Hier entsteht seit langem - gar nichts

Von: Christoph Lammertz
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„Hier entsteht in Kürze ein Vier-Sterne-Hotel für Düren”: An dieses Versprechen auf dem Baustellenschild vor der ehemaligen Stadthalle glaubt in Düren fast niemand mehr. Die Halle ist seit vielen Jahren ungenutzt und verfällt immer weiter. Foto: Christoph Lammertz

Düren. Über das strahlende Weiß hat sich ein Grauschleier gelegt. Das Baustellenschild hat mit der Zeit ein wenig gelitten. Doch noch sind die Buchstaben gut zu erkennen. Seit drei Jahren kündigen sie unverändert einen wichtigen Schritt für die Dürener Stadtentwicklung an.

Geändert haben sich dagegen die Reaktionen der Passanten: Interesse ist längst Kopfschütteln gewichen. „Hier entsteht in Kürze ein Vier-Sterne-Hotel für Düren” liest derjenige, der es noch lesen will, auf dem Schild an der ehemaligen Stadthalle. Daran glauben will fast niemand mehr.

Denn seit der Bauzaun um das Stadthallen-Grundstück gezogen wurde, ist außer einem großen Loch, das einmal die Tiefgarage des Hotels aufnehmen sollte, nichts entstanden. Die frühere gute Stube der Stadt, in bunten Architektenbildern meisterhaft in das 130-Betten-Haus integriert, verfällt. Und die Verantwortlichen im Rathaus, die das Hotelprojekt einst als Rettungsanker für die Stadthalle feierten, schauen tatenlos zu. Ihnen sind die Hände gebunden. Wobei es sich in diesem Fall um eine Selbstfesselung handelt.

Denn der Versuch, in den Vertrag mit dem Hotelprojektentwickler eine Rückfall-Klausel einzubauen, ist gescheitert. Den Experten im Rathaus ist es nicht gelungen, juristisch unanfechtbar zu verankern, dass Stadthalle und Grundstück zurück an die Stadt gehen, wenn das Hotel nicht bis zu einem Tag X gebaut ist.

Begonnen hat die Geschichte, die inzwischen als Farce taugt, zu Beginn des neuen Jahrtausends. Damals setzte sich im Rathaus die Erkenntnis durch, dass die Stadthalle in ihrer ursprünglichen Funktion nicht zu erhalten ist. Denn der städtische Haushalt ist seit Jahren mindestens ebenso marode wie der unter Denkmalschutz stehende 50er-Jahre-Bau. Eine Sanierung mit Geld aus dem Stadtsäckel war einfach nicht drin. Da kam ein Besucher aus dem Hochgebirge gerade recht: Den „Alpenmax”, ein Ü-30-Disco-Konzept, zog es nach Düren. So etwas braucht die Stadt, beschloss die Kommunalpolitik und machte den Weg für den Tanzpalast frei. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Nachbarn gemacht. Klagen von Anwohnern, die Lärm und Verkehrsbelastung fürchteten, führten schließlich 2004 dazu, dass der Geduldsfaden der Diskothekenbetreiber riss, und Max es nicht über die Alpen schaffte.

„Jobcenter” hieß die nächste Idee. Der Kreis Düren schlug vor, die Anlaufstelle für Langzeitarbeitslose in der Stadthalle und einem angrenzenden Neubau einzurichten. Der Bund signalisierte, das Projekt finanzieren zu wollen. Doch im Dürener Rathaus reiften andere Pläne.

Denn inzwischen hatte Hermann-Josef Schneider die Bühne betreten. Der Dürener Projektentwickler legte der Rathausspitze und der damals noch alleine regierenden CDU seine Hotelpläne vor. Dass Schneider sich nach einem Feriendorf-Projekt im Osten des Landes noch in gerichtlichen Auseinandersetzungen befand, weil Handwerker und Käufer sich von ihm geprellt fühlten, kümmerte die Entscheidungsträger wenig. Man kannte sich. Man vertraute sich. Immerhin hatte Schneider schon als Karnevalsprinz in der Stadt einen guten Eindruck hinterlassen. Und der Projektentwickler hatte auch schnell einen Hotelbetreiber an der Hand, die kleine holländische Sandton-Gruppe. Das reichte, um ihm ein Erbbaurecht für das Stadthallengrundstück einzuräumen und ihm die Baugenehmigung zu erteilen.

Dass Schneider noch keinen Geldgeber für das 20 Millionen Euro teure Bauvorhaben hatte - geschenkt. Hinter dem Umstand, dass sich Unternehmen, die das Wort „Invest” im Namen tragen, an seiner „Parkhotel Düren GmbH” beteiligten, ließ sich das offenbar geschickt verbergen.

„Die Finanzkrise hat die Suche nach Investoren nicht leichter gemacht”, hat Hermann-Josef Schneider dieser Zeitung vor einiger Zeit offenbart, nachdem er viele Monate nur Beruhigungspillen der Marke „Alles läuft normal”, „Wir liegen voll im Zeitplan” oder „Bald geht es los” verteilt hatte.

Ob es jemals losgehen wird? Die SPD, die das Hotelprojekt zunächst mitgetragen hat, glaubt daran inzwischen nicht mehr. Mit einer Bürgerinitiative fordert sie das sofortige Aus für Schneiders Projekt. Als Alternative schwebt ihr die Gründung einer Stiftung vor, die aus der Stadthalle wieder einen rentablen Veranstaltungsort machen soll. Bei der CDU beißt sie damit auf Granit. Man bleibe dabei, dass an dieser Stelle ein Hotel die beste Lösung für die Stadt ist, heißt es.

Und für den Fall, dass Schneiders Projekt wirklich scheitert, gebe es bereits neue Interessenten. Die müssen sich aber vorerst noch gedulden. Denn nachdem die Stadt den Dürener Projektentwickler mit einer Grundschuldeintragung auf das Grundstück zumindest im kleineren Rahmen kreditwürdig gemacht und die Erbbaupacht gesenkt hat, hat man sich auf eine neue Hotelrealisierungsfrist bis Frühjahr 2011 verständigt.

Solange wird wohl auch das Baustellenschild weiter vor der alten Stadthalle verwittern. Und einen Grauschleier tragen, mit dem mancher Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung vielleicht irgendwann gerne seine Verantwortung für ein grandios gescheitertes Stadtentwicklungsprojekt bedecken würde.
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