Im Lava-Dome in Mendig brechen die Vulkane aus

Im Lava-Dome in Mendig brechen die Vulkane aus

Von: Martin Thull
Letzte Aktualisierung:
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Beginnen wir mit Zahlen: Wo kann der Besucher schon über 150 Treppenstufen in die Erdgeschichte hinabsteigen, die auf der Sohle rund 200 000 Jahre alt ist? Und dann in einer Art Keller auf einer Fläche, die umgerechnet 389 Fußballfelder groß ist, herumspazieren?

Der geführte Besuch erstreckt sich auf die Fläche eines Fußballfeldes. Ursprünglich hat es einmal 169 Schächte in dem unterirdischen Basaltsteinbruch in Mendig gegeben. Hier wurde seit 1843, nachdem in diesen Räumen der Abbau beendet war, Bier von zeitweise 28 Bierbrauereien der Eifel gekühlt. Das Gestein hielt die Lufttemperatur verlässlich auf acht Grad Celsius – ideal für untergäriges Bier. Und in dem Höhlengewirr nehmen Fledermäuse ihr Winterquartier. 13 verschiedene Arten haben Forscher zuletzt gezählt, bis zu 50 000 Tiere überwintern hier ab Ende November.

Basalt und Bimsstein

Platz genug ist für alle im Basaltbergwerk Lavakeller, das praktisch eine ganze Stadt unterkellert, nachdem über Jahrhunderte dort zunächst Basalt für Mühlsteine und Bims abgebaut worden waren. Segensreiche Folge einer der größten Naturkatastrophen, die Europa je heimgesucht hat: der Ausbruch des Wingertberges vor rund 200 000 Jahren sowie der Ausbruch des Vulkans, in dessen Kegel heute der Laacher See schlummert, vor rund 13 000 Jahren. Beim Ausbruch des Wingertsberg-Vulkans floss ein mächtiger Lavastrom, auf dem jetzt Mendig und die Erlebniswelt Lava-Dome stehen. Noch katastrophaler war die Explosion des Laacher-See-Vulkans: Große Teile der Eifel verschwanden unter mächtigen Bims- und Ascheablagerungen. Gewaltige Magmamassen löschten jedes Leben aus. Und hinterließen riesige Mengen Gestein, das den Nachfahren bis heute Arbeit und Brot gibt: Basalt und Bimsstein.

Knochenarbeit

Es muss eine Knochenarbeit gewesen sein: um das Kerzenlicht zu verstärken, kalkten die Männer Abschnitte des dunklen Basalts weiß. Zwar brachte die Erfahrung es mit sich, dass die Kenner den Stein lesen konnten. Dennoch: bis ein Mühlstein von einem Durchmesser von rund 160 und einer Dicke von etwa 30 Zentimetern fertig war, dauerte es mehr als eine Woche. Und die Vorarbeiten leisteten Frauen und Kinder, weil sie kleiner waren und deshalb auf den schmalen Pfaden und Leitern ans Tageslicht nicht so schnell ins Schwanken kamen.

Der Lava-Dome, dem der Lavakeller angeschlossen ist, ist ein Museum zum Fühlen und Schauen, zum Drehen und Wenden. Anschaulich und eindrucksvoll. Wie in einem großen Labor sind zehn Stationen aufgebaut, in denen Informationen spielerisch vermittelt und bereits vorhandene Kenntnisse vertieft werden. Über Druckluft kann ein Vulkanausbruch simuliert werden und der Weg der Aschewolke mit einer Düse gestaltet werden, Magma steigt symbolisch in einem mit Wasser gefüllten Zylinder auf, durch Drehen einer Kurbel steigt Magmamasse durch die Erdschichten. Diese Vulkanwerkstatt bietet eine Mischung aus Spielen und Experimenten, bei denen man sich alles Wissenswerte über den Vulkanismus erarbeiten kann.

In einem Märchenkegel wird von Vulkanen erzählt, auf einen etwa hüfthohen Klettervulkan können kleine Kinder steigen. Oder an einer anderen Station Gesteinsbrocken unter die Lupe nehmen. „Man muss drehen, ziehen, drücken, lesen, sehen, aufnehmen“, versprechen die Museumspädagogen nicht zu viel. Aber nicht nur junge Besucher kommen auf ihre Kosten, auch die erwachsenen Begleiter lernen, dass die Erdkruste in ständiger Bewegung ist, vor allem dort, wo die Kontinentalplatten aneinander reiben.

