„Ich muss herausfinden, warum die Patienten essen“

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Kreuzau/Düren. Zu Anja Höftmann kommen immer häufiger Menschen mit Adipositas. Die Ökotrophologin hat seit 2007 eine ernährungsmedizinische Praxis in Kreuzau, seit Anfang des Jahres auch in Düren. Sie sagt im Interview mit unserer Zeitung, manchmal sei eine Operation der letzte Ausweg.

Frau Höftmann, Arbeitet man anders mit adipösen Patienten?

Höftmann: Auf jeden Fall. Einerseits haben sie oft Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Gicht, andererseits muss ich auch herausfinden, warum diese Patienten essen. Meistens wird etwas kompensiert. Deshalb hat das auch eine psychische Komponente, die man beachten muss.

Für wie sinnvoll halten Sie eine OP am Magen?

Höftmann: Es gibt Patienten, die wirklich leiden und wissen, dass nur eine Ernährungsberatung einfach nicht mehr hilft. Einige von ihnen haben so viel Gewicht, dass sie arbeitsunfähig sind. In einem solchen Fall halte ich eine Operation für absolut sinnvoll. Natürlich ist sie aber nur eine Unterstützung, denn eine komplette Umstellung des Lebensstils ist trotzdem notwendig und das muss man den Patienten einfach klarmachen.

Wie muss man sich nach der Operation verhalten?

Höftmann: Danach gibt es erstmal ein bis zwei Wochen nur flüssige Ernährung, danach Brei und dann langsam wieder kleine, feste Mahlzeiten, bei denen zuerst Eiweiß, dann Gemüse, dann Kohlenhydrate zu sich genommen werden sollten. Man muss darauf achten, dass es nicht zu einer Mangelernährung kommt und erstmal zusätzlich Eiweißpräparate zu sich nehmen, damit kein Muskelabbau entsteht. So eine Operation schränkt die Lebensqualität ein, denn es entstehen oft Unverträglichkeiten als Folge. Außerdem kann man, gerade bei einem Magenbypass, schnell überzuckern, wenn man doch wieder zu Süßigkeiten greift.

Warum gibt es Rückfälle nach der Operation?

Höftmann: Weil der Patient das Essverhalten eben doch nicht ändert, es bei ihm einfach nicht „Klick“ macht. Schokolade oder Cola kann man ja auch zu sich nehmen, obwohl man eine Operation hinter sich hat. Die Patienten müssen lernen, genau auf ihr Sättigungsgefühl zu hören und eben nicht mehr zu fettreichen oder zuckerhaltigen Nahrungsmitteln zu greifen.

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