsverband angefragt, wer Zeit habe nach Berlin zu fahren. „Ich hatte Zeit.” Das Thema ihrer Diplom-Arbeit stehe noch nicht fest, auf dem Hof sei im Augenblick auch nicht so viel Arbeit.

„Und es ist eine gute Sache, für die ich da kämpfe.” Deswegen steigt Kristine Dahmen am Mittwochmorgen also auf ihren Traktor. Ihre Reise wird - wenn alles glatt läuft - am Montagmorgen an der Siegessäule in Berlin enden.

Über die Autobahn sind das rund 650 Kilometer. Aber Kristine Dahmen wird ungleich mehr Strecke zu bewältigen haben. Zum einen, weil sie nur auf Landstraßen fahren kann. Zum anderen, weil sie unterwegs viel Öffentlichkeitsarbeit machen muss. Im Rheinland, aber auch in Westfalen, Niedersachsen und Sachsen.

Kristine Dahmen macht einen entspannten Eindruck. „Ich lass´ die Sache einfach auf mich zukommen.” Die Vorstellung, mehr als fünf Tage auf einem Traktor zu verbringen, schreckt sie in keiner Weise. „Warum auch? Traktorfahren macht Spaß.” Und dann fängt die junge Frau an zu schwärmen. Von modernen Landmaschinen, die 50 Stundenkilometer schaffen, die mit stufenlosem Getriebe ausgestattet sind, mit Radio und CD-Player, Heizung und Klimaanlage. „Die Sitze sind gefedert, die Kabine ist geschlossen.” Man fahre nicht schlechter als in einem Auto. „Nur langsamer. ”

Das ist für Kristine Dahmen kein Problem. Im Gegenteil: „Ich hoffe, unterwegs sehr viele Menschen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.” Schlafen muss sie übrigens nicht in ihrem Traktor. Kristine Dahmen freut sich auf ihre Tour und auf die große Demonstration der Landwirte an der Siegessäule. „Über 500 Trecker werden da erwartet. Und man hat mir gesagt, dass ich anführen kann. Das macht mich schon ein bisschen stolz.”
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