Maastricht - Herr Rieu, immer nah und doch so fern

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Herr Rieu, immer nah und doch so fern

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Ausstellung Rieu Maastricht
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Ausstellung Rieu Maastricht

Maastricht. Im „Ballsaal“ erklingt Schostakowitschs Walzer Nr. 2, gespielt vom Maestro selbst – ein romantisches Wehmutsstück mit einer Melodie, die tagelang im Ohr bleibt. Auf den Boden sind Tanzschritte geklebt, in rosa und schwarz. Eins, zwei, drei. Eins, zwei, drei. Drehung. Eins, zwei, drei. Eins, zwei, drei.

Hier, in dem für die Rieu-Ausstellung eingerichteten „Ballsaal“, kann jeder drauflostanzen und dabei ein bisschen träumen. Von rauschenden Bällen, galanten Herren und koketten Damen. Vom 19. Jahrhundert und seinen eng getanzten Walzern, die André Rieu, der Große, seinen sehnsüchtigen Fans so grandios in die Köpfe geigt, dass ihnen jedes Mal so schön die Sinne schwinden.

Der Walzer und seine Welt: Der Geiger André Rieu hat sein Leben dem Dreivierteltakt verschrieben. Seine Megakonzerte – ob in den größten Hallen der Welt oder in der vergleichsweise kleinen Arena des Vrijthofs in seiner Heimatstadt Maastricht – sind Gesamtkunstwerke, immer perfekt konzipiert im Stil dessen, was man so gerne Walzerseligkeit nennt. Alles schwingt, alles singt, alle sind glücklich.

Dem Geheimnis dieses Erfolgs können Fans jetzt in Maastricht nachspüren: Die Ausstellung im Museum aan het Vrijthof, die „Liebe zum Detail“ heißt, zeichnet den Werdegang von André Rieu nach und zeigt: Die Mutter des Erfolgs ist die Akribie. Jedes der insgesamt 130 Objekte, die André Rieus Firma, die André-Rieu-Group, zur Verfügung gestellt hat, trägt die Handschrift des Chefs. Seien es die Kleider der Solistinnen, der Schmuck, die Skizzen für einen Konzertsaal oder das Sofa, auf dem Rieu während seiner Konzertreisen zu ruhen pflegt. Von frühester Kindheit an wurde André zu strenger Disziplin erzogen, erzählt Kuratorin Linda Everstijn: „Als André in die Schule kam, kannte er nur das Geigenspiel. Er fragte die andern Kinder, welche Stücke sie denn so spielen und war ganz erstaunt, dass niemand von ihnen Geige spielte.“ An vielerlei Beispielen zeigt die Ausstellung, wie sehr diese Fokussierung das Wirken von André Rieu von Anfang an geprägt hat und auch heute noch die Basis der gigantischen Show ist, die jedes seiner Konzerte darstellt.

Tatsächlich ist jedes Bühnenkostüm, das die Solistinnen während des Konzerts tragen, von ihm selbst erdacht. Die Anregungen dafür holt er sich bei Historienfilmen. „Manche sehen nur Kleidung“, sagt André Rieu, „für mich ist es Musik.“ So, als sei jeder Strassstein, jede Bordüre, jeder Spitzeneinsatz eine Note.

Viele der 22 Solistinnenroben, die die Ausstellung präsentiert, gehören zu André Rieus Lieblingsstücken. Sie alle wurden bei einem seiner Konzerte getragen, alle stehen für einen seinen großen Erfolge. Wer dabei war, wird sich freuen, hier die Kostbarkeiten einmal aus der Nähe zu sehen und sich wundern, dass André Rieus Solistinnen offenbar alle Größe 36 tragen.

Einen schönen Einblick in die Rieu-Welt bekommt der Besucher auch im Raum der Inspiration. Hier steht ein karges, rotes Ledersofa. Davon gibt es mehrere, erklärt Linda Everstijn. Es ist das Sofa, auf dem der Maestro während seiner anstrengenden Konzerttourneen zwischendurch zu ruhen pflegt. Kein Luxus.

Auch diese Gabe von André Rieu wird in der Ausstellung deutlich: sich selbst mit Schlichtheit zu umgeben und seiner Fangemeinde mit Bodenständigkeit zu begegnen. Rieu, sonst meist nur von ferne zu betrachten, kommt den Besuchern hier wunderbar nahe.

Und dann die Komponisten: Mozart, dessen Oper „Così fan tutte“ der Badezimmer-Hit im Hause Rieu war. Und natürlich die Straußens: Denen hat André Rieu 2006 ein Denkmal gesetzt – mit „Live at Schönbrunn“, seiner bisher gigantischsten Show. Dafür ließ der Meister der Walzerwelt Schloss Schönbrunn einfach als Kulisse nachbauen.

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