Hochschulen: Nie mehr Chaos bei Zulassung?

Von: Axel Borrenkott
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Noch Plätze frei: Die meisten Hörsäle an deutschen Hochschulen platzen aus allen Nähten. Doch bleiben infolge der schlecht geregelten Zulassung bis zu 20 Prozent der Studienplätze unbesetzt. Foto: imago/robert fishman

Aachen. Annette Schavan hat in Hochschuldingen nicht viel zu sagen, die sind Ländersache. Doch am Dienstag will die Bundesbildungsministerin höchstpersönlich das Chaos der Studienplatzvergabe beenden.

Gespannte Skepsis reist mit nach Berlin, wohin Schavan eine „größere Gruppe” von Hochschulrektoren eingeladen hat, um eine Lösung auf freiwilliger Basis zu erreichen. RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg ist auch mit von der Partie.

Seit vier Jahren etwa, seit die Hochschulen schubweise alle Studiengänge auf Bachelor/Master umstellen, wächst das Problem der Mehrfachbewerbungen und -zulassungen Jahr um Jahr. Auf gut der Hälfte aller rund 11.000 Studiengänge an deutschen Hochschulen liegt eine örtliche Zulassungsbeschränkung. Also bewerben sich Abiturienten gleichzeitig via Internet an einer ganzen Reihe von Hochschulen. Viele werden auch an mehreren zugelassen. Die nicht eingenommenen Plätze müssen dann in Nachrückverfahren vergeben werden.

Das bedeutet: Jede Hochschule führt für jede Bewerbung ein vollständiges Zulassungsverfahren durch, sodann für jede nicht angenommene Zulassung ein bis vier Nachrück- und schließlich noch ein Losverfahren. Zu den absurden Konsequenzen des monatelangen Hindernislaufes gehört, dass manche Studenten erst so spät im laufenden Semester nachrücken können, dass sie es abschreiben müssen. Und am Ende bleiben bis zu 20 Prozent der Plätze unbesetzt, also blockiert.

Das Ganze schreit nach einer Institution, die dieses Verfahren zentral steuert. Die gäbe es auch, in Gestalt der ZVS. Die lange verschriene ehemalige Behörde in Dortmund für die Vergabe von allen Studiengängen mit bundesweiter Zulassungsbeschränkung ist seit dem vergangenen Jahr umgewandelt in eine Servicestelle, die Hochschulen für ihre Studienplatzvergabe gegen Entgelt nutzen können. Verpflichtend ist der Weg über die ZVS nur noch in Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie.

„Das klappt nicht freiwillig”

Die RWTH hat das Angebot der Service-ZVS zum Wintersemester 2007/08 für drei Fächer getestet. Außer ihr taten das drei weitere Unis sowie acht Fachhochschulen in Nordrhein Westfalen. Ergebnis: Der ZVS wurde gute Arbeit bescheinigt. Doch da nur die paar Hochschulen mitmachten, waren der Aufwand für diese und das Chaos für alle Beteiligten letztlich nicht geringer. „Das war ein Schlag ins Kontor”, sagt der Leiter des Studierendensekretariats der RWTH Aachen, Kurt Kinny.

Das offenkundige Problem ist die Freiwiligkeit, an zentralen Vergabeverfahren teilzunehmen. Die ist politisch gewollt. Während die SPD ein Bundesgesetz zur Hochschulzulassung fordert, wollen die Länderbildungspolitiker das mehrheitlich nicht. NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) setzt ausdrücklich darauf, dass sich „gute Sachen von alleine durchsetzen”. Das Ministerium lockt sogar mit einer Übernahme der ZVS-Kosten.

Dazu müssten aber eben alle Hochschulen - und das bundesweit - mitspielen. Nach aller langjährigen Erfahrung Kinnys ist solche Selbstverpflichtung unter ja auch noch zunehmend konkurrierenden Hochschulen eine Illusion: „Ich halte nichts von Freiwilligkeit. Das muss eine Verpflichtung sein, sonst klappt das nicht.”

„Keine Zeit mehr für Fehler”

Dieses Kunststück der Freiwilligkeit will aber die Bundesbildungsministerin heute hinkriegen, um im Superwahljahr das zum Wintersemester 2009/10 drohende, noch größere Chaos zu verhindern. Absicht ist offenbar, die geladene „größere Gruppe” von Hochschullehrern auf ein gemeinsames, von der ZVS zentral gesteuertes Verfahren einzuschwören, auf dass sich dem letztlich keine Hochschule entziehen kann.

„Wir haben keine Zeit mehr für Fehler, Experimente und Kompromisse”, mahnt der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, auch mit Blick auf die 300 000 zusätzlichen Studienanfänger jährlich, die von 2011 bis 2015 zu verteilen sind. Der Aachener Zulassungs-Experte Kurt Kinny wird es vermutlich als Fehler einstufen, wenn in Berlin heute Freiwilligkeit beschlossen wird.
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