Stolberg - Hospizgesetz fordert Altenheime extrem

Hospizgesetz fordert Altenheime extrem

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Stolberg. Ende 2015 hat der Bundestag mit deutlicher Mehrheit das neue Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) sowie das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe beschlossen. Das HPG soll die Palliativ- und Hospizversorgung in die Breite tragen, also zum Beispiel auch in Altenheime und Krankenhäuser.

Ein Jahr nach Inkrafttreten schauten die Praktiker, wie weit die Umsetzung gediehen ist: Beim nationalen gesundheitspolitischen Aachener Hospiz- und Palliativgespräch diskutierten 250 Teilnehmer aus ganz Deutschland in Stolberg die Frage „Das Hospiz- und Palliativgesetz – eine Aufforderung zum Kulturwandel?“.

Während das erste Gesetz zur Palliativversorgung von 2007 vor allem den Ausbau von spezialisierten Einrichtungen wie Hospizen förderte, sieht das neue HPG die Versorgung mit medizinischer, pflegerischer, seelsorgerischer und spiritueller Sterbebegleitung überall dort vor, wo Menschen sterben. Und das ist in etwa 850.000 von 900.000 Sterbefällen pro Jahr eben nicht in spezialisierten Einrichtungen.

Besonders Vertreter von Altenheimträgern hatten sich deshalb in diesem Jahr auf den Weg nach Stolberg gemacht, sterben doch 30 Prozent der Menschen in ihren Einrichtungen. „Die Altenheime sind durch das HPG sehr gefordert, auch weil noch nicht klar ist, wie sie dem neuen Anspruch finanziell und personell gerecht werden können“, beobachtete Veronika Schönhofer-Nellessen, Leiterin der Servicestelle Hospiz für die Städteregion Aachen und hauptverantwortliche Veranstalterin der Hospizgespräche.

Michael Brand, der als CDU-Bundestagsabgeordneter aus Fulda die beiden neuen Gesetze mitinitiiert hatte, nahm die allgemeine Zustimmung aus Pflege und Medizin in Stolberg als ermutigend wahr. „Aber es ist noch nicht alles gelöst. Besonders in der Suizidprävention haben wir noch Nachholbedarf. Und wir sollten die Trauerarbeit weiter stärken“, meinte er. „Nutzen Sie die positive Stimmung in der Politik, um auf die Stellen hinzuweisen, wo sie noch Luft nach oben sehen“, forderte er die Praktiker auf. Gerda Graf, Krankenpflegerin, Pflegemanagerin und Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes aus Düren, sagte, dass das neue Gesetz sich an den Menschen orientiere, nicht an den Strukturen.

„Die Zusammenarbeit der Institutionen ist jetzt gefordert. An ihr misst sich der Kulturwandel.“ Den erhofft sich auch Prof. Hans Christof Müller-Busch, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und Mitinitiator der Charta für Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen: „Den Anspruch auf ein Sterben in Würde müssen wir jetzt nicht nur in die allgemeine medizinische Versorgung tragen, sondern in die Gesellschaft allgemein. Wir sollten eine Kultur fördern, wo Trauer und Tod einen Platz haben.“

Vor allem darin sieht Prof. Katharina Heimerl, Leiterin des Instituts für Palliativcare und Organisationsethik in Wien, die kommende Aufgabe der deutschen Hospizbewegung. „Eine mitfühlende Gesellschaft lässt sich nicht per Gesetz festschreiben. Für eine Sorgekultur müssen sie weiter kämpfen.“ Schönhofer-Nellessen fasste zusammen: „Das Gesetz muss ins Leben kommen. Da sind die Mitarbeiter der Einrichtungen gefordert, aber auch die Familie, die Nachbarschaft, das Quartier. Jeder sollte ein Hospizhelfer sein.“

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