Hüte und Socken sind bei der Hitze ein guter Rat

Von: Verena Richter
Letzte Aktualisierung:
chio_bild1
Etwas weniger los: Die Hitze hat einige abgehalten zum Soerser Sonntag zu kommen. Doch denen, die dort waren, bot sich bein buntes Programm. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Anziehungskraft des Springbrunnens ist magisch. Die sieben kräftigen Wasserfontänen, die die Mitte des Rondells markieren, versprechen eins: ein wenig Abkühlung. Und nach der sehnt sich früher oder später jeder, der am Soerser Sonntag zum CHIO (Concours Hippique International Officiel) in die Aachener Soers gekommen ist.

Gegen 10 Uhr morgens allerdings, kurz nachdem das Tor zum Gelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) geöffnet ist, ist der Springbrunnen noch mit Absprerrgittern umzäunt. Nicht weil die Verantwortlichen verhindern wollen, dass die ersten Besucher ihre Hände oder Füße in die Fontänen halten, um sich wenigstens für einen kurzen Moment zu erfrischen. Heiß genug ist es bereits - 24 Grad Celsius zeigt die neue Informationssäule vor dem Turniergelände.

Der Grund für die Gitter ist ein anderer: Man will die Besucherströme lenken, die an dem ökumenischen Gottesdienst im Deutsche-Bank-Stadion (siehe Text unten) teilnehmen möchten. Erfahrungsgemäß sind das einige, wie ALRV-Sprecher Niels Knippertz, vorab verrät. Und auch am diesem Sonntag warten bereis um kurz vor 10 Uhr an die 200 Leute vor dem Tor, bis es öffnet sind es gute 350.

An einem Tag, der sich anschickt wieder tropisch heiß zu werden, heißt es da: Vorkehrungen treffen. Überall sieht man Strohhüte, manch einer, der etwas länger in der prallen Sonne warten muss, funktioniert kurzerhand seinen Regenschirm - ein Utensil, das normalerweise beim CHIO in seiner gewohnten Bestimmung immer zum Einsatz kommt - zum Sonnenschirm um. Und es riecht nach Sonnenmilch.

Die haben Christel Stettner und Rudi Richartz, die gemeinsam mit Käthe Hüsken im Reitstadion auf den Beginn des Gottesdienstes warten, auch aufgetragen. Für die begeisterten CHIO-Liebhaber gehört der Soerser Sonntag, der Tag der offenen Tür, einfach zum Reitturnier dazu. Und der beginnt mit dem Gottesdienst.

„Wir sind etwas früher hier gewesen als sonst, weil wir nicht so lange in den Schleusen stehen wollten”, sagt Christel Stettner auf die Frage, ob sie an diesem Soerser Sonntag etwas anders gemacht habe, als sonst. Dabei habe sie der Stromausfall in der Nacht zwar etwas irritiert, doch sie hätten alles gut geschafft und schnell ein schattiges Plätzchen im Reitstadion gefunden.

„Und nach der Messe werden wir einen ersten Rundgang starten und ein paar Freunde treffen”, erklärt Rudi Richartz, der seit 55 Jahren zum Turnier kommt. Gut vorbereitet sind sie: Sie haben Wasser dabei und tragen beide Strohhüte. „Den setzte ich heute auch nicht mehr ab”, sagt Christel Stettner.

Eine gute Entscheidung. Immerhin raten die Experten vom turniereigenen Medical Center jedem Besucher dazu, eine Kopfbedeckung zu tragen - und Socken. Damit es keine Blasen an den Füßen gibt. Insgesamt sind die Sanitäter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Johannitern aber zufrieden.

„Die Einsatzzahlen halten sich in Grenzen”, sagt André Alzer von der Einsatzleitung. Etwas mehr als 20 Fälle mussten die Ersthelfer behandeln, das sei normal für einen Soerser Sonntag. Vier Menschen habe man wegen Kreislaufproblemen zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht.

