Hitziges Thema: Das Geschäft mit dem Tod

Von: Laura Beemelmanns
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Bei der Einäscherung bleibt mehr zurück als die Asche des Toten: Die Veräußerung von Metallresten ist durchaus ein lohnendes Geschäft. Foto: dpa
Krematorium Einäscherung
Einäscherung im Krematorium: eine Entscheidung, die individuell getroffen wird. Foto: dpa

Aachen. Es ist eine Frage der Pietät. Und des Gewissens. Und vor allem ist es ein heikles Thema: das Geschäft mit dem Tod. Doch wenn der Fall der Fälle eintritt und ein Mensch stirbt, müssen Entscheidungen getroffen werden. Und das meist in einem hoch emotionalen Zustand. Schnell wird man mit der Frage konfrontiert, ob es eine Erd- oder Feuerbestattung sein soll. Gerade bei der Feuerbestattung gibt es jedoch viele offene Fragen.

Bei Temperaturen zwischen 800 und 1300 Grad wird der Leichnam inklusive Sarg in einem Einäscherungsofen kremiert. Nach rund zwei Stunden ist der Prozess vollzogen. Die Asche wird abgekühlt, aufbereitet und mit Hilfe eines rotierenden Dauermagneten von magnetischen Bestandteilen wie Sargnägeln oder Heftstiften befreit.

Danach wird die Asche bis auf vier Millimeter Durchmesser gekörnt und in die Urne geschüttet. Diese wird luftdicht verschlossen. Die Urne wird dann entweder dem Bestatter zur Beisetzung übergeben oder auf dem Postweg weltweit zugestellt. „Je nach Größe und Gewicht des Toten bleiben zwischen 500 Gramm und vier Kilogramm Asche übrig“, sagt Günter Sibbel, Betriebsleiter des Aachener Krematoriums „Auf der Hüls“.

Laut Städtetag ist es den kommunalen Krematorien in Deutschland selbst überlassen, was sie mit den Metallresten machen. Einige Krematorien haben die Veräußerung der Metalle als zusätzliche Einnahmequelle für sich entdeckt, andere spenden sie für einen karitativen Zweck. „Der Rat der Stadt Aachen hat im Jahr 2010 beschlossen, die kleinen Metallreste nicht zu veräußern“, sagt Sibbel. Reste, wie beispielsweise Schrauben, werden in Aachen der Urne hinzugefügt.

„Alles das, was von der Größe her hineinpasst, wird mit in die Urne gelegt.“ Große Metallteile, die nicht in die Urne passen – wie Platten oder Gelenke – werden nach Sibbels Angaben gesammelt, verwertet, und kommen dem Gebührenzahler zugute. Das ist die neue Regelung seit dem Jahr 2010.

Im Krematorium der Stadt Düsseldorf werden größere Metallteile, wie etwa Beschläge und Griffe des Sarges, aber auch medizinische Implantate der Asche entnommen. Diese Metalle werden verwertet. Der Erlös wird dem Gebührenhaushalt des Krematoriums gutgeschrieben – das sind rund 200.000 Euro im Jahr. Zahngold kommt mit in die Urne.

In Köln unterschreiben die Angehörigen mit dem Antrag auf die Einäscherung eine Klausel. Damit erklären sie sich einverstanden, dass die Metalle veräußert werden. Die Summe von jährlich rund 100.000 Euro kommt nicht dem allgemeinen Haushalt zugute, sondern fließt in die Kalkulation der Krematoriumsgebühren, sagt Stefan Palm, Pressesprecher der Stadt Köln.

