Hoffnung für Köln: Barbarastollen hütet Kopien zerstörter Dokumente

Von: Jürgen Ruf, dpa
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Freiburg/Köln. Ein Berg im Schwarzwald hütet einen Schatz, dessen Wert sich nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs in vollem Ausmaß offenbart. In einem ehemaligen Bergwerksstollen in Oberried bei Freiburg lagern mehr als 870 Millionen auf Mikrofilm gebannte Kopien historischer Dokumente.

Davon stammen rund 1,2 Millionen Aufnahmen aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv. Teile des zerstörten Kulturguts können somit wieder sichtbar gemacht werden. Die Arbeiten hierfür haben jetzt begonnen.

„Durch den Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln ist eine Situation entstanden, die es in der fast 35-jährigen Geschichte unseres Archivs noch nie gab”, sagt Ursula Fuchs vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Die Behörde mit Sitz in Bonn, die für den Schutz des deutschen Kulturgutes zuständig ist, verwaltet den Barbarastollen in den Tiefen des 1284 Meter hohen Schwarzwald-Bergs Schauinsland. Dort ist seit 1975 das größte Langzeitarchiv Europas untergebracht.

Die „unter Tage” gelagerten Aufnahmen zeigen Dokumente, die im Original in deutschen Archiven verwahrt werden. Dazu gehören auch historisch bedeutende Dokumente aus dem Kölner Stadtarchiv.

„Wir haben bereits ermittelt, dass Papiere der Oberbürgermeister der Stadt Köln von 1815 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bei uns archiviert sind”, sagt Fuchs. Hinzu kämen die Baupläne des Kölner Doms sowie Nachweise über wichtige stadtgeschichtliche Ereignisse und Personen.

Archivgut wird systematisch eingelagert, um zerstörte Unikate zumindest als Kopien der Nachwelt zu erhalten. „An ein Unglück, wie es sich nun in Köln ereignet hat, haben die Gründer unseres Archivs damals nicht gedacht”, sagt Fuchs.

„Ihnen ist es darum gegangen, deutsches Kulturgut vor der Zerstörung durch Kriege und Naturkatastrophen zu bewahren.” Das Kölner Unglück fordere das Langzeitarchiv nun zum ersten Mal.

„Wann die Aufnahmen nach Köln kommen, ist noch unklar”, sagt Bernhard Preuss, BBK-Referatsleiter für Kulturgutschutz. Zunächst werde abgewartet, welche Originaldokumente aus dem Kölner Trümmerberg gerettet werden können. Diejenigen Filme, die zerstörtes Material abbilden, sollen dem Kölner Stadtarchiv zur Verfügung gestellt werden, um neue Kopien anzufertigen.

Im Barbarastollen lagern Dokumente, die der Definition nach „eine hohe nationale oder kulturhistorische Bedeutung” haben. Zu ihnen zählen die Krönungsurkunde Ottos des Großen, der Vertragstext des Westfälischen Friedens oder Handschriften des Komponisten Johann Sebastian Bach.

In den Gängen des früheren Bergwerksstollen sind die Mikrofilme sicher. Sie lagern in großen, hermetisch abgeschlossenen Edelstahlfässern bei stets gleichbleibender Luftfeuchtigkeit und Temperatur und können so mindestens 500 Jahre überdauern. Der Stollen, der von stabilem Granitstein umschlossen ist, gilt als einsturzsicher. Zudem bietet er genügend Platz.

„Jedes Jahr werden mehr als 15 Millionen neue Einzelaufnahmen hier eingelagert”, sagt Fuchs. „Hält diese Entwicklung an, reicht der Stollen noch bis zum Jahr 2015.” Danach könnten Seitenstollen genutzt werden.

Zugang zum Barbarstollen haben nur wenige. Besuchern bleibt die Tür zum unterirdischen Archiv verschlossen.
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