Hollands Kronprinz als Krisenopfer: Keine Afrika-Villa

Von: Thomas Burmeister, dpa
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Kronprinz Willem-Alexander
Der niederländische Kronprinz Willem-Alexander gibt sein Projekt einer Luxus- Ferienvilla in Mosambik nach heftiger Kritik in der Bevölkerung auf. Foto: dpa

Amsterdam. Die Liebe zu Afrika hat Hollands Thronfolger von seinem deutschen Vater geerbt. Immer wieder schwärmte Prinz Claus, der viele Jahre seiner Kindheit in Tansania verbracht hatte, dem Sohn von der wilden Romantik des „dunklen Kontinents” vor.

Doch Liebe kann blind machen. Gerade noch rechtzeitig hat Kronprinz Willen-Alexander das gemerkt. Nach monatelanger Kritik seiner erbosten Untertanten gab der künftige König der Niederlande am Freitag den Traum von einer Ferienvilla in Afrika auf.

Unmittelbar am Indischen Ozean und in der Nachbarschaft von Elefantenherden wächst auf der Halbinsel Machangulo ein Villenpark für Millionäre heran. 2007 hatten Willem-Alexander (42) und seine argentinische Frau Máxima (38) sich dort eingekauft. Anfangs gönnten die Holländer dem Sohn von Königin Beatrix (71) seine romantische Ader. Doch das „Projekt Machangulo” entwickelte sich zu einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen.

Den Anfang machte eine lancierte Falschmeldung. Eine Zeitung schrieb, zur Sicherung des Afrika-Urlaubs des Kronprinzen müsse ein Kriegsschiff der niederländische Marine vor Mosambik kreuzen. Das wurde glaubhaft dementiert, doch die Frage nach den Folgekosten der privat finanzierten Villa für den Steuerzahler war nun in der Welt.

Danach rissen zutreffende Negativmeldungen nicht mehr ab. Gegen den Projektentwickler wurde in Südafrika wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt, berichten die Medien. Hilfszusagen für die bettelarme Bevölkerung der Halbinsel seien nicht eingehalten worden. Im Streit darüber sei es auf Machangulo zu Schießereien gekommen.

Doch den größten Imageschaden erlitten Hollands Royals als bekannt wurde, dass die Regierung wegen der Finanzkrise Ausgaben für staatliche Leistungen - darunter für Polizei und Feuerwehr - um bis zu ein Viertel kürzte, während dem Königshaus eine Steigerung seines Etats um 3,5 Prozent zugebilligt wurde.

Plötzlich herrschte rings um das früher so beliebte Königshaus „eine grimmige Atmosphäre”, konstatierte die Zeitung „de Volkskrant”. Im Parlament wurde unüberhörbar die Frage nach Sinn und Zweck der Monarchie und deren Finanzierung in Zeiten der Wirtschaftskrise gestellt. Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende sah sich gezwungen, der königlichen Familie - mit Ausnahme der Monarchin und des Thronfolgers - private Flüge auf Kosten des Staates zu streichen.

Am Ende ließ selbst die eigentlich königstreue Oranier-Vereinigung den Kronprinzen im Stich. Eine Luxusvilla in einem der ärmsten Länder der Welt sei für den künftigen König der Niederlande „unangebracht”, erklärte sie. Nun beugte sich der Prinz, mürrisch und uneinsichtig: In seiner Mitteilung, er werde die Villa verkaufen, gab er den Medien die Schuld. Die hätten jedes kleine Problem ausgeschlachtet. Das habe ihn „enorm viel Zeit und Energie gekostet, die gerade in diesen Zeiten der Krise für andere Aufgagen dringend gebraucht werden”.
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