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Herzogenrath vor seiner einsamen Wahl

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
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Drei Männer, ein Ziel: Manfred Fleckenstein (SPD), Stefan Kuklik (Piraten) und Christoph von den Driesch stellen sich Sonntag der Bürgermeisterwahl in Herzogenrath. Die frühe Wahl ist notwenig, weil die Amtszeit von Christoph von den Driesch regulär endet.

Herzogenrath. Nun gut, geschneit hat es in den vergangenen Wochen nicht. Und so kalt wie vielleicht von einigen befürchtet war es an den Wahlkampfständen zwischen Merkstein und Kohlscheid in diesem Winter auch nicht. Aber rund um Weihnachten und Silvester die Menschen in Herzogenrath mit feurigen Reden auf Wahlkampftemperatur zu bringen, das ist dann trotzdem so eine Sache.

Am Sonntag wird in Herzogenrath ein neuer Bürgermeister gewählt. Und die Wahlkämpfer versuchen, die Menschen für sich zu gewinnen. Seit Wochen strahlen Christoph von den Driesch (CDU), Manfred Fleckenstein (SPD) und Stefan Kuklik (Piraten) auf vielen Plakaten an Bäumen und Masten Zuversicht aus. Und groß war das Interesse bei den drei Vorwahlduellen. Aufmerksamkeit findet der Wahlkampf also schon, wie auch Gerda Schmitz bei einem Freitagsbummel durchs Zentrum meint: „Durch Zeitungsartikel, Plakate und Infostände bekommt man schon viel mit.“

Doch den geschenkten Gutschein einzulösen oder den Flachbildschirm einzutauschen, liegt in diesen Tagen vielen Menschen näher, als sich über Wege aus der kommunalen Finanzmisere zu informieren. Die Resonanz auf die Politbotschaften scheint in dieser Zeit der Ruhe und des Urlaubs nicht so groß zu sein. Zwar berichten Wahlkämpfer wie Kandidaten gerne und ausführlich von ihren vielen Gesprächen mit den Bürgern, zeigen auch viel Präsenz in einem jahreszeitbedingt komprimierten Wahlkampf, doch manchmal herrscht auch ein wenig Leerlauf an den Ständen. Die drei Kandidaten haben es schwer. Keine Frage.

Änderung im Wahlgesetz

Weil Amtsinhaber Christoph von den Driesch bereits im Februar 2008 gewählt wurde, endet seine Amtszeit früher, als die nächste Kommunalwahl terminiert ist. Die findet in ganz NRW bekanntlich am 25. Mai statt. Und so sind dieser Tage von den Driesch, Fleckenstein und Kuklik als Alleinunterhalter unterwegs. Glücklich über diese Konstellation ist allein der Pirat. „Die Möglichkeiten einer viel breiteren Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit, hervorgerufen durch die vorgezogene Wahl mit nur drei Kandidaten, sind einzigartig und bieten sich in anderen Kommunen in dieser Form nicht“, sagt er. „Auch wenn der Zeitpunkt des Wahlkampfes mit Weihnachten und Silvester eher ungünstig ist, haben wir in meinen Augen die Chance genutzt.“

Hätte Amtsinhaber von den Driesch die Möglichkeit, würde er lieber in einen mit den Kommunalwahlen kombinierten Wahlkampf ziehen. „Weil es dann um das gemeinsame Politikangebot von Spitzenkandidat und Partei geht.“ Beides gehört für ihn zusammen. Darum findet der Jurist es auch richtig, dass in NRW ab dem Jahr 2020 die Bürgermeister- und Ratswahlen wieder gemeinsam stattfinden. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte vor allem auf Betreiben der FDP erst 2007 die Trennung beider Wahlen durchgesetzt. „Die Zusammenlegung erleichtert die Organisation und senkt die Ausgaben“, ist von den Driesch überzeugt. Und dies war auch vor wenigen Monaten ein Hauptargument von SPD und Grünen im Landtag, die Reform wieder zu kippen.

Aber nicht nur das. Es geht Rot-Grün auch um die Wahlbeteiligung. Die lag beispielsweise am 24. Februar 2008, als von den Driesch als erster Bürgermeister in NRW gemäß der neuen Kommunalwahlordnung für sechs Jahre gewählt worden war, bei 42,18 Prozent. Die vorgezogene Wahl war nötig, da der bisherige Amtsinhaber Gerd Zimmermann aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Da Christdemokrat von den Driesch mit 48,45 Prozent der Stimmen siegte, wurde er somit von rund 20 Prozent aller Wahlberechtigten zum Bürgermeister gewählt.

Bürgermeister wäre sein damaliger und heutiger Kontrahent Fleckenstein auch vor sechs Jahren mit diesem Ergebnis gerne geworden. Doch auch er hält die Zusammenlegung für sinnvoll. „Natürlich ist bei einer gemeinsamen Wahl die Verknüpfung zwischen Partei und Person größer, während bei einer getrennten Bürgermeisterwahl sicher die Persönlichkeit eine größere Rolle spielen kann“, so der Mathematiker. Was für ihn besser ist, kann er zwar nicht errechnen, ja auch nur schwerlich schätzen. „Das sollten Sie besser die Wähler fragen“, meint er.

Was der Wähler meint? Das wird Fleckenstein, das werden von den Driesch und Kuklik Sonntagabend wissen. Dabei hängt vieles von dem Piraten ab, den bis vor einigen Wochen niemand kannte. Kuklik kann nämlich zum Zünglein an der Waage werden. Am Sonntag muss nämlich ein Kandidat mit absoluter Mehrheit der Stimmen gewählt werden, sonst folgt am 26. Januar zwingend eine Stichwahl zwischen den Kandidaten mit den meisten Stimmen. Hinter vorgehaltener Hand geht niemand davon aus, dass ein Kandidat auf Anhieb die Mehrheit gewinnt, eigentlich sind alle schon zumindest gedanklich in Sachen Stichwahl eingestimmt.

Noch einmal zwei Wochen Wahlkampf, die letzten Kräfte mobilisieren. Während sich die Wahlkampfteams von CDU und SPD auf diesen Schlussspurt vorbereiten, wird auch im Rathaus hinter den Kulissen weiterhin die große Wahlmaschinerie auf Hochtouren laufen. Ein zweiter Wahlgang will reibungslos organisiert sein, die Wahlunterlagen verschickt werden. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich in zwei Wochen der Winter so richtig blicken. So schauen die Organisatoren derzeit auch ein wenig mit Sorge auf die Wetterkarte und die fallenden Temperaturen. Ja wirklich: Es könnte schneien. Und dann müssen die Wege zu den Wahllokalen frei sein.

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