Aachen - Hildegard Hürtgen ist die „Super-Lehrerin”

Hildegard Hürtgen ist die „Super-Lehrerin”

Von: Nina Leßenich
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Die Schüler hängen ihr an den Lippen: Die erste Reihe bleibt in Hildegard Hürtgens Mathematikstunden am Aachener Couven-Gymnasium nie leer. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die vorderen Reihen sind komplett belegt, in der hintersten herrscht gähnende Leere. Niemand starrt auf sein Smartphone, keiner spielt Käsekästchen – stattdessen hängt eine ganze Klasse wie gebannt an den Lippen der Lehrerin. Desinteressierte Jugendliche? Die sucht man im Mathematikunterricht von Hildegard Hürtgen vergebens.

Wer die 56-Jährige und ihren aktuellen Leistungskurs der Stufe Q2 im Couven-Gymnasium besucht, merkt schnell: Die Mathematik- und Biologielehrerin schafft, was längst nicht jedem Lehrer gelingt. Auf jede Frage meldet sich mindestens die Hälfte aller Schüler, alle arbeiten konzentriert mit und zwischendurch wird herzhaft gelacht – etwa dann, wenn Hürtgen mit einem Stift gegen den Kopf eines Schülers stößt, um die Lagebeziehung einer Geraden zu einem Kreis zu veranschaulichen.

Für ihre besondere Art mit ihren Schülern umzugehen wurde Hürtgen nun ausgezeichnet – mit dem Deutschen Lehrerpreis. Insgesamt 16 Lehrer aus ganz Deutschland wurden in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus” für ihr herausragendes pädagogisches Engagement geehrt – auf Vorschlag ihrer Schüler. „Ich wurde vom letzten Abiturjahrgang vorgeschlagen“, sagt Hürtgen. Davon gewusst habe sie aber nichts. „Eine Schülerin hat mir irgendwann eine Mail geschrieben und mich informiert, dass ich gewonnen habe“, erinnert sich Hürtgen und lacht. „Als ich von der Nominierung erfahren habe, hatte ich den Preis also schon gewonnen!“

Über 50 Schüler hatten sich bei dem Wettbewerb für Hürtgen stark gemacht. Unter den Einsendungen finden sich Kommentare wie „Ich hatte noch nie in meiner Schullaufbahn das Gefühl, bei einem Lehrer so gut aufgehoben zu sein.“ Oder: „Frau Hürtgen ist nicht nur Lehrerin, sie ist eine Art Schutzengel für unsere Stufe.“ Die Auswahljury in Berlin verlässt sich allein auf diese Aussagen der Schüler und bewertet sie im Vergleich mit anderen Vorschlägen.

Bestochen habe sie ihre Schüler für diese Formulierungen nicht, sagt Hürtgen und lacht. Auch ein „Geheimrezept“ für den Unterricht habe sie nicht. „Ich versuche, Mathe von zwei Seiten zu erklären“, sagt sie. Neben der reinen Formellehre sei es ihr wichtig, Zusammenhänge anschaulich zu erklären. „Außerdem lege ich viel Wert auf eine gute Atmosphäre“, sagt Hürtgen. „Man muss alle Schüler so wertschätzen, wie sie sind. Es gibt ja Lehrer, die hassen Schüler“, sagt sie. „Das verstehe ich nicht.“

Ihr selbst wurde die Mathematik in die Wiege gelegt, sagt die gebürtige Monschauerin, die seit 1994 am Couven-Gymnasium unterrichtet. Die Eltern, die Geschwister – alle Mathematiker. Ein „Mathe-Genie“ sei sie aber trotzdem nicht immer gewesen. „In der fünften Klasse konnte ich Mathe nicht gut“, erinnert sie sich. „Der Lehrer hat sogar einmal zu meiner Mutter gesagt: ‚Ihre Tochter wird vieles studieren, aber nicht Mathe!’.“

Vielleicht ist es ihr auch wegen dieser persönlichen Geschichte so wichtig, alle Schüler zu motivieren. „Ich möchte meinen Schülern zeigen, dass man kein Mathe-Crack sein muss, um den Leistungskurs zu wählen. Jeder Normalbegabte kann in Mathe gut sein, wenn der Zugang stimmt!“

Dass dieser Ansatz aufgeht, merkt man Hürtgens Schülern an. „Die Art, wie Frau Hürtgen erklärt, ist toll“, sagt der 17-jährige Marco Pitz. „Sie hat immer gute Veranschaulichungen.“ Dass ihre Lehrerin den Lehrerpreis gewonnen hat, finden ihre Schüler gerechtfertigt. „Das hat sie absolut verdient“, sagt Richard Kroll. „Frau Hürtgen ist eine der nettesten Lehrerinnen, die ich kenne. Man lacht in ihrem Kurs sehr viel. Das kommt nicht bei vielen Lehrern vor!“

In die hinterste Reihe würde der 17-Jährige sich bei Frau Hürtgen übrigens nie setzen. „Die ersten Reihen sind immer voll und wir führen auch viele persönliche Gespräche mit Frau Hürtgen“, sagt er. „Sie liebt ihre Schüler einfach.“

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