Vielleicht halten sich die Einsätze auch in Grenzen, weil in diesem Jahr dann doch weniger Menschen den Weg in die Soers gefunden haben. 23500 sind es gewesen, sagt Nils Knippertz. 14.000 weniger als im Vorjahr, doch „angesichts der Hitze sind wir sehr zufrieden”, erklärt der ALRV-Sprecher.

Frank Kemperman, Geschäftsführer des ALRV, nimmt es mit Humor. Im Interview auf der AZ-Aktionsbühne mit Moderator Manfred Kutsch sagt der Niederländer auf die Frage, was in diesem Jahr alles neu sei beim CHIO: „Die Hitze. Wir suchen aber noch nach einem Weg, wie wir sie wieder abstellen können.”

Die extremen Temperaturen stellen auch das Moderatoren-Team der „Aachener Zeitung” vor ungeahnte Herausforderungen. Immerhin stehen Sarah Siemons, Manfred Kutsch und Robert Esser bei 30 Grad Außentemperatur auch noch im warmen Scheinwerferlicht der Bühne. Sich darauf vorzubereiten ist schwierig, man könne nur viel trinken und sich so oft wie es geht im Schatten aufhalten, sagt Sarah Siemons und ergänzt: „Froh ist man, wenn dann mal ein Lüftchen geht.”

Über ein Lüftchen freut sich auch Signe Schönborn. Die junge Frau arbeitet an einem der zahlreichen Imbissstände auf dem Gelände. Um sie herum stehen drei Grills, vier Fritteusen, eine riesige Pfanne und mehrere Backöfen.

Wie warm es um sie herum ist, das weiß Signe Schönborn nicht so genau, es sei aber sehr, sehr warm. Sie und ihre Kollegen haben aber eine kleinen Trick, um sich wenigstens ein wenig Linderung zu verschaffen: Kühlsalbe. „Und in den Pausen gehen wir immer raus. Das was für die Menschen vor dem Imbissstand heiß ist, ist für uns Abkühlung.”

Allerdings schwitzen bei den Temperaturen nicht nur die Menschen. Auch die Pferde müssen mit dem Wetter zurecht kommen. Am Soerser Sonntag gibt es zahlreiche Showeinlagen auf dem Abreiteplatz Springen. Und dabei kommen die Tiere tatsächlich ins Schwitzen, am Ende ihres Auftritts ist ihr Fell in der Regel nass.

Renate Dahmen, Besitzerin des Dressurstall Dahmen, erklärt: „Wir sorgen dafür, dass die Tiere mehr trinken und Elektrolyte aufnehmen. Doch insgesamt kommen sie ganz gut mit der Hitze zurecht. Unsere Hunde haben mehr Probleme.” Die Pferde werden übrigens auch mit Sonnenmilch eingerieben, denn auch sie können an hellen Stellen des Fells - etwa an den Nüstern - einen Sonnenbrand bekommen. Und zu Hause geht es unter die Pferdedusche.

Die braucht am Ende des Tages auch das knuffigste Pferd im Stall des CHIO: Karli. Beziehungsweise der Schöpfer des CHIO-Maskottchens, Hans van Almsick, braucht die Dusche.

Wann immer Karli über das CHIO-Gelände tollt, für Fotos posiert oder Schabernack treibt, steckt Hans van Almsick in der 2,30 Meter großen Figur aus plüschähnlichem Stoff und Carbon. „Da drin ist es superwarm, da läuft der Schweiß in Strömen”, berichtet van Almsick.

Also müsse Karli viel trinken und an so extrem heißen Tagen sei er auch etwas ruhiger als sonst, „ihm ist ja auch heiß”, erklärt van Almsick. Dennoch, der Einsatzplan steht und Karli hat viele Auftritte beim CHIO, die van Almsick auch sehr ernst nimmt.

„Die Leute haben aber sehr viel Mitgefühl. Sie fragen immer, ob Karli nicht heiß sei”, sagt Karlis beziehungsweise van Almsicks Assistentin Sabine Scheerer. „Sie können gut verstehen, dass auch Karli sich nach etwas Abkühlung sehnt.”

Kein Wunder, an diesem Soerser Sonntag sehnt sich früher oder später jeder nach ein wenig Abkühlung.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert