Im Kölner Karneval eskaliert die Gewalt

Von: ddp/reg
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Dieser Narr blieb friedlich, doch viele andere alkoholisierte Karnevalisten haben der Kölner Polizei erhebliche Probleme bereitet. Foto: dpa

Köln. Nicht jeder Kölner Karnevalist wird mit Begeisterung auf die diesjährige Session zurückblicken. Etliche werden nach Aschermittwoch noch Zeit in Krankenzimmern und Arztpraxen verbringen, weil sie während des Straßenkarnevals Opfer von Körperverletzungen geworden sind.

In einem Fall ermittelt sogar die Mordkommission. In Köln ist die Gewalt zwischen Donnerstag und Dienstag förmlich eskaliert.

Kölns Polizeipräsident Klaus Steffenhagen sieht darin längst keine Zufälligkeit mehr, die sich mit verstärktem Polizeieinsatz kontrollieren ließe. Stattdessen fordert Steffenhagen Lösungen von der Politik: „Die Verantwortlichen müssen sich damit auseinandersetzen, dass in der Gesellschaft schon seit längerem die Gewaltbereitschaft zunimmt.” Die Politik sei nicht erst dann gefragt, wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist”, sondern müsse auch die Polizisten schützen.

Nur durch Notoperation gerettet

Zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag wurden in Köln 444 Körperverletzungen gemeldet und 42 Raubüberfälle. Allein Rosenmontag wurde die Polizei zu 837 Einsätzen gerufen. Die Szenarien ähnelten sich: Beteiligt an den Schlägereien waren in der Regel Jugendliche oder junge männliche Erwachsene, gerne in Gruppen und nach Alkoholgenuss. Dann reichte häufig ein schräger Blick, ein frecher Spruch oder ein versehentliches Rempeln, um die Situation eskalieren zu lassen.

Wiederholt verwendeten leitende Polizeibeamte den Begriff „Karnevals-Hooligans”; Menschen, die unkostümiert in die stark besuchte Innenstadt zogen, um dort gezielt Randale zu veranstalten. Konsterniert musste die Polizei feststellen, dass mit Bier- und Sektflaschen geworfen wurde, selbst wenn Streifenbeamte in der Nähe waren. Einer 23-jährigen Polizisten wurde eine Glasflasche auf dem Kopf zertrümmert, auch Sanitäter und Ärzte, die Verletzte versorgten, wurden angegriffen. Während sich die Zahl der Körperverletzungsdelikte im Vergleich zum letzten Jahr fast verdoppelte, hat sich die Anzahl der Schlägereien verdreifacht.

Dramatischer Höhepunkt war ein versuchter Totschlag am frühen Sonntagmorgen im Kölner Studentenviertel. Ein 21 Jahre alter Mann war hier mit einem Unbekannten in Streit geraten. Bei der anschließenden körperlichen Auseinandersetzung stach der Täter dem jungen Mann mit einer abgebrochenen Bierflasche in den Hals. Danach flüchtete er, mittlerweile wurde er festgenommen. Das Opfer konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Das Festkomitee Kölner Karneval arbeitet seit Jahren an einem Konzept, um den steigenden Alkoholkonsum und die daraus folgende Gewalt in den Griff zu bekommen. Doch das reich Polizeipräsident Steffenhagen nicht: „Wenn Menschen ausgelassene Feiern dazu nutzen, sich zu betrinken und gewalttätig zu werden, ist das bedenklich. Wenn jedoch meine Kollegen derart massiv angegriffen werden, müssen gesellschaftliche Lösungen gefunden werden.”

In den anderen rheinischen Karnevalshochburgen berichtete die Polizei von Einsatzzahlen, die weitgehend den Vorjahren entsprachen.
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