In der Nordeifel ist die Toleranz für Biker am Ende

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
14985435.jpg
Kein Durchkommen: Motorradfahrer waren am Sonntag auf der dem Parkplatz an der B 266 oberhalb von Einruhr nicht willkommen. Bürger blockierten ihn. Foto: Peter Stollenwerk

Simmerath. Über Sonnenschein am Wochenende können sich viele Eifeler im Sommer nicht so richtig freuen. Schönes Wetter ist auch stets mit Lärm verbunden, wenn Tausende Motorradfahrer in Richtung Rursee unterwegs sind. Lärmgeplagten Bürger aus den Orten Einruhr, Kesternich und Dedenborn platzte in diesem Sommer der Kragen.

Sie sind es leid, von rasenden und hochtourig röhrenden Zweirädern belästigt zu werden. Rund 50 Bürger setzten daher am Sonntag ein deutliches Zeichen. Mit Privatfahrzeugen und einem Lkw belegten sie zwischen 10 und 21 Uhr komplett den bei Motorradfahrern heiß begehrten Parkplatz in der Haarnadelkurve an B 266 unterhalb „Schöne Aussicht.“ Nur eine schmale Zufahrt zum Parkplatz blieb offen.

Dies war Bedingung für die genehmigte Protestaktion. Bereits vor vier Wochen hatten sich Bürgerinitiativen erstmals am Parkplatz oberhalb von Einruhr eingefunden, um unmissverständlich klar zu machen, dass rücksichtslose Motorradfahrer nicht erwünscht sind.

Einer der Organisatoren der Protestinitiative ist der Einruhrer Ortsvorsteher Christoph Poschen. Auf dem Parkplatz spielten sich „unglaubliche Szenen“ ab, berichtet Poschen. Auch an Abenden in der Woche fänden sich hier bis zu 50 Motorradfahrer ein.

Die Bürgerproteste haben bereits gewirkt. In Gesprächen mit den Behörden gibt es Überlegungen den Parkplatz „Schöne Aussicht“ möglicherweise durch einen Schotterbelag für Motorradfahrer unattraktiv zu machen.

Problemgruppe holländische Biker

Einige Bürger haben die Abwertung des Platzes offenbar bereits selbst in die Hand genommen. Eine Sitzgruppe aus Holz ist kürzlich komplett zerstört worden. Solche Attacken zeigen auch, wie schwierig es ist, einen konstruktiven Dialog zu führen. Emotionale aber auch sachbezogene Gespräche gab es Sonntag reichlich zwischen Anwohnern und Bikern. „Wir müssen einen Kompromiss suchen“, sagt Biker Frank Bertling aus Aachen.

Er habe Verständnis für den Unmut der Anwohner, aber er verurteile es, wenn Diesel oder Öl auf die Fahrbahn gekippt werde, um Motorradfahrer zu gefährden. Auch gelte es zu unterscheiden, dass nicht alle Biker Raser seien. Eine Problemgruppe seien ganz sicher die holländischen Biker mit ihren auf Krawall gebürsteten Maschinen. „Die interessieren sich nicht für die vom TÜV vorgeschriebene Lärmdrosselung. Die zahlen 50 Euro und sind dann wieder weg“, sagt Bertling.

Auch Biker Thomas Dreyer aus Eschweiler verweist „auf unsere Freunde aus Holland“, die wesentlich zum schlechten Image der Motorradfahrer beitrügen. Weitere Straßensperrungen in der Eifel für Motorradfahrer hält er weder für zielführend noch für rechtens: „Das Gesetz lässt nicht zu, bestimmte Gruppen auszuschließen.“

Helmut Logen aus Einruhr gehört zu den lärmgeplagten Anwohner, wobei seine Wahrnehmung etwas anders ist. Wochentags seien keine Holländer unterwegs. Auf dem Parkplatz treffe sich ab 18 Uhr „die Szene“. Er habe inzwischen alle Kennzeichen gespeichert, „und ich erkenne die Maschinen schon am Geräusch“. Auf dem Parkplatz stehe ein Verpflegungswagen, und ein von den Bikern bestellter Besenwagen reinige Fahrbahn. „Dann werden richtige Rennen gefahren und es wird gefilmt“, sagt Logen.

Die Bürger, die am Sonntag in Schichten den Parkplatz belegten, wollen ihre Protestaktionen fortsetzen.

Leserkommentare

Leserkommentare (16)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert