„Immigrantenstadl” feiert Multikulti-Karneval: Sirtaki und Eingestirn

Von: Barbara Franck, dpa
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Immigrantenstadl
Die Darsteller des Mohammed (links) und Jesus (rechts) unterhalten sich während der Generalprobe des „Immigrantenstadl” in einer Parodie miteinander. Die etwas andere Karnevalssitzung „von Immis für alle Welt”, wie die Macher selber behaupten, hat am Freitag Premiere. Foto: dpa

Köln. Eine verschleierte Muslima übt sich in der Büttenredner-Schule, eine „Mischehe” droht am Sprachtest zu scheitern und die Finanzkrise macht aus dem Dreigestirn ein Eingestirn. Auch auch die vierte Auflage des Kölner „Immigrantenstadl” nimmt aktuelle politische und kulturelle Diskussionen ohne Tabus aufs Korn.

Das Besondere: Bei der Karnevalssitzung, die am Freitag in Köln Premiere feiern sollte, dürfen nur Künstler auf die Bühne, die eben nicht in der Domstadt geboren sind.

Die Wurzeln der 18 Musiker und Schauspieler - allesamt Profis - reichen von Bergisch Gladbach bis Brasilien und von Teheran bis zum Teutoburger Wald. Als Wahl-Kölner feiern sie nun gemeinsam unter dem Motto „Wir sind gekommen, um zu bleiben” ihre Show „Immigrantenstadl - von Immis für alle Welt”. Die Sitzung sei kein Ausländer-Projekt, sondern eine „multikulturelle Show” für deutsche und nicht-deutsche „Einwanderer nach Köln”, erklärt Initiator Hektor Haarkötter bei der Generalprobe am Donnerstagabend.

Viele Elemente klassischer Karnevalssitzungen bekommen hier einen internationalen Anstrich: Statt Funkenmariechen gibt es „Griechen- Mariechen” und geschunkelt wird im Sirtaki-Takt. Es gehe dem Ensemble aber nicht um einen explizit alternativen Karneval, sagt Haarkötter. „Wir möchten eine echte Kölner Sitzung sein und für das Publikum eine Einstiegsdroge in den Karneval.”

Das gelingt dem Multikulti-Ensemble mit immer größerem Erfolg: Seit der Premiere 2006 hat sich die Zahl der Sitzungen mit jedem Jahr verdoppelt, in dieser Session treten die Künstler gleich achtmal auf. Berührungsängste mit den etablierten Karnevalsgesellschaften gibt es dabei nicht: Im vergangenen Jahr waren sogar die traditionsreichen Roten Funken zu Gast in Haarkötters Stadl.

Doch allzu ähnlich wird das „Immigrantenstadl” dem traditionellen Kölner Karnevalsbetrieb wohl auch auf Dauer nicht werden: So bissige und selbstironische Sketche wie etwa der vom Propheten Mohammed, der seinen Bruder Jesus darum bittet, an dessen Stelle ans Kreuz gehängt zu werden, wären auf traditionellen Kölner Sitzungen kaum vorstellbar. „Wenn Jesus und Mohammed Brüder sind und Hand in Hand gehen - das ist doch ein schönes Bild”, sagt Haarkötter. „Man sollte die Brüderlichkeit der Religionen ernster nehmen ­ gerade wir als integratives Projekt.”

Türken erzählen Türken-Witze, eine Dolmetscherin deckt Lukas Podolskis wahres intellektuelles Potenzial auf und ein slowenischer DJ lässt zu kölschen Karnevalsklängen rappen ­ das gibt es nur im „Immigrantenstadl”. Und den Zuschauer machts Jahr für Jahr richtig Spaß.
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