Im Mini-Kostüm zur Dönerbude

Von: Barbara Franck, dpa
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Köln. Schon lange vor 11.11 Uhr drängen sich in den Gassen der Kölner Altstadt die bunt kostümierten Jecken: Wo man auch hinschaut, schunkeln und singen sie am Donnerstag im Takt der Karnevalsmusik.

Indianerin Maren (25) tanzt mit Cowboy Thomas (28), Engel Petra (32) stößt mit Eisbär Mark (30) an, und auf der großen Bühne auf dem Alter Markt steigt pünktlich zu Weiberfastnacht eine riesige Party mit allen Karnevalsgrößen.

Die kühlen Temperaturen halten dabei viele Kölner nicht davon ab, sich nur leicht bekleidet ins närrische Getümmel zu stürzen. Schon Wochen vor Weiberfastnacht waren einige knappe Frauen-Kostüme wie das „sexy Rotkäppchen” restlos ausverkauft. Daniela Grundmann ist eine der Glücklichen, die das Trend-Kostüm der Saison noch ergattern konnten - jetzt steht sie zitternd im kurzen Röckchen auf dem Alter Markt. „Das war heute Morgen schon ein bisschen kalt”, sagt die 26- Jährige, die seit acht Uhr früh unterwegs war, um nun direkt vor der Bühne zu stehen. „Aber noch eine halbe Flasche Sekt, dann ist mir wieder warm”, lacht sie.

Grundmanns Bekannte Gudrun hat bei ihrem Hausmädchen-Kostüm ganz auf einen Rock verzichtet: Sie trägt über einem knappen Body nur eine Netzstrumpfhose - „aber sieht doch gut aus, oder?” Ehemann Patrick stimmt zu ­ er hat es in seinem Ganzkörper-Plüschkostüm allerdings auch deutlich wärmer.

Mindestens ebenso wichtig wie die Entscheidung zwischen „sexy” und „warm” ist an Weiberfastnacht in Köln jedoch die Frage „Lamm oder Hühnchen?”. Schon morgens um 10 habe er die ersten Fleischtaschen verkauft, berichtet Yunus, der in einer Dönerbude am Heumarkt arbeitet. Den Laden dicht zu machen, um selber Karneval zu feiern, käme für ihn nicht in Frage ­ zu gut läuft das Geschäft an den närrischen Tagen: „Heute verkaufen wir bestimmt viermal so viele Döner wie sonst.”

Doch auch andere Snacks sind bei den Kölner Narren gefragt: Im traditionellen Fischimbiss „bei Biggi” drängen sich um halb 12 die Gäste. Bernd Lohmüller freut sich auf ein Backfischbrötchen „mit richtig schön Remoulade drauf”. Sein Appetit kommt nicht von ungefähr: „Das ganze Kölsch macht eben hungrig”, sagt der 38-Jährige, der als Comic-Held Obelix verkleidet ist. Sogar einen Hinkelstein aus Pappmaché schleppt der Kölner auf dem Rücken. Doch das sperrige Accessoire birgt ein Geheimnis: Der Stein lässt sich aufklappen, darin lagert Lohmüllers Kölsch-Vorrat.

Nicht nur für die Kneipiers und Gastronomen, auch für die Kiosk- Besitzer der Altstadt sind die Karnevalstage ein Riesen-Geschäft. Viele der „Büdchen”, wie die Mini-Läden in Köln genannt werden, haben den Bierverkauf dabei an die frische Luft verlegt ­ ein Eck-Kiosk am Heumarkt lagert gleich 120 Kisten Kölsch und Pils vor der Tür.

„Das ist der absolute Wahnsinn hier”, ruft Rodrigo. Der 28-jährige Chilene ist auf Verwandtenbesuch im Rheinland: „Mein Onkel hat mir vorher Bilder vom Karneval geschickt, aber das muss man wirklich selbst erlebt haben!” Was Rodrigos Bonner Verwandten ihm verschwiegen haben: Ohne Kostüm wird man es heute in Köln schwer haben. Kein Problem: Ein Stand am Alter Markt bietet für alle kurz Entschlossenen bunte Perücken und Hüte an. Rodrigo greift zu einer Jamaika-Mütze mit Rastalocken: „Und jetzt zeig mir, wo man hier gut tanzen gehen kann!”
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