Geilenkirchen/Aachen - Hundebiss: 150.000-Euro-Klage einer Postbotin abgewiesen

Hundebiss: 150.000-Euro-Klage einer Postbotin abgewiesen

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
9697017.jpg
Besondere Lebensgefahr? Zwei Huskies wie diese haben am 2. Februar 2010 eine Briefträgerin aus Geilenkirchen angegriffen. Foto: stock/Itar-Tass

Geilenkirchen/Aachen. Postdirektor Dr. Stegmüller war noch gar nicht richtig angekommen, da schüttelte er schon entnervt den Kopf. Zum zweiten Mal hatte er nun schon die Reise von Karlsruhe nach Aachen antreten müssen, „und das wegen dieses unsinnigen Falles“, sagte Stegmüller und seufzte.

„Dieser Fall“, der also am Donnerstag wieder vor dem Aachener Verwaltungsgericht verhandelt wurde, gehört nun wirklich zu den Klassikern des Briefträgerwesens, an dem sich Generationen von Witzeerzählern im Nachkriegsdeutschland abgearbeitet haben: Hund beißt Briefträger, oder, wie in diesem Fall: Zwei Hunde beißen Briefträgerin aus Geilenkirchen, weswegen die Briefträgerin gern 150.000 Euro Entschädigung hätte.

Am Morgen des 2. Februar 2010, einem Dienstag, trug die Postbeamtin J., damals 44 Jahre alt, in ihrem Bezirk in Geilenkirchen wie jeden Tag die Post aus. Zu ihrem Bezirk zählte ein Haus, in dem zwei Problem-Huskies lebten, diese Huskies hatten früher schon einmal ein Kind angefallen und verletzt, darüber hatte das Ordnungsamt die Briefträgerin informiert.

J. hatte allerdings noch nie Probleme mit den Schlittenhunden gehabt, schon weil sie ihnen noch nie begegnet war. Bis zu diesem Dienstag im Februar 2010: J. betrat wie jeden Tag das Grundstück, doch anders als sonst war die Haustür nicht geschlossen, sondern angelehnt. J. ging zum Briefkasten, die Hunde schlugen an und stürmten aus der Tür. Einer der beiden Huskies biss J. in den rechten Unterarm, ein Dienstunfall.

Die Wunde war nicht schwer, eine leichte Bissverletzung nur, trotzdem gab der behandelnde Arzt vorsorglich eine Tetanus-spritze. Der Wirkstoff löste bei der Briefträgerin J. das Guillan-Barré-Syndom aus, eine schwere Erkrankung des Nervensystems. Die Chance, dass das Medikament diese Erkrankung auslöst, liegt bei 1:10.000, J. hatte also Pech. Ende 2011 wurde sie in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, bei lebenslangen Pensionsansprüchen in Höhe von 1950,80 Euro, 75 Prozent ihres damaligen Beamtengehaltes.

Das aber war der Briefträgerin nicht genug, ihr wären 80 Prozent lieber, denn: Ihrer Auffassung nach hat sie sich während ihres Dienstunfalls am 2. Februar 2010 in besonderer Lebensgefahr befunden. Und weil das so gewesen sei, stehe ihr neben höheren Pensionsansprüchen auch eine Unfallentschädigung in Höhe von 150.000 Euro zu. Als der Vorsitzende Richter Ulrich Skischally dies am Donnerstag vortrug, schüttelte Postdirektor Dr. Stegmüller einmal mehr fassungslos den Kopf.

Mit der besonderen Lebensgefahr verhalte es sich aber nun mal so, erklärte Skischally: In der würden sich etwa Soldaten befinden, die während des Einsatzes im Spürpanzer auf eine Mine fahren. Oder Feuerwehrleute, die in ein brennendes Haus rennen, um einen hilflosen Menschen zu retten. In jedem Fall jemand, der sich dienstlich in einer Gefahr begibt, in der die Wahrscheinlichkeit zu sterben höher ist als die zu überleben. Und in einer solchen Gefahr hätte sich Briefträgerin J. aus Geilenkirchen auf überhaupt gar keinen Fall befunden.

Obwohl das Gericht der Briefträgerin dies zu einem früheren Zeitpunkt bereits mitgeteilt hatte, bestand sie auf einem Gerichtsurteil, das am Donnerstag gesprochen wurde und so lautete: Klage abgewiesen. J. muss nicht nur die Prozesskosten in Höhe von 450 Euro tragen, sondern jetzt passiert auch dies: Weil ein Gutachter kürzlich festgestellt hatte, dass die Briefträgerin J. sich von ihrer Nervenkrankheit hervorragend erholt hat, will Postdirektor Dr. Stegmüller prüfen, ob sie nicht auch wieder diensttauglich ist, aus ihrer Frühpension zurückgeholt werden und wieder zum Arbeiten verpflichtet werden kann. Dann wären seine beiden Reisen von Karlsruhe nach Aachen jedenfalls nicht umsonst gewesen.

Leserkommentare

Leserkommentare (7)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert