Simmerath - Immer weniger Sternsinger: Anne bringt die Könige zurück ins Dorf

Immer weniger Sternsinger: Anne bringt die Könige zurück ins Dorf

Von: Sarah Maria Berners
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Anne Gillessen ist die einzige Messdienerin und damit eigentlich auch die einzige Sternsingerin in dem Eifeldorf Hammer. Für das Dreikönigssingen hat sie Verstärkung an ihrer Seite. Foto: smb
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Paula Gillessen ist sechs Jahre alt und hilft ihrer großen Schwester beim Dreikönigssingen.

Simmerath. Mit bunten Gewändern, goldenen Kronen und der Spendendose in der Hand ziehen die Sternsinger in diesen Tagen von Haus zu Haus. Sie bringen Gottes Segen zu den Menschen und sind damit zugleich eine wichtige Stütze für Kinder in der Welt, denen es nicht so gut geht. Für viele Menschen gehört der Besuch der kleinen Könige zum Jahresanfang wie Böller und Bleigießen zu Silvester.

In dem Eifeldorf Hammer aber, das zur Gemeinde Simmerath gehört, war diese Tradition eingeschlafen. Das Dorf an der Rur ist idyllisch, liebens- und lebenswert, aber es ist eben auch überschaubar. 175 Menschen wohnen dort, man kennt einander. Gemeinschaft ist wichtig. Es gibt eine Löschgruppe, einen Bürgerverein, ein Bistro am Campingplatz. Aber Kinder gibt es nur wenige. Und so endete die Tradition des Sternsingens vor Jahren, als der letzte Messdiener dem Messdieneralter entwachsen war. Die Könige kamen nicht mehr. Und sie wurden vermisst. Sehr sogar.

Listen in Großstadtgemeinden

„Demografisch bedingt gibt es einfach weniger Kinder in der passenden Altersgruppe“, sagt Thomas Römer“, Pressesprecher des Kindermissionswerks. In immer mehr Orten werden die Sternsinger knapp und auch die Zahl der teilnehmenden Gemeinden sinkt seit Jahren. 2014 meldeten sich nur noch 11.075 zur Sternsinger-Aktion an – knapp 11,5 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren.

Dies liege jedoch an der abnehmenden Anzahl von Pfarrgemeinden. Um trotz sinkender Sternsinger-Zahl möglichst viele Menschen erreichen zu können, arbeiten immer mehr Gemeinden mit Anmeldelisten. Wer also Besuch von den Heiligen Drei Königen bekommen möchte, der muss sich mancherorts vorab bei seiner Pfarrgemeinde melden. „Vor allen Dingen in Großstädten setzt sich dieses Prozedere immer mehr durch“, sagt Römer.

Mit der Erstkommunion von Anne Gillessen hat sich das in Hammer geändert. In den Gottesdiensten in der kleinen Kirche gibt es nun wieder eine Messdienerin und mit ihr kehrt eine Tradition zurück ins Dorf. „Die Leute haben sich riesig gefreut“, erinnert sich die Fünftklässlerin des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack an den Januar im vorigen Jahr. Da ist sie zum ersten Mal mit Gewand, Krone, Stern und Spendendose von Haus zu Haus gezogen.

Dabei hat sie gemerkt, wie groß ein kleines Dorf sein kann und wie viele Haustüren es gibt. Sie hat aber auch gemerkt, wie wichtig den Menschen der Sternsinger-Brauch ist. Verschlossene Türen gibt es in Hammer so gut wie gar nicht. „Mir macht es Spaß als Sternsingerin unterwegs zu sein“, erzählt die Zehnjährige. Es sei schön, wie die Leute sich über den Besuch freuen.

„Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr ihr öffnet die Tür für die Sternsingerschar“, lautete der Spruch, den die Sternsinger im deutlich größeren Nachbardorf aufgesagt haben. Anne hatte ihn übernommen, auch wenn man von einer „Schar“ in Hammer nun wirklich nicht sprechen kann.

Damit Anne nicht als ein einsamer König durch die Straßen ziehen muss, hat sie Verstärkung von ihrer Freundin Lea bekommen. Und auch Annes kleine Schwester Paula, gerade in die Grundschule gekommen, hat sich entschieden am Sonntag mitzugehen.

„20C+M+B+15“ werden die Sternsinger an die Türen schreiben oder kleben. In den Häusern stehen Bänkchen oder Stühle bereit, damit die kleinen Könige den Segen auch platzieren können. Die Buchstaben stehen für „Christus Mansionem Benedicat“: Christus segne dieses Haus. Die Süßigkeiten, die die Sternsinger als Dankeschön von den Menschen bekommen, haben motivierende Wirkung. Sie sind aber nicht der einzige Antrieb.

„Ich finde es gut, dass wir Sternsinger Geld für Kinder sammeln, die nicht so ein schönes Leben haben wie wir“, erzählt Anne. Deswegen haben sie und Lea zu Weihnachten 2013 auch Karten gebastelt, sie am Straßenrand verkauft und den Erlös mit einem Zusatz vom Taschengeld an den Pastor übergeben. Für Anne Gillessen und viele andere Kinder im Land sind ein voller Kühlschrank, Handy, Bücher, Spiele und Schule Selbstverständlichkeiten.

Für Kinder wie Jerec

Der elf Jahre alte Jerec, der das Plakat der Sternsingeraktion ziert, lebt in einer anderen Welt – auf den Philippinen, in einer kleinen Hütte. Er geht auf eine Schule, die das Kindermissionswerk aufgebaut hat, kann lernen und essen. Doch jedes dritte Kind auf den Philippinen ist laut Kindermissionswerk mangelernährt.

Viele Familien könnten eine gesunde Ernährung für ihre Kinder einfach nicht bezahlen. So gibt es täglich Reis, der zwar satt macht, aber nicht genügend Nährstoffe liefert. Es sind gleichaltrige Kinder wie Jerec für die Anne, Lea, Paula und die anderen Sternsinger an unsere Türen klopfen.

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