Hört uns zu, wir verschenken Potenzial

Von: Christoph Classen
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Aachen. Wenn Fabian Seibert erklären will, dass Design ein Standortfaktor ist, dann erzählt er die Geschichte eines Musikformats. MP3 heißt es, und seine Erfindung leitete in der Tonträgerbranche eine Art Revolution ein. Sie hätte von Deutschland ausgehen können, aber sie tat es nicht.

Erfunden von Forschern eines Fraunhofer-Instituts in Erlangen, sahen sie die Möglichkeiten der MP3 darauf begrenzt, zehn Telefongespräche zeitgleich durch eine Leitung zu pressen. „Den iPod”, sagt Fabian Seibert „haben dann die Amerikaner erfunden.”

Was Seibert seinen Zuhörern damit vermitteln will, ist folgende Botschaft: Eine gute Erfindung ist noch lange kein erfolgreiches Produkt. Der iPod ist ein sehr erfolgreiches Produkt, wahrscheinlich das meist verkaufte Gerät zum Abspielen von MP3. Technisch gibt es wohl bessere, der Erfolg wird auf sein ansprechendes Äußeres zurückgeführt. Anders formuliert: auf sein gelungenes Design.

Um das geht es Fabian Seibert, und wenn man will, ist ihm das anzusehen. Seibert, 39, trägt zu schwarzem Anzug und roter Krawatte ein Paar Leinenturnschuhe. Das schafft Aufmerksamkeit und genau darum geht es ihm ja auch. Die Designmetropole Aachen will Seibert in den Fokus rücken, einen losen Zusammenschluss junger Menschen, die alle aus der namengebenden Stadt oder deren Umfeld kommen, und die beschlossen haben, gestalterisch neue Wege einzuschlagen.

Dass sie etwas verstehen von dem, was sie machen, steht außer Frage. Einige von denen, die sich der Designmetropole angeschlossen haben, wurden mit internationalen Auszeichnungen bedacht, ein paar Werke waren bereits im Museum of Modern Art in New York und Tokio ausgestellt. In Aachen aber scheint nur wenige zu interessieren, was ein paar junge Designer machen. Das möchten sie ändern, damit das vorhandene Potenzial endlich genutzt wird. Damit es nicht noch mal so läuft, wie damals mit dem MP3-Format.

Für ihr Anliegen fordern die Anhänger der Designmetropole Aufmerksamkeit. Nein, sie schreien förmlich danach. Deswegen sind sie bei der Internationalen Möbelmesse in Mailand mit Klebeband umher gelaufen, mit dem sie wahllos Besucher aneinanderklebten. Deswegen hat irgendjemand in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Ortseingangsschilder Aachens mit dem Zusatz „Designmetropole” versehen. Und deswegen hat die Designmetropole in Aachen am Donnerstag ihre erste Pressekonferenz gegeben.

Es wird wohl nicht die letzte gewesen sein. Weil die jungen Designer sich im Bewusstsein von Bevölkerung, Industrie und Politik festsetzen möchten. Wollte man ihre ungewöhnlichen Aktionen, die sie selbst mit dem Vorwort „Guerilla” versehen, in Sprache übersetzen, lautete die Botschaft wohl: Hört endlich auf, das große Design-Potenzial in dieser Stadt zu ignorieren! Weil es sich auszahlt, es zu nutzen. Im Jahr 2008 erwirtschaftete die Design-Wirtschaft in Deutschland mehr als 15 Milliarden Euro. Die Anhänger der Designmetropole wollen, dass ein Teil davon zukünftig in Aachen verdient wird. Weitere Mitstreiter sind willkommen. Für eine erste Kontaktaufnahme eignet sich eines der regelmäßigen Treffen. Sie stehen unter dem Motto: „Design-Er-Saufen”.
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