In den Niederlanden gibt es den „Dr. C. J. Vaillant Fonds“, der nach dem ersten kremierten Mann in den Niederlanden benannt ist. Dieser Fonds wurde von der Landesweiten Vereinigung der Krematorien (LVC) gegründet, dem 32 Krematorien angeschlossen sind. Die Metallreste werden von der externen Firma Orthometals entgegengenommen. Das Unternehmen sammelt Restmetalle von Krematorien weltweit, verkauft sie und übergibt das erwirtschaftete Geld den Krematorien oder – wie in den Niederlanden – dem Fonds. Das Geld wird dann für karitative Zwecke verwendet. Jährlich sind das in etwa zwei Millionen Euro.

Ebenso ist es in Belgien. Auch dort ist Orthometals tätig. Einen Fonds oder eine Stiftung gibt es bislang noch nicht. „Wir geben das erwirtschaftete Geld an die einzelnen Krematorien zurück, jeder spendet es selbst einem wohltätigen Zweck“, sagt ein Sprecher von Orthometals.

„Deutschlandweit gibt es 150 Krematorien in kommunaler und privater Trägerschaft“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Das erste Krematorium in Deutschland wurde 1878 in Gotha, Thüringen, eingerichtet. Das Krematorium in Aachen gibt es seit 1979. Kremiert werden kann der Tote überall, das Krematorium ist frei wählbar. Lediglich die Preise variieren von Krematorium zu Krematorium. In Aachen werden insgesamt 378 Euro fällig.

Im Krematorium der Stadt Düsseldorf schlägt die Einäscherung mit 247,47 Euro zu Buche, in dem der Stadt Köln mit 298,50 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau durch einen Gerichtsmediziner, die liegen zwischen 25 und 50 Euro, Gebühren für die Aushändigung der Urne, das kostet bis zu 24 Euro, und gegebenenfalls für die Aufbewahrung der Urne, rund zehn Euro pro Woche. Auch hier variieren die Preise von Krematorium zu Krematorium.

In Aachen ist laut Sibbel die Einäscherung teurer, da nach der Höchstmarke von über 4762 Kremationen im Jahr 2000 eine Erweiterung der Anlage erforderlich wurde. Zudem musste die Steuerung der Öfen optimiert und ein verbessertes Abgasreinigungssystem installiert werden. Aufgrund der günstigeren Konditionen weichen immer mehr Bestatter und Angehörige auf umliegende Krematorien in NRW oder im Ausland aus. Im vergangenen Jahr wurden 2563 Menschen in Aachen kremiert.

Woher weiß man, dass die Asche vom eigenen Angehörigen stammt?

Ein feuerfester, nummerierter Schamottstein liegt zur eindeutigen Identifizierung mit auf dem Sarg. Der Stein gibt ausreichend Hitze ab, um den Sarg zur Selbstentzündung zu bringen. Der Stein selbst verbrennt nicht. Anhand einer bestimmten Registriernummer lässt sich somit auch im Nachhinein zurückverfolgen, zu wem die Asche gehört. Nach der Einäscherung wird der Stein der Urne hinzugefügt.

Darf man die Urne mit nach Hause nehmen?

„In Deutschland ist es nach geltendem Bestattungsgesetz nicht möglich, die Urne mit nach Hause zu nehmen. Alle Särge und Urnen müssen auf einem Friedhof beigesetzt werden“, sagt Sibbel. In den Niederlanden, Belgien und Frankreich besteht kein Friedhofszwang. Das Überschreiten der deutschen Landesgrenze mit einer Urne ist allerdings nicht gestattet und wird als gesetzwidriger Verstoß geahndet.

Schadet die Einäscherung der Umwelt?

Die Krematorien unterliegen strengen Bestimmungen der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) und den Richtlinien des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Auch bei den Särgen dürfen keine Stoffe verwendet werden, die einen negativen Einfluss auf die Umwelt haben. „Es gibt inzwischen sogar Bio-Urnen – bei der Herstellung werden pflanzliche Produkte verwendet“, sagt Sibbel. Der einzige Nachteil: Das Material ist schon nach einigen Monaten abgebaut. So kann die Urne inklusive Asche nicht mehr exhumiert werden.

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