Aachen - High: Zu schön, um wahr zu sein?

High: Zu schön, um wahr zu sein?

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:
Cannabis
Cannabis lässt sich als Joint, mit einer Bong oder einem Vaporizer rauchen. Manche essen es in Kuchen eingebacken. Foto: dpa

Aachen. Experten warnen vor allem junge Menschen vor den Folgen des Cannabiskonsums. Wie unterschiedlich die Auswirkungen sind, zeigen Geschichten junger Leute aus Aachen. Von Leichtigkeit bis Depression erleben sie ganz unterschiedliche Gefühle.

Tim, 26 Jahre alt, studiert Spanisch und Englisch

Ein anderes Weltbild
Ich kiffe seit acht Jahren aus Langeweile. Wenn man high ist, schaut man von oben auf sein Leben, daher der Begriff „high“. Das heißt man reflektiert und hinterfragt alles. Ich würde sagen, dass es mich positiv beeinflusst hat. Durch die Reflexion hat sich mein eher egozentrisches Weltbild sehr stark zum universellen verändert. Natürlich liegt das nicht nur an Cannabis, jedoch fördert es dieses „Think outside the box“.

Johannes, 25 Jahre alt, arbeitet im Vertrieb

Entspannt und betäubt
Ich bin früher über ältere Freunde an Cannabis gekommen und konsumiere es nun seit etwa sieben Jahren, entweder als Joint oder als Vaporizer, ein Gerät zur Verdampfung von Cannabis. Es entspannt mich und betäubt Schmerzen. Ich finde es sehr gesellig, gemeinsam mit meinen Freunde zu kiffen. Bisher habe ich nur wenige, negative Folgen bemerkt, außer Fresskicks und Unproduktivität. Ich sehe mich nicht als abhängig, da ich zwischendurch immer wieder ein bis sechs Monate Pause ohne Komplikationen durchziehen kann.

Jonas, 26 Jahre alt, studiert Musik

Sonnen- und Schattenseiten
Seit zehn Jahren konsumiere ich Cannabis. Ich war neugierig, wie es sich anfühlt, bekifft zu sein, weil ich schon viel darüber gehört hatte. Meistens rauche ich Cannabis in Form von Joints. Ein Jahr lang habe ich außerdem Cannabis über die Bong, eine Art Wasserpfeife, konsumiert. Ab und zu nehme ich Cannabis auch in Form von Essen zu mir. Die Effekte sind sehr verschieden und daher für gewisse Situationen passend oder unpassend.
Normalerweise hat Cannabis eine beruhigende Wirkung auf mich, gekoppelt mit einer universellen Neugierde für meine Umwelt, mein Ego und meine Seele. Es fühlt sich oft befriedigend und amüsant an. Nach dem „High“ ist es sehr angenehm: Man ist ausgelastet, beruhigt und kann leicht einschlafen.
Es gibt aber auch Schattenseiten: Zu manchen Zeiten, bei einer zu hohen Dosierung, fühle ich mich von Cannabis auch gestresst und neige zu paranoiden, depressiven Gedanken und Gefühlen. Das kann auch zur Antriebsschwäche führen. Beim Cannabiskonsum durch die Bong ist der Effekt meiner Meinung nach zu stark. Ich fühlte mich dadurch abhängig.
Von meinen Freunden kiffen sehr viele. Die meisten kommen damit auch sehr gut klar und kriegen ihr Leben gut auf die Reihe. Ich fühle mich auch nicht abhängig. Des Öfteren konsumiere ich über einen längeren Zeitraum kein Cannabis, das fällt mir nicht schwer.

Michael, 25 Jahre alt, studiert International Business

Unreale Welten betreten
Als meine Eltern sich getrennt haben, habe ich angefangen, Gras zu rauchen. Das war nicht der Grund, warum ich begonnen habe. Aber als ich merkte, dass man durch das Kiffen einige Sachen vergisst und nicht mehr an Probleme denkt, war es ein netter Nebeneffekt.
Ich finde schon, dass Cannabis einen negativ beeinträchtigt. Man könnte die Zeit ja für etwas Produktiveres nutzen. Außerdem macht es träger und lustloser, egal ob man gerade high ist oder nicht.
Die meisten Leute, die schon lange und kontinuierlich kiffen, machen es zu ihrem Lebensmittelpunkt, auch wenn 98 Prozent dieser Leute das nie zugeben würden. Meiner Meinung nach versuchen die meisten Kiffer sich vom echten Leben abzulenken, indem sie eine unreale Welt betreten und die richtige hinter sich lassen können, in Gedanken zumindest. Ich denke, wenn man einmal im Monat oder in der Woche kifft, hat das gar keinen Einfluss, wenn man es verträgt.

Hannes, 22 Jahre alt, Pfleger

Kiffen macht blöd
Während der letzten Schuljahre habe ich immer wieder gekifft. Später, in der Zeit nach dem Abi, ist es deutlich mehr geworden, fast täglich. Für mich war das „High-sein“ immer gefühlsanhebend, alles hat sich während des Kiffens intensiver und geiler angefühlt. Auch mein Freundeskreis bestand zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich aus Leuten, die auch kifften. Ich fand den Verlauf des Rausches angenehmer als einen Alkoholrausch.
Nach über einem Jahr massivem Konsum habe ich fast gar nichts mehr gefühlt: Mir war einfach alles egal. Zudem haben sich meine emotionalen Probleme und schlechte Zensuren in der Ausbildung gestapelt. Am Ende war es eine Art Selbstmedikation, um von meinen Problemen wegzukommen, was natürlich nicht geklappt hat. Ich habe es dann geschafft, aufzuhören, und über ein Jahr nicht mehr zu kiffen. In den ersten Monaten hatte ich starkes Craving (Verlangen nach der Droge). Meine Emotionen sind wieder stärker geworden, aber anfangs waren es überwiegend negative Gefühle. Hinterher habe ich gemerkt und merke es auch heute noch, wie blöd Kiffen macht. Man kann sich nicht mehr richtig konzentrieren oder etwas dezidiert formulieren. Jetzt kiffe ich nur noch sehr selten.


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