Heimbach - In der Tourismus-Bundesliga angekommen

In der Tourismus-Bundesliga angekommen

Von: Guido Jansen
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Der Eifelidylle nachempfunden? Im Ferienpark Landal Eifeler Tor in Heimbach sollen künftig 220.000 Besucher übernachten. Foto: Guido Jansen

Heimbach. Heimbach spielt jetzt in der Bundesliga. Nicht in Sachen Fußball wie Hoffenheim, wo innerhalb weniger Jahre ein Bundesligist mit viel Geld aus dem Boden gestampft worden ist, sondern in Sachen Urlaub.

Die kleinste Stadt in NRW hat fast 40 Jahre darauf gewartet, dass etwas wächst auf dem lukrativen Grundstück in der Nachbarschaft zur Staumauer Schwammenauel. Am Samstag wird der Aufstieg in die Riege der touristisch am besten aufgestellten Kleinstädte der Republik perfekt. Denn am Samstag eröffnet der Ferienpark Landal Eifeler Tor. 1100 Betten bietet der Ferienpark. Damit hat Heimbach dreimal mehr Betten für Touristen zu bieten als bislang.

„Der Park ist die größte private Investition in den Bereich Tourismus in Deutschland“, sagt Manager Serge van der Heijden. 50 Millionen Euro hat der niederländische Konzern Dormio in den Ferienpark gesteckt. Vermarktet wird die Anlage von Landal, ebenfalls ein Schwergewicht aus dem niederländischen Tourismus-Sektor, das 14.000 Ferienhäuser betreut. Die meisten davon stehen in den Niederlanden. Das Eifeler Tor ist die größte Landal-Kolonie außerhalb.

„Wir sind unglaublich froh, dass es doch noch gelungen ist, einen kompetenten Investor für das Gelände zu finden“, sagt Heimbachs Bürgermeister Bert Züll. Seit über 40 Jahren arbeitet er in der Stadtverwaltung. Seitdem hat Heimbach versucht, das Areal zu entwickeln. Ein RWE-Ausbildungszentrum kam nicht zustande, mehrere Anläufe, eine Hotel- oder Ferienanlage anzusiedeln, schlugen fehl.

Mal waren die Pläne zu vermessen, mal zu naiv, mal ging das Geld schon in der Planung aus. „Jetzt freuen sich der Bürgermeister und der Kämmerer sehr. Der Park bringt Menschen in unsere Region“, sagt Züll. Zudem Kurbeiträge, Gewerbesteuer und Grundsteuereinnahmen in die Stadtkasse. 40 Arbeitsplätze sind entstanden.

Sieben Hektar groß ist das Gelände. Darauf stehen 96 Ferienhäuser und 74 Wohnungen. Rund die Hälfte der Immobilien hat Dormio verkauft, zum großen Teil an Privatpersonen. Die andere Hälfte steht zum Verkauf. Sechs Wochen pro Jahr dürfen die Eigentümer selbst zum Urlaub in Heimbach anrücken.

Die restlichen 46 Wochen vermietet Landal die Wohnungen und Häuser, die Eigentümer werden am Gewinn beteiligt. „Dieses Modell – Ferienhäuser als Kapitalanlage – kommt in den Niederlanden sehr häufig vor“, sagt van der Heijden. Entsprechend sind die meisten Eigentümer Niederländer. Mindestens fünf Prozent Rendite pro Jahr verspricht Dormio. Bei einem Kaufpreis von 200.000 Euro beispielsweise macht das 10.000 Euro pro Jahr.

Die meisten Touristen, die im Eifeler Tor Urlaub machen, kommen aus den Niederlanden. Das zeigt die Statistik für das Vorjahr. Der Ferienpark ist seit dem Herbst 2012 bereits teilweise in Betrieb. 2008 hatte Landal begonnen, die Wohnungen und Häuser zu vermarkten, bevor der erste Stein auf dem anderen stand. Wegen der Weltwirtschaftskrise und weil ein Hang mit mehr Aufwand als geplant stabilisiert werden musste, verlief der Verkauf phasenweise schleppend. Am Ziel, alle Immobilien zu verkaufen, hat das laut van der Heijden nichts geändert.

54 Prozent der Gäste waren 2012 Niederländer, 35 Prozent Deutsche, der Rest kam aus Belgien oder dem arabischen Raum. „Wir haben mit halber Kraft im vergangenen Jahr 90.000 Besucher gehabt. Für dieses Jahr erwarten wir mindestens 160.000“, sagt van der Heijden. 2016, so der Plan, sollen es 220 000 sein. Die Kundschaft aus den Niederlanden komme, sagt Serge van der Heijden. „Dieses Panorama mit den Bergen ist für uns Holländer ein bisschen wie eine andere Welt. Und sie ist gar nicht weit weg.“ Die deutschen Gäste ticken offenbar ähnlich. Der größte Teil reist aus Köln, Düsseldorf oder dem Ruhrgebiet an, um in den Eifelhöhen zu entspannen, abzuschalten und zu entschleunigen.

Und die urlauben nicht in einer eingezäunten Welt, wie das aus den Center Parks üblich ist – ebenfalls ein Modell aus den Niederlanden. Landal vermarktet die Region rund um den Rursee mit in seinem Konzept. „Die Menschen sollen rausgehen, zum Rursee, nach Heimbach, in die Eifel oder nach Aachen“, sagt der Manager. Deswegen befindet sich ein Nationalpark-Infopunkt an der Promenade. Der Park mit seinen Restaurants, Geschäften, Bars und einer Kinderspielstätte steht Besuchern offen, die sich nicht auf der Anlage einquartiert haben. Einzig das Hallen- und das Freibad sind den Übernachtungsgästen vorbehalten.

Vor der Eröffnung ausgebucht

Unterhalb der Promenade, an der die großen Gebäude stehen, die die Wohnungen beinhalten, stehen die Häuser auf abschüssigem Gelände. Optisch sind sie typischen Eifeler Fachwerkhäusern nachempfunden. Drei Standards gibt es, die je nach Aufpreis unter anderem Sauna oder Fitness-Bereich bieten. Ein Haus oder eine Wohnung mit höchster Ausstattung kostet ab heute für sieben Tage und zehn Personen 1010 Euro, im Juli liegt der Preis bei 1369 Euro.

Noch ein Indiz für den Aufstieg in die Tourismus-Bundesliga: Wer oben mitspielt, der hat die Hütte voll. In der vergangenen Woche war der Park erstmals ausgebucht, vor der Eröffnung, außerhalb der Ferienzeit.

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