Was man zu kennen glaubt, wird etwa an einem Monitor anschaulich, der weltweit auf der Erde aktuelle Erdbeben anzeigt. Rot, gelb und grün – offenbar gibt es keine Ruhe. Und die Forscher lassen keine Zweifel daran, dass Vulkane in der Eifel heute nur schlafen. Als würden sie auf einen für sie günstigen Zeitpunkt zum Ausbruch warten. Und dass im Laacher See an einer Stelle sommers wie winters kleine Gasblasen an die Wasseroberfläche steigen, ist nur ein weiteres Indiz für diese These. Kein Grund, in Panik zu verfallen. Schließlich lagen zwischen den letzten beiden Ausbrüchen 180 000 Jahre.

Eine Multimedia-Schau zeigt in Ton und Bild, welche schrecklichen Folgen die gewaltigen Ausbrüche haben. Aber sie vernichten nicht nur Leben, sie können auch neues Land entstehen lassen. Oder – wie bereits gesagt – mit ihrer Hinterlassenschaft Rohstoffe liefern, von denen noch Jahrtausende später die Menschen profitieren. Schließlich wird Basalt heute noch gern für Treppenstufen, Tür- und Fensterfassungen, für Wegkreuze und Grabsteine verwandt. Und auch die Dombauhütte in Köln verwendet dieses harte Gestein für Nachbesserungen.

Freilichtmuseum

In der nahe gelegenen Museumslay, dem Freilichtmuseum, sind zudem verschiedene Straßenpflaster im Freien dargestellt, die deutlich machen, dass auch in diesem Gewerbe gewisse Moden Platz greifen können: Die Pflasterung des 18. Jahrhunderts bietet bereits eine Regenrinne und sogar eine Vertiefung der Rinne zur leichteren Entnahme von Wasser. Oder es gibt das „Kölner Profil“, bei dem Bordstein und Rinne eine Einheit bilden. Die Steinmetzwerkstatt, original Lorenzüge oder andere technische Hilfsmittel zeigen, dass der Mendiger Basaltabbau sich immer weiterentwickelte. Und Niedermendiger Mühlsteine waren ein Exportschlager in die im 17. Jahrhundert bekannte Welt.

Zurück im Lava-Dome: Die sprechenden Steine erzählen spannende Geschichten über Vulkanausbrüche von Vesuv, Montagne Pelée, Mount St. Helens und Pinatubo. Infotafeln ergänzen die aktuelle Daten und Informationen aus dem Internet auf den Monitor.

Ein besonderer Film

Ein besonderer Clou ist ein sechsminütiger Film, der den Ausbruch des Laacher-See-Vulkans fiktional darstellt bis hin zur Evakuierung des Nachrichtenstudios. Mehr sei nicht verraten, der Zuschauer wird im wörtlichen Sinne mitgenommen. Dieser Film sowie die verschiedenen Stationen und der Besuch im Lavakeller zeigen, dass die Erde in einem ständigen Wandel ist. Kontinente verschieben sich, Gebirge entstehen und vergehen, Vulkane brechen aus, lassen neues Land entstehen oder zerstören es. Vulkanausbrüche sind aus geologischer Sicht oft sehr schnelle Ereignisse – und gehören damit zu den geologischen Phänomenen, die der Mensch mit seinen Sinnen erfassen kann. Die Zeitachse schrumpft auf ein menschliches Maß und wird so begreifbar.

Der Lava-Dome verfügt über eine Ausstellungsfläche von insgesamt 700 Quadratmetern. Zu den drei zentralen Bestandteilen der Ausstellung zählen die Themenbereiche: „Im Land der Vulkane“, „Vulkanwerkstatt“ und die „Die Zeit der Vulkane“. Das „Landschaftsrondell“ im Foyer informiert den Besucher über alle anderen sehenswerten Einrichtungen und Landschaftsdenkmäler des Vulkanparks. Und heiraten kann man im unterirdischen Lavakeller auch.

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