Icomos-Experte korrigiert: Keine rote Karte für Aachens Dom

Von: Stephan Mohne
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Aachener Dom
Icomos-Experte korrigiert die Medienberichte und betont: Das Weltkulturerbe ist nicht in Gefahr. Foto: dpa

Aachen. Michael Jansen weilt im Urlaub. Umso erschrockener war er am Freitag darüber, dass sein Name bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Kein Wunder, sollte er doch gesagt haben, dass Deutschlands erstes Weltkulturerbedenkmal – der Aachener Dom – Gefahr laufe, von der Unesco-Liste gestrichen zu werden.

Jansen ist früherer Prorektor der RWTH Aachen – und Jansen ist für den Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) einer der Beauftragten für Aachen. Icomos wiederum berät die Unesco in Sachen Weltkulturerbe. Laut einem WDR-Bericht soll Jansen die Gefahr für den Dom auf die geplante Entwicklung des neuen „Altstadtquartiers Büchel“ rund um das heutige Parkhaus dort bezogen haben. Die geplanten Gebäude seien zu hoch und zu massiv, kritisiere Icomos. Gegenüber unserer Zeitung korrigierte Jansen dies jedoch nachdrücklich.

Die Altstadt stehe unter dem Schutz der Denkmalbereichssatzung, für deren Einhaltung die Denkmalpflege der Stadt zuständig sei. Der geschützte Altstadtbereich sei auf Antrag der Bundesrepublik zugleich zur Pufferzone des Welterbedenkmals erklärt worden. Die Unesco habe keine Eingriffsmöglichkeit in nationale Gesetzgebungen. Sie gebe Empfehlungen und könne, wie das bis heute einmalige Beispiel Dresden gezeigt habe, im Extremfall den Titel Welterbe entziehen und damit sozusagen die rote Karte zeigen. „Davon ist für Aachen keineswegs die Rede gewesen, Dresden galt lediglich als Beispiel für die Aktionsmöglichkeiten der Unesco“, so Jansen. Er betont: „Der Aachener Dom als Welterbe und als Sakralbauwerk unter der Leitung des Domkapitels und des Dombaumeisters entspricht in seinem Zustand voll den Richtlinien der Welterbekonvention.“ Icomos-Vertreter würden beratend hinzugezogen, was sich Jansen auch für das weitere Verfahren in Aachen, das erst am Anfang stehe, wünscht.

Auch Projektentwickler Norbert Herrmanns und die Stadt zeigten sich überrascht über die Berichte. „Es gibt noch keine architektonischen Entwürfe, das kommt alles erst noch“, so Herrmanns. Bisher gebe es nur den städtebaulichen Entwurf, der Rahmen wie die maximalen Gebäudehöhen vorgebe. Für Unruhe hatte jüngst gesorgt, dass bei einer überarbeiteten Version des Siegerentwurfs die Gebäude höher und dichter sind als ursprünglich geplant. Das heiße aber nicht, dass sie am Ende auch so hoch würden, betont Herrmanns. Die Politik hat die Erarbeitung eines Bebauungsplans in Auftrag gegeben. Die Stadt betonte am Freitag, dass Icomos selbstverständlich eingebunden werde.

Jansen und Herrmanns telefonierten am Freitag bereits. Sie wollen sich kommende Woche treffen und austauschen.

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