Düsseldorf/Geilenkirchen - Höchstpreise und Blamagen: Jagd nach Ware Kunst geht weiter

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Höchstpreise und Blamagen: Jagd nach Ware Kunst geht weiter

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Im Kölner Kunstfälscherprozess hatte das Landgericht Haftstrafen bis zu sechs Jahren gegen die vier Angeklagten verhängt. Die höchste Strafe erhielt der Drahtzieher und Maler Wolfgang Beltracchi (60). Drei der vier Angeklagten haben Revision eingelegt. Foto: dpa

Düsseldorf/Geilenkirchen. Es war eine Riesenblamage für die Kunstwelt: Jahrelang hat der ehemalige Hippie Wolfgang Beltracchi den Markt mit Fälschungen von Avantgarde-Künstlern übers Ohr gehauen.

Im Oktober wurde er in einem spektakulären Prozess vom Landgericht Köln zu sechs Jahren Haft verurteilt. Millionen-Beträge hatten Galerien und Auktionshäuser mit den gefälschten Werken von Max Ernst, Max Pechstein oder Heinrich Campendonk erzielt.

Kunden sind seit dem Kunstfälscher-Skandal misstrauischer geworden, sagen Auktionatoren. Die Häuser müssen mehr Informationen über Werke, Provenienz und Verkäufer liefern. Doch nicht nur in Deutschland scheint die „Beltracchi-Masche”, jahrelang vermeintliche Meisterwerke aus einer frei erfundenen Kunstsammlung auf den nach frischer Ware gierenden Markt zu bringen, zu funktionieren. In New York sorgt derzeit eine ähnliche Affäre für Aufregung.

Dort sind zahlreiche Werke moderner Kunst, unter ihnen angebliche Arbeiten von Mark Rothko und Jackson Pollock, ins Visier der Ermittler geraten. Auch sie stammen aus einer bisher völlig unbekannten Sammlung, wurden für Millionen verkauft - und werden jetzt auf ihre Echtheit überprüft.

Die ständigen Meldungen über spektakuläre Kunstfälschungen können die Kauflaune der Kunden aber offensichtlich nicht verderben. Immer neue Kunden stiegen ins Kunstgeschäft ein, beobachtet Robert Ketterer, Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses in München. Leute, die früher in Immobilien oder Aktien investiert hätten, legten ihr Geld zunehmend auch in Kunst an. „Das ist ein Riesenmarkt”, sagt Ketterer. Die Fälscheraffäre habe aber auch bewusst gemacht, „wie verletzlich der Markt ist”.

Der Boom auf dem Markt für Klassische Moderne, vor allem aber auch für zeitgenössische Kunst ist ungebrochen. Vor allem Gerhard Richter und die Zero-Kunst der 70er Jahre von Piene, Mack und Uecker sind gefragt, aber auch Rosemarie Trockel oder Isa Genzken steigen auf, sagt Markus Eisenbeis, Inhaber des Kölner Auktionshauses Van Ham und Präsident des Verbandes deutscher Kunstversteigerer (BDK). „Richter ist eine Ersatzwährung geworden, eine Form der Geldanlage”, sagt Eisenbeis. Richter, der am 9. Februar 80 Jahre alt wird, sei eine Wertanlage vergleichbar mit Rolex-Uhren oder Porsche.

Erst im Oktober erzielte das Richter-Gemälde einer brennenden Kerze aus den 80er Jahren bei einer Auktion in London fast 12 Millionen Euro - „absurd wie die Bankenkrise” sei dieser hohe Preis, lautete der Kommentar des scheuen Künstlers. Auch Eisenbeis meint, dass solche Millionenpreise „eigentlich in keinem Verhältnis mehr zu einem Stück Leinwand stehen”, sondern ein Beleg für Spekulation seien. Kunst werde immer mehr als Investment gehandelt, sagt Eisenbeis. „Sie wird nicht aufgehängt, sondern geht ins Lager.”

Das gilt allerdings nicht für die sogenannte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren - ein Spitzenwerk der Renaissance. Das mit geschätzten 60 Millionen Euro zu den teuersten Kunstwerken Deutschlands zählende Werk hatte der schwäbische Milliardär und Kunstmäzen Reinhold Würth erworben. Er lässt die kostbare Madonna ab Januar dauerhaft öffentlich in Schwäbisch Hall ausstellen. Es zeigt sich: Auch Alte Meister sind eine sichere Kapitalanlage - es gibt allerdings nur begrenzt Ware auf dem Markt.

Die Jagd nach „frischer” Spitzenware geht ungeschmälert weiter. „Die Nachfrage nach seltenen, marktfrischen und zudem aus kuratierten Sammlungen kommenden Werken ist stetig vorhanden”, beobachtet Philipp Herzog von Württemberg, Deutschland Chef von Sothebys. Auktionator Eisenbeis sieht dabei jedoch ein Problem: „Der Kunstmarkt leidet unter der Zurückhaltung der Anbieter”, sagt er. Viele Sammler wollten sich derzeit von ihren wertvollen Stücken nicht trennen, weil sie nicht wüssten, wie sie das erlöste Geld anders anlegen sollten.
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