Region - Im Hüttenwerk Rothe Erde wird Industriegeschichte lebendig

Im Hüttenwerk Rothe Erde wird Industriegeschichte lebendig

Von: Alexander Barth
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Aufgehübscht: Bei der Führung geht es durch die historischen Flure und Treppenhäuser des Verwaltungsgebäudes in der Hüttenstraße. Foto: Alexander Barth
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Aufgehübscht: Bei der Führung geht es durch die historischen Flure und Treppenhäuser des Verwaltungsgebäudes in der Hüttenstraße. Foto: Alexander Barth
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Denkmalpflegerin Monika Krücken hat die Geschichte des Backsteinbaus erforscht. Foto: Alexander Barth
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Fixpunkte im Stadtteil Rothe Erde: Die roten Backsteintürme erzählen Aachener Industriegeschichte. Heute firmiert hier eine Krankenkasse. Foto: Alexander Barth

Region. Eilendorf und Rothe Erde, Siedlungen aus zehn, vielleicht 15 Häusern und Höfen. Nichts deutet noch Mitte des 19. Jahrhunderts darauf hin, dass sich östlich des Aachener Zentrums einmal die markanten Stadtteile von heute entwickeln. Dann schlägt die Geburtsstunde des Aachener Hüttenwerks.

Hunderte Arbeitskräfte siedelten sich mit ihren Familien an, gewaltige Produktionsstätten entstanden und begründeten den Ruf Aachens als frühen Fixpunkt der Industrialisierung. Während die Anlagen zur Stahlherstellung heute längst verschwunden sind, künden die roten Backsteintürme des ehemaligen Verwaltungsgebäudes bis heute von der Zeit, als Kohle und Stahl die Region prägten. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag dürfen Besucher hinter die Mauern des historischen Baus aus dem Jahr 1878 blicken.

Dann führen Hauseigentümer Lorenz Caspar-Bours und Josef Alt als Vertreter des heutigen Mieters Actimonda durch historische Flure und Treppenhäuser. Vor dem Einzug der Hauptverwaltung der Krankenkasse mit Stammsitz Stolberg im Jahr 2012 waren diese aufwendig saniert worden. Jahrelang haben edle Holzvertäfelungen und Mosaikfliesen hinter Spachtelmasse und unter Teppichboden ein Schattendasein geführt.„Es brauchte schon einiges an Vorstellungskraft, um die historische Substanz dahinter zu sehen“, sagt Firmensprecher Ralf Steinbrecher, „Der Zustand war zum Teil sehr schlecht. Aber für uns war klar, dass wir die alte Pracht wiederherstellen wollen.“

Heute lassen Fußboden und Wandverkleidungen wieder einiges vom ursprünglichen Charme des Gebäudes erahnen, dessen Charakter am besten mit einem Wort zu beschreiben ist: repräsentativ. „Man wollte zeigen, was man hat“, sagt Monika Krücken über das Wahrzeichen preußischer Industriearchitektur im Stadtteil Rothe Erde. Für die oberste Denkmalpflegerin der Stadt Aachen zählt der markante Bau zu den spannenden Ausnahmen im Arbeitsalltag. Sie hat die Geschichte des Hüttenwerks mitsamt seines Verwaltungsgebäudes zurückverfolgt und ist vor allem vom sozialen Aspekt des frühen Industriestandorts fasziniert. „Hier gab es nicht nur Arbeit, sondern auch eine soziale Perspektive. Arbeiter aus strukturschwachen Gebieten wie der Eifel zogen hierher, ins Umfeld des Werks“, sagt Krücken. So wurden nicht selten Bauern zu Stahlarbeitern und sorgten dafür, dass Stadtteile wie Rothe Erde oder Eilendorf überhaupt entwickelten. Allein Rothe Erde wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um das Vierfache.

Bereits in den 1920er Jahren begann allerdings der Niedergang für den Stahlstandort Aachen, der „Aachener Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde“ stand vor dem Aus. „Die Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag haben auch der Aachener Industrie schwer zu schaffen gemacht“, sagt Monika Krücken, „außerdem war mit dem Austritt Luxemburgs aus der deutschen Zollunion das wichtigste Zulieferland weggebrochen.“ Ab 1929 zog der Reifenhersteller Englebert Fils & Co. in das Verwaltungsgebäude, der verwitterte Schriftzug prangt bis heute über dem Torbogen des Backsteinbaus, der in den Hochzeiten des Hüttenwerks nach und nach auf sein heutiges Erscheinungsbild erweitert wurde. Im Rot der Backsteine spiegelt sich auch das bundesweite Motto des Denkmaltags wieder: „Farbe“ steht auch im Mittelpunkt der besonderen Besichtigungen an besonderen Schauplätzen der Region.

Als Wahrzeichen der Aachener Industriegeschichte beherbergte das Haus seit 1930 den Verwaltungssitz von Englebert, später von Uniroyal und schließlich Continental, ehe es 1998 verkauft wurde. Nachdem in den Jahren danach im „Innovationszentrum Aachen“ kleinere Firmen eine Heimat fanden, residiert seit 2012 wieder ein zentraler Mieter – und mit ihm das historische Bewusstsein.

Weitere Infos im Internet:

www.tag-des-offenen-denkmals.de

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