Aachen - Hunderte Polizisten besetzen Rothe Erde

Hunderte Polizisten besetzen Rothe Erde

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Ruhe vor dem Sturm: SEK-Beamte beobachten die Wohnung in der Hüttenstraße in Aachen, in der sich der mutmaßliche Räuber aufhalten soll. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es war ungefähr so, als würden die Spezialeinsatzkommandos im Lande gemeinsam einen Betriebsausflug machen. Schlag auf Schlag rollten schwer bewaffnete und vermummte Polizeitrupps aus mehreren Städten gen Aachen.

Überdies hatte die örtliche Polizei so ziemlich alles in Rothe Erde aufgeboten, was an Beamten gerade greifbar war. Insgesamt bevölkerten am Mittwochmittag mehrere hundert Polizisten den Ort, der stundenlang abgeriegelt war und zeitweise wie eine Geisterstadt wirkte. Und somit erlebte Aachen nach der Geiselnahme am Montag in der Innenstadt und dem verunglückten Tanklaster am Dienstag bereits den dritten Großeinsatz in drei Tagen.

Anlass diesmal: ein Raubüberfall. Am Mittag hatte ein Mann ein Lotto-Geschäft an der Hüttenstraße betreten und eine Waffe gezückt. Der Mann bedrohte die Angestellte, verlangte Bargeld und forderte die Frau auf, sich auf den Boden zu legen. Mit dem Kasseninhalt ergriff er dann die Flucht. Diese allerdings führte ihn nur wenige Häuser weiter. Zeugen hatten ausgesagt, der Täter sei in dem Haus auf der Ecke Hüttenstraße/Berliner Ring verschwunden. Daraufhin blies die Polizei zum Großalarm. Da wusste sie noch gar nicht, dass es sich bei dem Mann um einen „alten Bekannten” handelte.

Rothe Erde wurde für Fahrzeuge sowohl an der Ecke Philipsstraße als auch am Berliner Ring dichtgemacht. Das Haus war rasch umstellt. Schon frühzeitig war ein Mann festgenommen worden, der einigermaßen auf die Beschreibung der Zeugen passte. Er wollte besagtes Haus, in dem auch eine Zahnarztpraxis beheimatet ist, verlassen, da klickten die Handschellen. Der Täter sollte laut Beschreibung einen markanten Ziegenbart tragen und eine deutliche Narbe im Gesicht haben. Allein: Der Festgenommene hatte weder eine Waffe noch die Beute bei sich. Außerdem bestritt er laut Polizeisprecher Paul Kemen, der Räuber zu sein.

Also ließ die Polizei Vorsicht walten. Alle Einsatzkräfte blieben zunächst vor Ort. Schließlich wurde das Gebäude gründlich durchsucht. Letztlich gab die Polizei bekannt, der zunächst festgenommene und zum Präsidium transportierte Mann sei „dringend tatverdächtig”. Kurz vor 14 Uhr rückte die Armada der Polizisten wieder ab.

Schließlich ergab sich aus dem Großeinsatz dann noch ein spannender Aspekt: Der Festgenommene entpuppte sich bei „genauerem Hinsehen” als 37 Jahre alter Mann, der bundesweit per Haftbefehl gesucht wurde. Er gilt laut Polizei als notorischer Krimineller, der bereits etliche ähnlich gelagerte Taten auf dem Kerbholz habe. Dafür, so Polizeisprecher Paul Kemen, habe er auch lange hinter Gittern gesessen.

Und eben weil er immer wieder Überfälle beging, bekam er zuletzt sogar noch Sicherungsverwahrung „aufgebrummt”. Aber: Vom diesem Maßregelvollzug nach der „normalen” Haftzeit sei er verschont und auf Bewährung in Freiheit entlassen worden. Als Auflage sollte er eine Therapie machen. Doch diese habe er laut Polizei Mitte 2010 abgebrochen. Seitdem werde er gesucht. Ob er zwischenzeitlich schon mehrfach Raubüberfälle begangen hat, wird nun zu überprüfen sein. In Rothe Erde konnte die Polizei nun jedoch - eher durch Zufall - den Haftbefehl vollstrecken. Die Bewährung dürfte sich mithin erledigt haben.

Die Waffe wurde übrigens später auch noch gefunden. Es handelte sich um eine Schreckschusspistole.
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