Aachen - Im Interview: Julia Engelmann vor ihrem Auftritt in Aachen

Im Interview: Julia Engelmann vor ihrem Auftritt in Aachen

Von: Rebecca Brockmeier
Letzte Aktualisierung:
15617589.jpg
Erfolgreiche Vollzeitpoetin: Julia Engelmann fasziniert ihre Zuhörer vor allem mit dem gesprochenen Wort. Foto: Imago/Star-Media

Aachen. Von der Poetry-Slammerin zur Vollzeitpoetin: Julia Engelmann. Ihre Botschaft lautet: Lebe jetzt, trau' dich etwas, verzage nicht! Und wenn es auch nicht gut läuft, Schwamm drüber! Es kommen auch bessere Zeiten. Carpe diem – nutze die Zeit! Das war schon 2013 ihre Botschaft, als sie in einem Bielefelder Hörsaal den Text „Eines Tages Baby“ vortrug, der sie ein Jahr später bekannt machte.

Am Dienstag gastiert Julia Engelmann mit ihrem Programm „Jetzt Baby – Poesie und Musik“ im Eurogress in Aachen. Ihr erstes Musikalbum „Poesiealbum“ erscheint am 3. November. Rebecca Brockmeier hat mit Julia Engelmann gesprochen.

Guten Morgen Julia, wie bist Du heute in den Tag gestartet? Wenn man deine Texte so anhört, stellt man sich vor, dass Du jeden Morgen fröhlich aus dem Bett springst.

Julia Engelmann: Ich hab‘ gefrühstückt und einen Kaffee getrunken und bin frohgemut in den Tag gestartet. Aber was ich mache, wenn ich dran denke, ist, mir mindestens zehn Sachen aufzuschreiben, für die ich dankbar bin.

Was landet dann so auf Deiner Liste?

Engelmann: Alles mögliche. Das kann ein guter Cappuccino sein oder ein Spaziergang oder ein gutes Gespräch mit Freunden, alles mögliche.

Also sind es eher die kleinen Dinge?

Engelmann: Ist die Frage, ob es die kleinen Dinge sind. Vielleicht sind es auch sogar die großen Dinge.

Deine Texte sind lebensbejahend: Es geht darum, einfach mal gerne zu leben, nicht auf die Norm zu achten, sich nicht klein machen, bei sich selbst sein. Bist Du selbst ein lebensbejahender Mensch?

Engelmann: Ja, ich würde sagen, ich bin sehr happy-end-affin und versuche optimistisch zu sein. Ich habe auch die Bandbreite aller Gefühle, aber ich entscheide mich gerne für die guten. Es gibt natürlich Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe, aber die, auf die ich Einfluss habe, auf die will ich auch positiv blicken.

Deine Texte geben einem das Gefühl, dass man aus den tausend Optionen einfach mal etwas ausprobieren sollte. Du wirst als Stimme Deiner Generation bezeichnet, und Du hast mal gesagt, dass das, was Du schreibst, unexklusiv sei, weil sich so viele mit Deinen Gedanken identifizieren können. Gibt es denn nie Widerspruch?

Engelmann: Natürlich gibt es den. So wie auf der Welt alles normal verteilt ist, so wie bei einer Gaußschen Glockenkurve, gefallen auch nicht allen meine Texte. Und ich diskutiere auch gerne. Und ohne unterschiedliche Meinungen könnte die Welt auch gar nicht existieren. Aber ich glaube eben, dass es Grundfragen gibt, die die Menschen vereinen. Die Art, wie Menschen damit umgehen oder die Antworten, die sie finden, sind sicherlich sehr individuell. Aber bei großen Gefühlen gibt es schon sehr große Schnittmengen zwischen uns allen.

Du hast jetzt mit „Poesiealbum“ dein erstes Musikalbum aufgenommen. War das eine Herausforderung?

Engelmann: Für mich ist es nicht so überraschend, weil ich schon immer gerne Musik gemacht habe. Und zum Beispiel auf einer WG-Party gerne ein Julia-Stone-Lied gecovert hab. Von daher war das eher ein Wunsch und etwas, was sich am Horizont angekündigt hatte und Realität geworden ist. Auch wenn ich das nicht unbedingt zu hoffen gewagt hätte. Insofern war es eher ein großes Glück für mich und eine tolle Erfahrung.

Worum geht' in dem Album?

Engelmann: Insgesamt vielleicht darum, Poesie in allen Dingen und Facetten des Lebens zu finden. Und um all die Erfahrungen und Gefühle der letzten Jahre. Es geht viel um Zeit, um Vergänglichkeit, um Lebensfreude und Im-Moment-Leben, um Menschen, die mir etwas bedeuten.

Wo findest Du die Poesie im Alltag?

Engelmann: Überall im Grunde. Da, wo Empathie vorhanden ist, oder wo ich Dinge liebevoll betrachten kann, wenn jemand freundlich und aufrichtig ist, wenn jemand etwas wertschätzt. Der Herbst sieht im Moment unglaublich schön aus. Alle Poesie, die ich schreibe, kommt aus dem Alltag.

Wir waren jetzt bei Texten. Wie ist es mit dem Klang? Wie klingt das neue Album?

Engelmann: Verschiedene Texte bringen verschiedene Stimmungen und Gefühle und davon habe ich mich leiten lassen. Zu gucken, wie fühlt sich das eigentlich an. Und jetzt ist es ein bisschen elektronisch angehaucht, bis zu Ukulelenklang, Synthesizer aber auch Balladen sind dabei.

Wann hast du eigentlich Dein erstes Gedicht geschrieben?

Engelmann: Mein erstes Gedicht habe ich wahrscheinlich in der Grundschule geschrieben. Aber mein erstes bewusstes Gedicht habe ich mit 17 geschrieben. Das ist auch in meinem ersten Buch enthalten, und heißt „Nicht allein, aber einsam“.

Mit welchem Thema willst Du Dich gerne noch auseinandersetzen?

Engelmann: Gut genug zu sein! Das Thema kommt ja auch schon latent in meinen Texten vor. Neulich hat mich zum Beispiel jemand gefragt, was meine Hobbys sind, und da habe ich gesagt: Schwimmen, Yoga und Lesen. Und dann fragte die Person, ob ich denn auch „richtige“ Hobbys hätte, weil sie das nicht spannend genug fand. Das ist ein Thema, über das ich viel nachdenke: Was macht einen Menschen spannend? Ich glaube es geht darum, wie er die Welt betrachtet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert