Maastricht - Im Mega-Tunnel in drei Minuten unter Maastricht hindurch

Im Mega-Tunnel in drei Minuten unter Maastricht hindurch

Von: Alexander Barth
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Der Plan (links) und die Baust
Der Plan (links) und die Baustelle: Das ehrgeizige Tunnelprojekt „Avenue 2” in Maastricht nimmt langsam konkrete Formen an. An den beiden Ausgängen graben sich die Arbeiter derzeit in die vorgesehene Tiefe von 25 Metern vor. Foto: Harald Krömer

Maastricht. Die Rechnung ist klein und übersichtlich. Und sie ist vielleicht die griffigste Werbung für das gigantische Tunnelprojekt, mit dem Maastricht ab dem Jahr 2016 stattliche 80 Prozent des bisherigen Verkehrsaufkommens auf der Stadtautobahn A2 unter die Erde bringen will.

Braucht man bislang mit dem Auto schlimmstenfalls bis zu 30 Minuten, um Maastrichts Zentrum von Norden nach Süden zu durchqueren, soll dies künftig in nur noch sage und schreibe drei Minuten möglich sein.

Diese dramatische Erleichterung verdankt die Limburgische Metropole dem Mammutprojekt „Groene Loeper” (Grüner Läufer). Derzeit wird die A2 bis 2016 auf einer Länge von rund 2,3 Kilometern zwischen den Verkehrsknotenpunkten Geusselt und Europaplein untertunnelt.

Auf zwei Ebenen rollen später sowohl der innerstädtische als auch der Durchgangsverkehr unter der Oberfläche. Die beruhigte Zentrumszone wird nahezu komplett den Radfahrern und Fußgängern gehören, erklärt Desiree Florie, Sprecherin des Projektbüros „Avenue 2”. 500 Millionen Euro wird bis dahin allein der Tunnelbau verschlingen.

Die Verantwortlichen zeichnen im Vorfeld ein sonniges Bild vom urbanen Lebensraum Stadtzentrum. „Die Idee ist, Maastricht den Menschen zurückzugeben”, sagt Desiree Florie. „Schon seit vielen Jahren wird das Leben der Leute rund um die Altstadt vom Verkehr dominiert. Mit der grünen Ader soll das anders werden”. Insgesamt vier Kilometer wird die neue Allee am Ende lang sein.

Unterhalb des geplanten Erholungsstreifens mit 2000 neuen Bäumen soll das neue Verkehrsherz Maas­trichts schlagen. Zwei übereinander verlaufende Tunnelebenen mit je zwei Röhren nehmen auf, was bislang für erhebliche Verkehrsdichte und auch Staus sorgt: In der unteren Ebene fließt in rund vier Jahren der Durchgangsverkehr mit bis zu 100 Stundenkilometern. Der innerstädtische Verkehr bewegt sich darüber mit bis zu 80 km/h von Norden bis in den Süden und umgekehrt.

Das nötige Geld kommt dabei von Verwaltungsstellen. Rijkswaterstaat als Abteilung des Verkehrsministeriums, die Provinz Limburg, die Stadt Maastricht sowie die Gemeinde Meersen bringen die Bausumme von 500 Millionen Euro gemeinsam auf.

Bemerkenswert bei einem Projekt dieser Größenordnung: Der Gegenwind aus der Bevölkerung hielt sich während der gesamten Planungsphase in Grenzen. „Wir hatten hier in sechs Jahren vielleicht 20 Beschwerden von Bürgern”, so die Sprecherin. Jetzt, wo die Bauarbeiten Realität geworden sind, gebe es zwar vereinzelt Anrufe wegen des Lärms. Aufgebrachte Blockierer hat man zwischen Geusselt und Europaplein noch nicht gesichtet.

„Die Akzeptanz für das Projekt ist sehr hoch”, sagt Desiree Florie dementsprechend selbstbewußt. Das zeige auch das Interesse der Bevölkerung, die sich im Besucherzentrum am Stadionplein informieren und auch die Baustelle besichtigen wollen. Die Macher reagieren auf dieses Interesse mit noch mehr Transparenz: Jedes Jahr bis 2016 soll es einen Tag der offenen Baustelle geben, bei dem sich die Maastrichter und alle Interessierten auf dem „Bouwplats Avenue 2” umsehen können. Der Erste findet am Samstag, 2. Juni, statt.

2003 hatten die Beteiligten die Ausarbeitung ihres ehrgeizigen Plans für das Gefüge Stadt und Autobahn begonnen. Daraus kristallisierte sich bis Anfang 2009 das konkrete Vorhaben „Groene Loper”. In der offiziellen Version heißt es: Der Abschnitt soll die Erreichbarkeit von Maastricht und den Verkehrsdurchfluss der A2 an der Anschlussstelle Geusselt und Europaplein verbessern. Für die angrenzenden Viertel in Maas­trichts Osten entstehe laut Planungsbüro mehr Lebensqualität und Verkehrssicherheit.

Aktuell fressen sich die Bagger an den beiden künftigen Tunnelportalen auf die vorgesehene Tiefe von 25 Metern. Der A2-Tunnel wird auf ganzer Länge in offener Bauweise errichtet, bergmännischen Tunnelvortrieb sieht der Plan nicht vor.

Eines der ersten Bauwerke am Tunnelloch Geusselt ist bereits fertig: „Der Pferdetunnel ist natürlich in erster Linie für Fußgänger und Radfahrer”, erklärt Desiree Florie, und lächelt: „Aber auch ein Pferd samt Reiter kommt hier durch.”
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